Sonntag, 23. Juli 2017

Schöne andere Welt

Nur knapp sind Day und June entkommen und nun schließen sie sich den Patrioten an, deren Anführer Razor ihnen zunächst hilft und dann einen gefährlichen Plan verwickelt. Sie einen Anschlag auf Anden, den neuen Elektor, verüben, um den Kolonien Unterstützung zu geben und ihnen möglicherweise zum Sieg zu verhelfen. Dazu wird June, die ehemalige Republik-Soldatin, in Andens Reihen eingeschleust. Nach einigen intensiven Gesprächen, in denen sich Anden völlig anders darstellt als vermutet, beginnt June an ihrer Mission zu zweifeln. Doch wie soll sie Day, der in den Reihen der Patrioten geblieben ist, davon abhalten, den Plan zu vollenden.

Bei Legend - Schwelender Sturm handelt es sich um den sehr spannenden Mittelteil der Legend-Trilogie. Nachdem Day und June mit Mühe in die Reihen der Patrioten gelangt sind, die eine Art Verheißung versprechen, sind sie überzeugt, der guten Sache zu dienen, auch wenn sie dafür Dinge tun müssen, die ihnen in friedlicheren Zeiten fremd lägen. Toll beschrieben sind die sich langsam einschleichenden Zweifel an den Ansichten, die die Patrioten über die Republik und ihren neuen Elektor verbreiten. June, die ja in die direkte Umgebung Andens gelangt, beginnt darüber nachzugrübeln, ob die Voraussetzungen, unter denen sie losgeschickt wurde, wirklich den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. 


Mit diesem Hörbuch wird die Fortsetzung der Legende von den Sprechern Julian Greis (Day) und Patrycia Ziolkowska (June) ganz hervorragend in Szene gesetzt. Die Gedanken und Gefühle der Protagonisten werden ausdrucksstark in Worte gefasst. Die Zweifel, der leise keimende Verdacht, dass hier etwas überhaupt nicht stimmt, die Sorge, das Schlimmste nicht verhindern zu können und auch die wenigen glücklichen Momente, in den June und Day einmal innehalten können. Schließlich steht am Ende ein überraschend anderes Weltbild mit einem sehr dramatischen Cliffhanger, der ausgesprochen neugierig aber auch ängstlich macht, darüber in welche Richtung die Autorin das Ruder in dem abschließenden dritten Band lenken wird.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Legend - Schwelender Sturm von Marie Lu
ISBN: 978-3-942587-61-7


Samstag, 22. Juli 2017

Sturmböen

Bei dem Fernsehsender hat Kajsa eine Auszeit genommen. Für eine lokale Zeitung beginnt sie jedoch über einen Todesfall auf der kleinen Insel zu berichten, auf der sie mit Mann und Kindern lebt. Sissel, eine etwas verschroben wirkende alleinstehende junge Frau, wurde in ihrem schönsten Kleid tot aufgefunden. Die Frau, die nicht sprach, gegen die aber auch niemand etwas hatte. Und nun ist sie tot. Es stellt sich heraus, dass die Tote ihre Umgebung beobachtet hat und über Ereignisse, die ihr wichtig erschienen, genaue Aufzeichnungen geführt hat. Hat sie etwas beobachtet, das ihr zum Verhängnis wurde. Oder ist das Motiv für den Mord eher in der Vergangenheit der jungen Frau zu suchen.

Eher gemütlich geht es los mit Kajsas Nachforschungen, keiner scheint etwas gesehen zu haben, keiner kann sich ein Motiv vorstellen. Und die Tote wurde nicht sofort gefunden, es besteht also eine erhebliche Unsicherheit über das, was zu welchem Zeitpunkt geschehen ist. Die Polizei kommt offensichtlich nicht so richtig voran. Kajsa, die als Journalistin einfach gute Artikel abliefern will, kommt bei ihren Untersuchungen manchmal an die Grenze des Erlaubten. Mit den offiziellen Ermittlern will sie es sich ebensowenig verscherzen wie mit ihrem Arbeitgeber und ihren Informanten. Hin und wieder wird es also etwas heikel für sie. 

Auch wenn die Journalistin und der Polizist nicht zusammenarbeiten, sind Kajsa und ihr Mann Karsten doch ein gutes Team. Und als solches funktionieren die sympathischen Protagonisten auch bestens für die Leser. In diesem zweiten Fall geht es für Kajsa und Karsten richtig zur Sache. Dieser mysteriöse Todesfall ist so vielschichtig wie eine Zwiebel und jede einzelne Schale muss vorsichtig und genau untersucht werden. Angesiedelt unter anderem in der Kultur der Gebetshäuser ist dieser Fall. Wenn man kein Kenner der Verhältnisse in Norwegen ist, fragt man sich allerdings, mit was für einer Art christlicher Religion man es hier zu tun hat, um einige Umstände des Falles besser einordnen zu können. Leider findet man im Internet keine Erklärungen, außer das Norwegen ein protestantisch geprägtes Land ist. Kajsa jedenfalls schreibt, sie habe sich in den Gebetshäusern immer wohlgefühlt. Der Fall des jungen Opfers erweist sich schließlich auch ohne genaue Kenntnis als tiefgründig und spannend. Sissels Schicksal besticht in seiner Tragik, man wünschte, sie hätte in ihrer Jugend Hilfe bekommen. Und der Showdown, zu dem die Autorin ihre handelnden Personen leitet, ist tatsächlich atemberaubend.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das Mädchen, das schwieg von Trude Teige
ISBN: 978-3-8412-1317-4


Donnerstag, 20. Juli 2017

Eleven

Die Mutter von Dave Robicheaux verschwand schon als er noch jung war. Nun erzählt jemand, sie habe als Prostituierte einen unwürdigen Tod gefunden. Das lässt Detective Dave Robicheaux keine Ruhe und er beginnt Nachforschungen anzustellen, wie seine Mutter tatsächlich starb. Er kann nicht ahnen, dass er damit in ein Wespennest sticht. Gleichzeitig befürchtet er eine Frau, die wegen eines Mordes an einem Mann, der sie schon in ihrer Kindheit mißbraucht hat, in der Todeszelle sitzt, könne zu Unrecht verurteilt sein. Gemeinsam mit seinem Kumpel Clete Purcell macht sich Robicheaux auf die Suche nach der Wahrheit.

In seinem elften Fall unternimmt Robicheaux eine Reise weit zurück in die eigene Vergangenheit. Das Verschwinden seiner Mutter hat er nie verwunden. Das ist wohl für jedes Kind unerträglich. Möglicherweise eine Mitursache für Daves Alkoholismus. Eine Krankheit, von der es keine Heilung gibt, auch wenn Robicheaux schon lange trocken ist. Bald könnte man auf die Idee kommen, Clete konsumiere seinen Anteil mit. Als dann auch noch ein psychopathischer Killer auftaucht, wird die Arbeit für die beiden geradezu gefährlich. Der Killer tritt mit Dave in Kontakt und behauptet, er wisse was mit der Mutter geschehen sei. 


Mit Macht wirft einen der Autor ins Geschehen. Kaum weiß man wie einem geschieht, da hat man die Geschichte um Maes Verschwinden gehört, in deren Folge einige Menschen brutal ermordet wurden. Auch erfährt man, dass die Frau im Todestrakt vielleicht einen Grund gehabt hat, einen berechtigten Groll gegen ihr Opfer zu hegen. Mit seiner direkten knarzigen Sprache versetzt einen James Lee Burke in eine Welt der Brutalität, aber auch der echten Gefühle. Knorrige Typen, gebeutelte Frauen und Menschen, die nur ihren eigenen Vorteil im Blick haben und dabei auch vor Morden nicht zurückschrecken. Von einem Buch wie diesem kann man nicht viel erzählen, man muss es lesen und auf sich wirken lassen.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Purple Cane Road von James Lee Burke
ISBN: 978-1-4091-3286-8


Dienstag, 18. Juli 2017

Eine geschäftliche Vereinbarung

Spencer Holiday ist als Playboy bekannt, von festen Beziehungen hält er nichts. Zwar möchte er als Gentleman rüberkommen, aber eben ohne Verpflichtungen. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit einer Bar, die er zusammen mit seiner besten Freundin Charlotte führt. Spencers Vater ist Inhaber einiger exklusiver Schmuckläden. Er will sich langsam zur Ruhe setzen und hat endlich einen Käufer für die Geschäfte aufgetan. Dieses soll bei einem gemeinsamen Abendessen der Familien gefeiert werden. Vollmundig behauptet Spencer gegenüber dem sehr konservativen Käufer, er sei seit kurzem mit Charlotte verlobt. Die Nachricht schlägt ein wie eine Bombe und Spencer begreift, in was für eine Situation er sich gebracht hat.

Welches Knistern entsteht zwischen den besten Freunden Spencer und Charlotte. Eigentlich darf es nicht sein, um nichts in der Welt soll die kostbare Freundschaft aufs Spiel gesetzt werden. Und so stellen Spencer und Charlotte ein paar Regeln auf, die auf keinen Fall gebrochen werden sollen. Kein Sex, kein Übernachten zum Beispiel. Doch Regeln sind dazu da gebrochen zu werden. Und so kommen sich Spencer und Charlotte bei ihrer Scharade immer näher. Köstliche wie Spencer in die Falle gerät, die er sich unwissentlich selbst gegraben hat. Wäre da nur nicht das schlechte Gewissen wegen des Betrugs und den Lügen die sie ihren Familien und Freunden auftischen.

Mit leichter Hand geschrieben bereitet die Autorin mit ihrem Roman einige prickelnde Lesemomente zum Dahinschmelzen. Aus Spencers Sicht geschildert und schon das ist mal ein interessanter Kniff erlebt man wie er langsam erkennt, dass er sich doch noch etwas anderes vom Leben wünscht als eine kurzzeitige Affäre nach der anderen. Charlottes Anziehungskraft tut ihr übriges zum Herbeiführen schlüpfriger Situation, die zum Regeln brechen nur so einladen. Man schmunzelt, man freut sich und manchmal leidet man mit. Zwar ist es eines der Bücher, bei denen man nach dem Lesen des Klappentextes schon weiß, welche Art von Happyend es geben wird, doch wenn der Weg dorthin so hinreißend geschildert ist, nimmt man eine gewisse Vorhersehbarkeit gerne in Kauf.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Big Rock - Sieben Tage gehörst du mir! von Lauren Blakely
ISBN: 978-3-9557-6647-4


Sonntag, 16. Juli 2017

Verblichen

Über einen Zeitraum von ungefähr vier Jahren lässt der Autor seine Leser teilhaben an seinem Leben. Zwar schreibt er über jemanden, der Navid Kermani genannt wird, und schafft so eine gewisse Distanz. Man kann also nicht ganz sicher sein, was autobiografisch ist und was erfunden. Doch fühlt man sich beim Lesen recht nah am Leben des Autors. 

In dem Buch „Dein Name“, das als Roman bezeichnet wird, geht es zum großen Teil um das Leben des Großvaters, die Wurzeln im Iran, die Lebensbeschreibung der Mutter und um die Verstorbenen, deren relativ kurze Beschreibungen über die Beziehung zum Autor zusammen mit einen Bild eine Art Kapitel-Einführung bilden können. Zusätzlich reflektiert der Autor über seine Affinität zu Jean Paul und Hölderlin.

Mit über 1200 Seiten der Beschreibung stellt Navid Kermani seine Leser vor eine fast schon gewaltig zu nennende Aufgabe. Das Buch liest sich nicht einfach so weg, es verlangt, sich jeden Satz vorzunehmen. Mit der blumigen und ausdrucksstarken Sprache, die in Sätzen, die schon mal einen halben Absatz oder mehr einnehmen können, ihre Vollendung findet, versteht es der Autor Aufmerksamkeit einzufordern. In seiner Art immer wieder hin und her springend zwischen tagesaktuellen Geschehnissen, der Geschichte der Eltern und Großeltern, den Toten, den Gedanken über die hoch geachteten Klassiker, wirkt das Buch wie eine Art schriftstellerisches Brainstorming. Gerade im Moment wird entschieden, was in das Werk Eingang finden soll. Sollte genau das der Plan sein, scheint es fast genial, wie der Überblick behalten wurde, wie der Autor nach dem Schreiben, Formulieren, Feilen, möglicherweise in Echtzeit sagen konnte, Ziel erreicht.

Als Leser ist man neugierig auf das von der Kritik enthusiastisch aufgenommene Werk und nimmt deshalb die Gelegenheit der Lektüre gerne wahr. Allerdings beginnt man schon bald, sich etwas abzumühen, mit der Wortgewalt, mit der eigenen Unwissenheit über den Iran, über die Toten und den Bogen von der orientalischen zur westlichen Welt. Die Lektüre dieses Buch ist nach der ersten Durchwanderung irgendwie noch nicht beendet. Jedenfalls fühlt es sich so an, als sollte man sich mindestens ein zweites Mal auf den Weg machen und sich noch mehr Zeit nehmen, um neben dem Buch auch erreichbare Sekundärliteratur zu wälzen, damit man den wahren Gehalt des Werkes besser zu würdigen weiß.


Da sich die Rezensentin nicht über eine Bewertung klar werden konnte, schließt sie sich dem Durchschnitt der Bewertungen auf den üblichen Plattformen an.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Dein Name von Navid Kermani
ISBN: 978-3-499-26971-4


Samstag, 15. Juli 2017

Die Profilerin

Nach Jahren des Studiums in England kehrt Sasza mit ihrer kleinen Tochter nach Danzig zurück. Erstmal möchte sie wieder ankommen, da erhält sie einen Auftrag, der sich bald als mysteriös herausstellt. Der Auftraggeber erweist sich bald als nicht der, dessen Persona er benutzte. Ob der Auftrag etwas mit dem Mord in einem Nachtclub zu tun hat, muss sich noch herausstellen. Doch die Beteiligten tauchen hier und dort auf. Und so beginnt Sasza gemeinsam mit der Polizei zu ermitteln. Die Spuren ergeben zunächst keine Klarheit und Sasza muss ihr ganzes Können aufbieten.

Die Probleme aus ihrer eigenen Vergangenheit glaubt Sasza überwunden zu haben. Diesen auf den ersten Blick einfachen Auftrag sollte sie mit Links wuppen können und das Geld kann sie gut gebrauchen, um sich in Ruhe nach einem richtigen Job umzusehen. Doch die Spuren weisen zurück in eine Vergangenheit, von der Sasza eigentlich nichts mehr wissen möchte. Was hat es mit einem Lied auf sich, das sich wie eine Art roter Faden für das Leben des Todesopfers zu ziehen scheint. Immer tiefer verstrickt sich Sasza in ihren Auftrag, ihre ganze Kraft steckt sie hinein und muss sich doch vor den Erinnerungen schützen.

Verzwickt und vertrackt entwickelt sich der Fall sowohl für Sasza als auch für die Polizei. Jeder kennt jeden in Danzig und jeder scheint etwas zu wissen. Doch es herrscht Schweigen und nur wiederwillig wird geredet. Nicht einfach bei den vielen kleinen Spuren und Hinweisen, den Überblick zu behalten und die Einzelteile zusammenzufügen. In eine etwas fremde Vorstellungswelt muss man sich begeben. Die Kenntnis des heutigen Polens ist möglicherweise nur aus Zeitungsartikeln vorhanden, über das eigentliche Leben dort ist nicht unbedingt viel bekannt. Zwar gewinnt man den Eindruck, dass die Autorin ihre Geschichte präzise geplant und niedergeschrieben hat, doch mangels eigner Kenntnisse sowohl der Lebensart, der Sprache und auch der etwas speziellen Art des Schreibens kann es sein, dass man sich als Leser nicht in die Geschichte hinein fühlen kann, nicht von ihr gepackt wird.

Der Wunsch, diesen sehr gut besprochenen Roman als Hörbuch kennenzulernen, mag sich als sinnvoll erweisen. Fröhlich und jugendlich wirkt die Erzählung der Vorleserin, die damit durchaus zu Sasza passt. 


3 Sterne (🐳🐳🐳)

Das Mädchen aus dem Norden von Katarzyna Bonda
ISBN: 978-3-837-13845-0




Freitag, 14. Juli 2017

Tiefes Band

Sofort reist Beatrice von New York nach London als ihre Mutter ihr am Telefon mitteilt, dass ihre jüngere Schwester Tess verschwunden ist. Trotz der großen Entfernung bestand zwischen den Schwestern ein inniges Band. Wieso hat Tess sich nicht bei ihr gemeldet? Beatrice und ihr Verlobter Todd waren nur kurz ein paar Tage auf dem Land. Dort waren die Telefonverbindungen schlecht, aber immer wenn es ihr möglich war, hat Beatrice versucht, bei Tess anzurufen und bekam nur das Besetztzeichen. Keiner scheint zu wissen, wohin Tess verschwunden sein könnte. Doch was sich mit der Zeit andeutet, kann Beatrice einfach nicht glauben.

Gegen alle Wiederstände will Beatrice herausfinden, was wirklich passiert ist. Vieles aus Tess’ Leben hat sie nicht gewusst, umso mehr ihr sie jetzt bestrebt, die Wahrheit zu kennen. Wer kann ein Interesse daran haben, dass Tess verschwindet. Die fröhliche Tess, der das Leben aus jeder Pore strahlt. Beatrice und Tess noch mehr zusammengeschweißt durch denTod ihres Bruders, den sie schon in der Kindheit verloren haben. Hat Tess ihr nicht mehr vertraut? Beatrice trägt alle Hinweise zusammen, derer sie habhaft werden kann. Es entwickelt sich ein unglaubliches Bild, so abstrus, dass die Polizei keine weiteren Ermittlungen aufnehmen will.

Harmlos zu Beginn verstrickt einen die Autorin im Lauf der Handlung in immer andere Verdächtigungen, so dass man beinahe auf Seiten der Polizei sein möchte, so klar erscheint es, dass Beatrice’ Gedanken ziemlich haltlos sind. Doch je weiter man vordringt und meint, einiges sei aber zu schön, desto mehr klebt man gebannt an den Seiten. Was kann da noch kommen? Wie löst sich das Ganze auf, wenn überhaupt. Nicht zu viel kann über das Thema verraten werden, das mit diesem Roman auf packende und intelligente Art beleuchtet wird. 


Neben diesem geht es vornehmlich um die enge Beziehung zwischen den beiden Schwestern Beatrice und Tess, der die Entfernung keinen Abbruch tun konnte, obwohl Beatrice schmerzvoll erfahren muss, dass sie nicht jedes Detail aus Tess’ Leben kannte. Dieses Ziehen im Herzen, die Angst vor dem drohenden Verlust, ist in beinahe jeder Zeile gegenwärtig.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Sister von Rosamund Lupton
ISBN: 978-0-7499-4201-4


Donnerstag, 13. Juli 2017

Eisige Kälte

Zum hundertjährigen Jubiläum der Everland-Expedition sollen Wissenschaftler auf den Spuren ihrer Vorfahren wandeln. Zwei Frauen und ein Mann werden entsandt, um die antarktische Insel Everland erneut zu erkunden. Sie sollen wissenschaftliche Daten über die Pinguine sammeln. Obwohl eine der Teilnehmerinnen über keine Expeditionserfahrung verfügt, kommen die drei voran. 

Den Bestreitern, die sich hundert Jahre zuvor auf den Weg gemacht haben, ergeht es weniger gut. Schon auf dem Weg zur Insel gerät ihr Boot in einen Sturm, der ihre Ankunft um Tage verzögert und den unerfahrensten der Drei in einen derart schlechten Gesundheitszustand versetzt, dass er nichts anderes als Pflege benötigt. 

Gebannt folgt man den Expeditionen zu ihrem unwirtlichen Ziel. Eisige Kälte, Wind, kaum Schutz von der rauen Landschaft. Nicht so unähnlich laufen die Expeditionen ab, deren Zeitabstand im Vergleich mit dem Wachstum einer Flechte nicht besonders hoch ist. Was geschieht während der gemeinsam verbrachten Zeit. Die Mitglieder beider Gruppen gelangen näher an ihre Grenzen als sie es zuvor vermutet hätten. Die jeweils schwächsten Mitglieder erweisen sich als Hindernis, an dem es zu bestehen gilt oder an dem das Scheitern möglich ist. Diese Enge in der Kleingruppe in einer lebensfeindlichen Umgebung, kaum vorstellbar. Eigentlich müssten sie zusammen halten, den Gefahren gemeinsam begegnen, sich den Aufgaben stellen. Doch ganz so läuft es nicht und man beginnt zu zweifeln, ob es jeder gesund in die Heimat schaffen wird.

Mit Aufmerksamkeit begegnet man diesem Buch, drei Ebenen gilt es zu folgen, die klar abgegrenzt sind und Cliffhanger unvermeidlich werden lassen. Denn manchmal wechselt die Perspektive gerade in dem Moment, wo man angespannt wissen möchte, wie es mit der vorherigen weitergeht. Mit dieser fesselnden Komposition entführt die Autorin in eine unwirtliche Region, die vornehmlich Menschen mit großem Forscherdrang aufsuchen werden. Was treibt sie dorthin, wie werden die Gruppen zusammengefügt, wie entwickeln sich die Beziehungen unter den Teilnehmern. Drei, sagt man, ist einer zu viel. Möglicherweise gilt ein solcher Spruch für diese Forschergruppen, die jeweils ein schwächstes Mitglied zu haben scheinen. Was macht diese Konstellation, verbünden sich zwei, wechseln die Bündnisse oder halten sie zusammen? Dies ist nicht das einzige Rätsel, dass die Autorin aufgibt. Mit ihrer ruhigen ausgeklügelten Erzählung fesselt sie ungemein. 

Wer Bücher in eisiger Kälte mag, sollte sich dieses Werk nicht entgehen lassen.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Everland von Rebecca Hunt
ISBN: 978-3-630-87463-0



Sonntag, 9. Juli 2017

Die Gangs von der Au

Im Jahr 1672 wird der Schongauer Henker Jakob Kuisl in den Rat der Zwölf berufen. Dies ist eine Versammlung der zwölf wichtigsten Henker Bayerns. Auf die Reise folgt ihm seine ganze Familie, wann hat man schon einmal die Gelegenheit in die Kurfürstenresidenz zu reisen. Besonders Kuisls jüngere Tochter Barbara ist froh, aus Schongau herauszukommen. Sie ist, nachdem sie gegen ihren Willen genommen wurde, schwanger und weiß nicht, wie sie aus ihrer misslichen Situation herauskommen soll. Der Plan des Vaters, sie zu verheiraten, könnte ihr zupass kommen. Doch eigentlich möchte sie sich ihren Gatten lieber selbst aussuchen. Und wie man es von dem Kuisl beinahe schon erwarten könnte, stolpert er bald nach der Ankunft über die erste Leiche.

In diesem siebten Band um die Schongauer Henkersfamilie Kuisl unternehmen eben jene zum ersten Mal einen Besuch nach München. Jakob Kuisl, ein wenig verstimmt, dass man in nicht früher eingeladen hat, aber auch stolz nun zum Rat der Zwölf zu gehören, spürt so langsam sein Alter. Doch im Grunde ist er immer noch der sanfte allerdings manchmal zum Jähzorn neigende Riese, der eigentlich ein besserer Heiler denn Scharfrichter ist. Seine Tochter Magdalena erhofft sich für ihren feinsinnigen und intelligenten Sohn, dass sie ihn in einer Schule in München unterbringen kann, wo er vielleicht in die Fußstapfen seines Vaters, des Arztes Simon Fronwieser, treten kann. Und Barbara hofft, sich irgendwie aus ihrer verzwickten Situation herauswinden zu können. Rätselhaft sind jedoch die Todesfälle unter den jungen Frauen, denn schnell stellt sich heraus, dass das Mädchen, welches ertrunken aus dem Auer Bach gezogen wurde, nicht das einzige Opfer war.

Bestens unterhalten schließt man dieses Buch nach fast 700 Seiten kurzweiliger Lektüre. Zurückversetzt in eine Welt, die von Standesdünkeln, unsinnigen Vorschriften und grausamen Strafen viel mehr bestimmt wurde als die Heutige. Die ehrlosen Henker und ihre Familien, die von vielem ausgeschlossen wurden, deren Dienste man dennoch brauchte. Die Adligen und Patrizier, die ein mitunter dekadentes Leben führten und deren Gier kein Ende kannte. Eine ideale Kulisse scheint die Stadt München zu bilden, die die Versammlung der Henker auch nur vor ihren Toren erlaubt. Staunend wandeln die Kuisls durch die Straßen und Gassen, Kirchen, Theater, Paläste - wo hat man das schon in dieser Zusammenballung gesehen. Und das gemeine Volk in engen Vierteln oder in Vororten wie der Au. Die Ränke im Rat, die Familienangelegenheiten der Kuisl sehr spannend und interessant verwoben mit den Morden an den jungen Frauen. 

Dieser historische Kriminal- und Familienroman gefällt durch die fein abgestimmt eingeflossene Recherche und seine packende Geschichte.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)


Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf von Oliver Pötzsch
ISBN: 978-3-548-28837-6


Samstag, 8. Juli 2017

papego

Heute möchte ich euch mal eine kleine, aber sehr erwähnenswerte App vorstellen. Papego heißt sie und ist unter folgendem Link zu finden: https://www.briends.net/

Ich bekam den Hinweis durch ein Lesezeichen, dass meinem neusten vorablesen-Gewinn "Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf" von Oliver Pötzsch beigefügt war. Am Rande: Das ist eine Reihe die ich sehr gerne lese, Vergangenheit lebendig dargeboten, spannend und nach meinem Gefühl sehr authentisch.

Aber wieder zu papego, Mit dieser App kann man Bücher, die mit dem Lesezeichen ausgeliefert werden oder einen entsprechenden Aufkleber haben, mit einem Handy oder Tablet weiterlesen, wenn man unterwegs ist. Die Idee hat mir richtig gut gefallen, schließlich sind einige Bücher ja doch recht voluminös, so dass ich jedenfalls sie nicht überall mitschleppen möchte. Man braucht dazu nur die App herunterzuladen, die ersten fünf Zeilen der Seite, die man gerade liest einzuscannen, und schon kann man loslegen.

Ich habe das mit meinem aktuellen Buch gleich einmal ausprobiert. Das Scannen ging natürlich fix, nur mit dem Download hat sich die App erst etwas schwer getan. Dann sollte ich meine Internetverbindung prüfen. Da ich hier eigentlich ziemlich gute Verbindungen habe (LTE, WLAN-Router neu), bin ich nicht sicher, ob die App da noch ein wenig verbessert werden könnte. Als der Buchabschnitt (es werden 25% des Buches zur Verfügung gestellt) geladen war, konnte ich feststellen, dass die App tatsächlich erkannt hatte, wo ich war und die Bedienung war dann sehr intuitiv. Man kann, wechselt man wieder zum Print, auch leicht finden, wo man einsetzen muss, es werden die Seitenzahlen der Printausgabe angezeigt. Man kann auch mehrmals hin und her wechseln, allerdings wird nirgends genau gesagt wie oft. Schriftart, Schriftgröße, Helligkeit, etc. lassen sich nicht einstellen, das hat mich bei meinem kleinen Ausflug zwar nicht gestört, Möglichkeiten in diesem Bereichen könnten aber durchaus sinnvoll sein.

Leider gibt es für die App noch nicht allzu viele Bücher, aber in der Liste, die bei Thalia hinterlegt ist, tauchen einige sehr interessante Bücher auf.

Ich wünsche der App und ihren Machern viel Erfolg und dass noch mehr Bücher zur Verfügung gestellt werden. Eine tolle Idee, mit noch etwas Luft nach oben. Wenns eine Rezi wäre, würde ich vier Sterne geben.




Freitag, 7. Juli 2017

Freunde fürs Leben

In ihrer Jugend waren sie beste Freunde: Henry, Lee, Ronny und Kip. Natürlich war ihre Verbindung nicht mehr so eng als sie älter wurden. Eines Tages jedoch kommt Kip nach hause. Er hat die Mühle gekauft und renoviert. Und er will heiraten. Er gibt einen Junggesellenabschied, mit dem er sich den Unmut seiner Freunde zuzieht. Ronny, der nach einem Unfall beim Rodeo nicht mehr so ist wie zuvor, soll nicht dabei sein. Das können und wollen die Freund nicht gutheißen und dulden. Doch die einst tiefe Freundschaft bekommt Risse. Und so werden Kip und Felicity nicht zu Lees Hochzeit nach New York eingeladen.

Freundschaft ist manchmal das Wichtigste im Leben, auch wenn nicht immer alles deutlich ausgesprochen wird. Mitunter bedarf es auch keiner großen Worte, man versteht sich auch so. Aber auch Freunde können Geheimnisse voreinander haben. Lee, der inzwischen ein berühmter Musiker ist, scheint am meisten an der Heimat Wisconsins zu hängen. Immer wieder zieht es ihn zurück, nur hier in der Ruhe und Weite kann er seine Batterien aufladen. Henry dagegen ist kaum je vom Land weggekommen. Träumt er nicht manchmal von einem Abenteuer. Ronny schien seinen Weg gemacht zu haben, vor seinem Unfall. Und Kip tut viel für den äußeren Schein.


Bücher über Männerfreundschaften haben etwas besonderes, deshalb bieten sie für Leser, denen genau dieses liegt, ein besonderes Leseerlebnis. Andere wiederum, die eher anderen Thematiken zugeneigt sind, aber gerne mal einen Ausflug in ein anderes Genre unternehmen, finden vielleicht nicht sofort einen Zugang zu dem Buch. Zunächst sacht in Schilderungen dahin plätschernd entwickelt sich nur nach und nach eine Dramatik, die dann jedoch mehr mitreißt als man zu diesem Zeitpunkt erwartet. Dennoch wirkt der Roman manchmal wie ein Freundschaftsbrainstorming, in dem nicht immer alles so friedlich und freundschaftlich ist wie es scheint. Eine durchaus interessante Lektüre, die einen tiefen Einblick in die lange Freundschaft der vier Männer gewährt.

3 Sterne (🐳🐳🐳)

Shotgun Lovesongs von Nickolas Butler
ISBN: 978-3-453-43782-1





Donnerstag, 6. Juli 2017

Showdown

Anstatt zur Beerdigung seines Vaters zu gehen, flüchtet der Berliner Polizist Frassek nach Österreich. Dort stolpert er in einen Todesfall, der den österreichischen Kollegen sehr verdächtig vorkommt. Frassek ist dann erstmal der große Unbekannte, der ins Dorf kam und es wieder verließ. Als Frassek in Berlin seine Kompetenzen überschreitet und damit einen Fall kaputt macht, macht er sich erneut auf den Weg ins Alpenland. Das Suchbild im Fernsehen sieht ihm doch recht ähnlich. Ehe er es sich versieht, gehört Frassek zu den Verdächtigen. Er soll den 104jährigen Alois Kroisleitner umgebracht haben. Zwar muss ihn die Polizei schnell wieder gehen lassen, aber Frassek sieht sich in der Pflicht hier die Wahrheit herauszubringen.

Ein Berliner Polizist, der den Tod seines Vaters nicht verarbeiten kann, trifft auf einen Schuhmacher, dessen Vater plötzlich verstorben ist. Natürlich hat der Berliner in Österreich nichts zu ermitteln, aber ein wenig herumfragen kann man ja mal, nicht? Nichts anderes tun auch die Dorfbewohner. Die Wirtin Lissi macht sich so ihre Gedanken, die Dagmar und die Maria auch. Und dann kommt auch noch die Tochter von der Maria wieder, die das Dorf vor zehn Jahren verlassen hat. Sie findet geheimnisvolle Briefe und sie will endlich wissen, wer ihr Vater ist, und warum der schöne Josef damals nichts mit ihr zu tun haben wollte.

Ein richtiger Kriminalroman ist es eigentlich nicht. Zwar gibt es einen Toten und viele Geheimnisse. Doch die Arbeit der Polizei bildet eher eine Nebenhandlung. Und so könnte man, wenn man die Bezeichnung dieses Romans als Kriminalroman allzu ernst nimmt, eine kleine Enttäuschung erleben. Ein Todesfall gibt Anlass zu allerhand Nachforschungen, an denen sich das ganze Dorf beteiligt und jeder etwas anderes beizutragen hat. Hinzu kommen noch jene, die tatsächlich mit den geheimen Ränken aus der Vergangenheit in Verbindung stehen, wissentlich oder unwissentlich. Und so lässt man sich von der urigen Bergwelt und ihren Bewohnern bezaubern und in Urlaubsstimmung versetzen. Im Gegensatz zu der verzweigten und nachhaltig vorangebrachten Handlung wirkt der Schluss etwas abgehackt, beinahe als hätte sich der Autor an eine Seitenvorgabe halten wollen. Dennoch schafft er mit den chaotisch sympathischen Berlinern Frassek und Sprotz ein Team, von dem man sich gerne fragt, wohin sie die nächste Reise führen wird. 


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Dem Kroisleitner sein Vater von Martin Schult
ISBN: 978-3-8437-1610-9




Sonntag, 2. Juli 2017

Kriegszitterer

Obwohl der Krieg schon seit einem Jahr um hat das Zittern noch nicht aufgehört. Dietrich Jost ist nicht als Kriegsgeschädigter anerkannt und fristet sein Leben auf den Straßen Wiens. Im Jahr 1919 herrschen in der ganzen Stadt Armut und Hunger. Jost sieht jedoch einen Silberstreif am Horizont, er träumt von Brasilien. Von den Polizisten August Emmerich und Ferdinand Winter, die eigentlich einen Schmuggler verfolgen, wird Dietrich Jost im Stadtwald erschossen aufgefunden. Sein Traum wird sich nicht erfüllen. Auch der Polizist Emmerich hat einen Traum, er will zur Abteilung „Leib und Leben“. Und als nach Josts Tod dessen Bekannter Harald Zeiner tot aus der Donau gefischt wird, kann Emmerich nicht an einen Zufall glauben.

Polizeiagent August Emmerich versucht seine eigene Kriegsverletzung zu verstecken. Er befürchtet, in den Innendienst versetzt zu werden, wenn er auffliegt. Nicht einmal sein Assistent Wagner, den er für ein verweichlichtes und verwöhntes Jüngelchen hält, darf davon wissen. Obwohl Winter ihm treu zur Seite steht, kocht Emmerich zunächst sein eigenes Süppchen. Schnell merkt er allerdings, dass er sich doch gut auf Winter verlassen kann. Gemeinsam suchen die beiden nach einem Zusammenhang zwischen den Todesfällen. Trotzdem auch die Beamten von den Nachwirkungen des Krieges nicht verschont sind und sie Not und Elend erfahren haben und immer noch erfahren, sind sie bestrebt für Gerechtigkeit zu sorgen. Auch wenn sie es dabei mit dem Gesetz nicht so genau nehmen können.

In die schwere Zeit nach dem ersten Weltkrieg hineingeschrieben schafft die Autorin einen packenden Plot. An allen Ecken lauern Hunger, Krankheit und Tod. Die Menschen hausen in unsäglichen Wohnungen, die diesen Namen kaum verdienen. Eine Sicherheit, dass es für den nächsten Tag reichen wird, gibt es nur für Wenige. Auch die Staatsdiener bleiben nicht verschont. Vielleicht ein wenig besser gestellt, kann es auch für sie schnell vorbei sein mit ihrem bisschen Komfort. Doch gibt es auch Bars, Cafés und andere Vergnügungsstätten und der Schwarzhandel floriert. Man stellt sich diese Zeit häufig in schwarz-weiß vor, weil es kaum Farbbilder gibt. Doch gerade dieses schwarz-weiß mit seinen grauen Zwischentönen gibt die Stimmung gut wieder. In dieser Szenerie agieren Emmerich und Winter, die sich erst zusammenraufen müssen, mit Hartnäckigkeit und Scharfsinn. Durch ihren Wagemut bringen sie sich manchmal in Gefahr und kommen auf die Spur eines Verbrechen, dessen Geheimnis sich lange nicht erschließt. 

August Emmerich, der ehemalige Waisenjunge, und Ferdinand Winter, der aus guten Elternhaus stammende, bilden ein gegensätzliches Ermittler-Duo, dessen Geschichte genug Ansätze bietet, um sicher und mit Interesse weiterverfolgt zu werden.


4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Der zweite Reiter von Alex Beer
ISBN: 978-3-8090-2675-4




Samstag, 1. Juli 2017

Stockholm - Texas

Er hat sie wieder, seine kleine Pflegetochter Belle. Martin Benner lebt mit ihr zusammen und nach den Ereignissen der letzten Wochen auch mit der Partnerin aus seiner Anwaltskanzlei Lucy, die manchmal auch seine Freundin ist. Von den Menschen und Begebenheiten, die ihn mit so viel Drama umgeben haben, will er sich fern halten, um insbesondere Belle in weiter in Gefahr zu bringen. Doch wo ist Mio, der entführt wurde und der seitdem wie vom Erdboden verschluckt ist. Zumindest hier muss Benner Nachforschungen anstellen, zum einen für sich selbst und das Kind, zum anderen jedoch auch, weil er gezwungen wird.

Bei diesem Roman handelt es sich um den Abschlussband einer zweiteiligen Reihe. Fragen, die im ersten Band unbeantwortet bleiben mussten, werden hier erneut aufgerollt und beantwortet. Martin Benner will den Dingen auf die Spur kommen, er will aber auch seine Ziehtochter und seine Freundin Lucy schützen. Er will aber auch wissen, was tatsächlich mit Mio passiert ist und welche Verbindung es zwischen Martin selbst und Mios Vater geben kann. Martin kennt diesen Mann nicht und genau genommen kann es keine Überschneidungen in ihren Lebensläufen geben. Warum erweckt Martin also diese extreme Abneigung in dem anderen. Als Benner vom Tod eines weiteren Menschen erfährt, befürchtet er, nun gehe es ihm an den Kragen.

Hat man den ersten Band etwas unzufrieden aus der Hand gelegt, weil er doch irgendwie nach einem erleichternden Ende mittendrin aufhört, hat man hier schließlich ein wesentlich besseres Gefühl, denn bis auf Kleinigkeiten erfährt doch alles eine überraschende Auflösung, auf die man selbst so schnell nicht gekommen wäre. Nach einer kleinen Weile beginnt die Handlung, einen mitzureißen. Misstrauen, Verdacht gegen jeden und unglaubliche Verwicklungen, die Menschen dazu treiben, sich auf außergewöhnliche Art zu verhalten und damit unberechenbar zu sein. Martin Benner gerät in einen Strudel von Ereignissen und als Leser folgt man ihm gebannt. Man wünscht, er möge seinen Lieben eine sicherere Welt bringen. 


Zum einen bestens mit einer spannenden Lektüre unterhalten, beginnt man zum anderen doch nachzudenken über die Wurzel des Geschehens. Welche Folgen kann es haben, wenn in Familien nicht geredet wird und häufig von Annahmen ausgegangen wird, deren Wahrheitsgehalt durch nichts belegt ist. 

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Bruderlüge von Kristina Ohlsson
ISBN: 978-3-809-02667-9




Freitag, 30. Juni 2017

Master and Servant

Gwen Hamilton kommt aus einem reichen Elternhaus und sie möchte als Schauspielerin anerkannt werden, weil sie gut ist und nicht wegen ihres Namens. Um sich selbst zu beweisen, dass sie jede Rolle spielen kann, mogelt sie sich in den Backstagebereich eines Rockkonzerts. Nach dem Konzert wird sie in die Garderobe des Musikers Mal gebracht, der nach schlechten Erfahrungen jedes Mädchen nur noch einmal trifft. Für beide ist es beinahe wie die Nacht ihres Lebens, aber unter den gegebenen Umständen kann es kein Wiedersehen geben, eigentlich. Im wirklichen Leben jedoch soll Mal sein Image verändern und dazu gehört eine Freundin. Gwens Schwester, die mit einem anderen Bandmitglied zusammen ist, denkt natürlich sofort an Gwen.

Und so treffen sich Mal und Gwen doch wieder und erfinden immer neue Ausreden, um sich nicht an ihre selbst gesetzten Regeln halten zu müssen. Sie erfinden Rollenspiele und Verkleidungen. Es gibt heimliche Treffen und offizielle. Und sie können nicht anders als sich näher zu kommen und ihre Wünsche und Geheimnisse auszuloten. Bestens scheinen sie sich zu ergänzen, würde Mal nicht wieder und wieder befürchten, er könne es zu weit treiben und Gwen Schaden zufügen. Schließlich kommt es tatsächlich zu einem Unfall und Mal beendet die Beziehung.

Nicht zum erstem Mal hat sich die Leserin gedacht, sie möchte mal einen Roman aus einem Genre lesen, mit dem sie sich noch nicht so häufig beschäftigt hat. In der Meinung, sie sei von Büchern, die inzwischen verfilmt sind, einiges gewohnt und habe dieses als durchaus unterhaltsame Lektüre empfunden, wagte sie sich nun an einen weiteren Versuch. Feststellen musste sie allerdings, dass sie hier den Protagonisten auf ihrem Weg nicht folgen konnte. Zwar bietet die Autorin eine lesenswerte und berührende Rahmenhandlung, die Schilderungen der SM-Praktiken sind jedoch für Gemüter, die sich mit diesem Genre nicht so häufig befassen, doch etwas zu explizit. Die Leserin erfuhr Menschliches, von dem sie gar nichts wissen wollte. Zwar nicht abgestoßen, aber doch etwas belastet, fragt sie sich, ob sie als Ausflug in ein anderes Genre vielleicht einfach ein Buch für Fortgeschrittene erwischt hat, wo eines für Anfänger einfach angebrachter gewesen wäre.


2,5 Sterne (🐳🐳+)

The Rough - Fesselnde Harmonie von Cecilia Tan
ISBN: 978-3-7325-3891-1


Mittwoch, 28. Juni 2017

Luxemburg

Dexter Moore erhält die Gelegenheit, eine Stelle als It-Consultant in Luxemburg anzunehmen. Kein Zweifel, eine Gelegenheit, auf die er gewartet hat. Gemeinsam mit seiner Frau Kate und den beiden Kindern wird der Umzug durchgeführt. Wegen Dexters neuen Jobs hat Kate ihre Stelle bei der Regierung in Washington aufgegeben. Arbeitslos zu sein, belastet Kate nicht, schließlich gilt es die neue Wohnung einzurichten und sich in ihrem neuen Leben zurecht zu finden. Lange dauert es allerdings nicht bis Kate eine gewisse Langeweile empfindet. Das neue Paar aus der Gegend von Chicago könnte da eine gewisse Abwechslung bringen. Doch irgendwie wird Kates Misstrauen geweckt.

So wie Kate das Hausfrauendasein in Europa zunächst genießt, die morgendlichen Treffen zum Frühstück, die Wochenenden in europäischen Städten, die Ausflüge mit Mann und Kindern, so sehr langweilt sie sich bald. Und sie beginnt sich Gedanken über ein Paar zu machen, dass ebenfalls noch neu in der Community ist. Eher, weil sie nichts besseres zu tun hat oder könnte es tatsächlich sein, dass die Neuen es auf eine gewisse Art auf Dexter und Kate abgesehen haben. Zu freundlich scheinen sie, zu sehr um Kontakt bemüht, zu häufig tauchen sie zufällig an den selben Orten auf. Kate beginnt nachzuforschen und entdeckt einige Ungereimtheiten.

Die coole Welt der Auslandsamerikaner, sie bleiben unter sich, sie sind cool, pflegen oberflächliche Kontakte und sind heimlich gelangweilt. Eine Welt, in der eigentlich nichts passiert, unter deren Oberfläche sich allerdings einiges verbirgt, das doch überraschend ist. Bei der Lektüre fühlt man allerdings eher die unterkühlte Langeweile als Spannung und Neugier ob der Entdeckungen, die Kate nach und nach macht. Zwar fühlt man sich belustigt an Filme erinnert, in denen Ehegatten auch so einiges voreinander zu verbergen haben und die Wendungen der Handlung bringen einiges Unverhofftes, doch so richtig gefesselt ist man von dem Buch nicht. 


Amerikaner in Europa - eine schöne Idee, der etwas mehr Drive gutgetan hätte.

3 Sterne (🐳🐳🐳)

The Expats von Chris Pavone
ISBN: 978-0-770-43703-9


Sonntag, 25. Juni 2017

Hope

Nach einem Aufenthalt in Amerika kehrt Maggie Hope 1942 nach London zurück. Dort geht sie weiterhin ihrer Tätigkeit als Ausbilderin von jungen Frauen nach, die auf geheime Missionen auf den Kontinent geschickt werden sollen. Auch das Entschlüsseln von Codes gehört zu Maggies Aufgaben. Gerade erst wieder im Einsatz, scheint mit den Nachrichtenübermittlungen einer Kollegin etwas nicht zu stimmen. Mit ihrer Sorge dringt Maggie jedoch bei ihren Vorgesetzten nicht durch. Viel wichtiger: London wird heimgesucht von einem Mörder, der junge berufstätige Frauen tötet, die eine Verbindung zu Maggies Einheit haben könnten.

Dies ist bereits der sechste Auftritt der Agentin Maggie Hope, die es von Amerika nach England verschlagen hat. In eine Rahmenhandlung eingebettet ist hier ein höchst brisanter Fall von Morden an jungen Frauen, die den Morden Jack the Rippers nachempfunden zu sein scheinen. Maggie ist zutiefst betroffen und besorgt. Mit ihrem scharfen analytischen Verstand beginnt sie nach Zusammenhängen zu suchen. Dabei trifft sie alte Bekannte wieder und arbeitet erstmalig mit Inspektor Durgin zusammen, den es von Schottland in die Hauptstadt verschlagen hat. 

Vor dem Hintergrund des zweiten Weltkriegs hat die Autorin einen spannenden Kriminalroman geschaffen. Im Dienst ihrer Majestät arbeiten viele junge Frauen daran, hinter feindlichen Linien zu helfen und Informationen zu beschaffen. Maggie Hope unterstützt diese Mitarbeiterinnen von London aus so gut es möglich ist. Schon damals eine Frauenrechtlerin versucht sie, dafür zu sorgen, dass die Frauen den gleichen Sold bekommen wie die Männer und im Falle eines Falles die Hinterbliebenen eine angemessene Rente. Nicht einmal heutzutage ist es einfach, dieses Ziel zu erreichen und vor über 70 Jahren war es noch ungleich schwerer. Gleichzeitig ist Maggies scharfer Verstand gefragt, um die Morde an den jungen Agentinnen aufzuklären. Auf fesselnde Art und Weise verstrickt einen die Autorin in dieses Agentinnen-Netz. Für die Lösung des hauptsächlich bearbeiteten Falles ist dabei die Kenntnis der anderen Bände nicht erforderlich. Um die Entwicklung der Heldin betrachten zu können, wäre es vielleicht ratsam, auch die anderen Geschichten zu kennen. Ein schlüssig aufgebauter Fall, dessen Lösung einfach eine Lösung ist, die keinen besonderen Kniff beinhaltet, mit einer Rahmenhandlung, die vielleicht etwas zu viel offen lässt.

Gute Unterhaltung angesiedelt in einer Zeit der Härte des Krieges, der auch auf der Insel nicht spurlos vorbeigeht.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

The Queen's Accomplice von Susan Elia MacNeal
ISBN: 978-0-804-17872-3


Freitag, 23. Juni 2017

Gottes Werkzeug

Max Kramer will keine von seinem Vater vorgefertigte Karriere, deshalb ist er zur Polizei nach Mühldorf zurück gekehrt. Einmal zurück trifft er auch seine ehemalige Freundin Maria Evita wieder, die ist allerdings als Novizin in das Kloster eingetreten. Nicht lange dauert es, da hat Max Kramer seinen ersten Fall. Der alte Bichler Wirt sinkt während des Gottesdienstes tot zusammen. Natürlicher Tod? Der Mann war sehr betagt, doch er erfreute sich guter Gesundheit. Nur kurze Zeit später stürzt die Frau des Toten vor Schwester Maria Evitas Augen in den Hof des Klosters. Kann das noch ein Zufall sein?

Hier treffen Schwester Maria Evita und Max Kramer zum ersten Mal wieder aufeinander. Und schon entsteht eine Verbindung, die durch die Todesfälle noch intensiviert wird. Schwester Maria Evita kennt sich natürlich aus mit dem Kloster und der Kirche. Max vermutet allerdings, dass wenn es sich nicht um einen natürlichen Tod oder einen Unfall handelt, die Ursache eher in der Familie des alten Ehepaares zu suchen ist. Doch es geht nicht nur um Recht haben, es geht vielmehr darum, der Geschichte auf den Grund zu gehen. Egal wie tief verborgen die Wahrheit liegt.

In diesem Hörbuch, das durch den Autor selbst mit viel Phantasie und Lokalkolorit vorgetragen wird, trifft das Weltliche mit dem Kirchlichen zusammen. Der wunderbar bodenständige Pfarrer Hirlinger mit seinem Fräulein Schosi, der heimgekehrte Max Kramer und die bekehrte Maria Evita. Sie geraten in ein Familiendrama um die Familie Bichler, die angesehene Wirtsfamilie, die doch einiges zu verbergen hat. Viel mehr Leute sind in die Sache verwickelt als man sich vorstellen kann, auch solche, bei denen man nun überhaupt nicht damit rechnet. 

Mit teilweise beißendem Witz und doch auch sehr humorvoll schildert der Autor die Geschehnisse. Obwohl er ein eher leichteres Format gewählt hat, gibt es in diesem Roman um die Tode in der Familie Bichler auch sehr ernste Momente und mit Spannung verfolgt man, wie schließlich die Lösung gefunden wird. Warum gerade in diesem Moment alles so kommt, ist nicht ganz schlüssig, das tut dem Hörvergnügen allerdings keinen Abbruch. Zwar gesteht die Rezensentin, dass ihr das zweite Buch dieser Reihe etwas besser gefallen hat, gute Unterhaltung bietet dieses Hörbuch aber allemal.


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Gnadenort von Anton Leiss-Huber
ISBN: 978-3-86804-436-2


Dienstag, 20. Juni 2017

Das Teleskop

Der junge Adib kommt als Flüchtling aus Afghanistan nach Berlin. Dort lernt er den über 80jährigen Karl, der als Jugendlicher nach dem zweiten Weltkrieg ebenfalls nach Berlin kam. Karl, der gerade einen kleinen Schlaganfall überstanden hat, ist Adib gegenüber zunächst etwas skeptisch. Doch bald merkt er, dass der junge Mann sehr intelligent ist und in Deutschland ankommen will. Karl ist noch nicht wieder ganz gesund und deshalb ist er sehr froh, dass Marie, die Enkelin seiner Schwester, nach Berlin kommt und sich ein wenig um ihn kümmert. 

Zwei Flüchtlinge, deren Erlebnisse völlig unterschiedlich sind und sich doch ähneln. Der Verlust der Heimat, ein beschwerlicher Weg, der von leidvollen Erfahrungen geprägt ist. Die Väter der Familien fehlen, die Mütter haben viel Mühe, ihre Familien zusammen zu halten. Wie schnell kann ein Kind verloren gehen oder umkommen. Wie leicht kann man sich auf der Flucht Krankheiten zuziehen, die lebensbedrohlich sind, weil einfach keine Hilfe da ist. Wie verächtlich behandeln einen die Alteingesessenen, die ja nicht auf die Flüchtlinge gewartet haben. 

Ein berührende Story eines alten Mannes und eines Jugendlichen, die sich kennen und mögen lernen, obwohl die Vorzeichen dafür schlecht sind bzw. es eigentlich kaum Berührungspunkte gibt. Leider fehlt eine klare Aussage zu Karl späterer Einstellung zum Nazi-Regime. Immerhin hat er als junger Mensch die Energie besessen Abitur zu machen und Jura zu studieren. Dass er als Jugendlicher durch das System indoktriniert wurde ist wohl verständlich, doch es wäre schön gewesen, zu wissen, dass er sich mit der Sache beschäftigt hat und sich bewusst davon gelöst hat. So stehen einige Aussagen unwidersprochen im Raum, die in der Zeit vielleicht tatsächlich so gang und gäbe waren, von denen man sich aber wünschen würde, dass sie von Zeitzeugen wie Karl ins richtige Licht gerückt werden und deutlich wird, dass es falsch war, einem Tyrannen hinterher zu rennen und unsägliche Verbrechen an der Menschheit zu begehen. 

Diese beiden gegensätzlichen und doch ähnlichen Flüchtlinge können einen sehr gut daran erinnern, dass vielleicht in der eigenen Verwandtschaft vor nicht allzu langer Zeit Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern geflohen sind, vertrieben wurden, ihre Heimat verlassen mussten. In diesem Gedanken könnte mehr Verständnis für die Lage der heutigen Flüchtlinge aufbringen. Keiner wird seine Geburtsstadt, seine gewohnte Umgebung, seine Freunde und Familie leichten Herzens verlassen. Viele werden mit Hoffnungen auf ein besseres Leben losziehen. Hoffnungen, die sich vielleicht nicht schnell und nicht komplett erfüllen lassen. Doch eine Chance auf die Erfüllung seiner Hoffnungen, Wünsche und Träume sollte doch jeder haben.

Ein Roman mit einer ausgesprochen lesenswerten Grundidee, durch die man erinnert wird, dass wie schnell man selbst ein Flüchtling sein könnte, von dem man sich in Teilbereichen allerdings eine deutlichere Aussage wünsche würde.


3,5 Sterne

Das Schicksal der Sterne von Daniel Höra
ISBN: 978-3-8458-1093-5


Sonntag, 18. Juni 2017

Für das Leben

Bei der Polizeihundeprüfung wäre Ronja durchgefallen, obwohl sie eine echte Leiche gefunden hat. Die Leiche einer jungen Frau, die offensichtlich schon vor längerer Zeit in ihrem Versteck verscharrt wurde. Kommissar Dühnfort ist nach einem Urlaub wieder im Einsatz und übernimmt den Fall. Zunächst einmal gestaltet es sich schwierig, die Tote zu identifizieren. Niemand scheint sie vermisst zu haben. Wenigstens im Privaten läuft alles bestens, seine Frau Gina, ebenfalls Polizistin, ist schwanger und beide freuen sich riesig auf ihr erstes Kind. Gina ermittelt jetzt in Cold Cases und sie ist an einem der wenigen Fälle dran, die Dühnfort nicht lösen konnte.

Wie schwierig ist es, herauszufinden, was geschehen ist, wenn zunächst keine Hinweise vorliegen. Eine Leiche, die zwei Jahre lang nicht entdeckt wurde, ohne Papiere, ohne große Hinweise auf die Identität. Eine Leiche, auf die keine Vermisstenmeldung zu passen scheint. Ist es nicht ein trauriges Schicksal, wenn man verschwindet und keinen kümmert es. Nach der langen Zeit ist der Anblick der Verstorbenen auch nicht mehr so repräsentabel. Es muss also eine Phantomzeichnung angefertigt werden. Doch ein Ring, der bei der Toten gefunden wurde, bringt eine erste Spur. Augenscheinlich hat sich die junge Frau zwei Jahre zuvor in Luft aufgelöst.

Bei seinen Ermittlungen kommen Dühnfort und seine Kollegen es mit vielen Menschen zu tun, deren Handeln recht unverständlich erscheint. Prügelnde Väter, lieblose Mütter, Kinder, die ihrer Opferrolle entfliehen wollen. Was sich da an Abgründen auftut, lässt einen erschaudern. Auch das private Idyll wird eingetrübt. Tino und Gina müssen eine schwere Entscheidung fällen, etwas, worum man sie nicht beneidet, was sie aber mit einiger Größe meistern. 

Ein Dühnfort-Krimi zum Eintauchen, sehr spannend wird ein Familiendrama geschildert, das den Anfang vor etlichen Jahren nahm. Gefesselt grübelt man mit dem Kommissar, was man übersehen haben könnte. Gebannt erwartet man die Entscheidung, ob Gina und Tino die Aufgabe annehmen, die ihnen das Leben stellt. Die Balance zwischen abgeschlossener Krimihandlung und den Entwicklungen im Privatleben von Gina Angelucci und Konstantin Dühnfort, die man hoffentlich weiter verfolgen darf, ist sehr gelungen. Auch wenn der Fall im berechtigt im Vordergrund steht, kommt das Private nicht zu kurz.

Dieser Kriminalroman gefällt in seiner Ausgewogenheit und mit einem dramatischen Fall, dessen Lösung man vielleicht erahnt, was allerdings nichts daran ändert, dass man die Handlung inhaliert.


4,5 Sterne

Sieh nichts Böses von Inge Löhnig
ISBN: 978-3-8437-1536-2


Samstag, 17. Juni 2017

Bad Romance

Im ehrwürdigen Cambridge ist ein Student, der als sicherer Fassadenkletterer bekannt war, vom Dach gestürzt. Sein Tutor, Dr. Augustus Huff, ist temporärer Erbe des Graupapageien Gray. Allerdings kommt er eher zufällig an das Tier, denn die Putzfrau glaubt, in des Studenten Zimmers spukt es als sie plötzlich dessen Stimme vernimmt. Augustus soll also eigentlich einen Geist austreiben und kommt dann mit einem Papagei nach hause. Dr. Augustus Huff Zähler und Pedant vor dem Herrn hat auf einmal einen Vogel, der ihm von Bad Romance erzählt und Nüssen und psychologischen Problemen. Und an dem Ableben seines Studenten kommt Huff auch einiges eigenartig vor.

Natürlich ist der Papagei durch den Tod seines Besitzers, der viel Zeit damit verbracht hat, dem Vogel das Sprechen beizubringen, ziemlich verstört. Alleine bleiben will er erstmal nicht. Dr. Huff will aber keine Unordnung in seiner Wohnung, was ihm zu einigen Übernachtungen in seiner Badewanne verhilft. Schließlich kann der Papagei im Bad nicht viel durcheinander bringen, aber wie erwähnt, er schläft nur in Gesellschaft. Und so sitzt er regelmäßig auf Huffs Schulter während dieser sich aufmacht, die Umstände des Todes seines Studenten näher zu beleuchten. Schnell findet Huff heraus, dass im Leben des nicht sonderlich beliebten Elliot einiges anders war als geglaubt.

Dieses Buch lebt wahrlich von dem zwanghaften Ordnungsfanatiker Dr. Augustus Huff, der jeden Schritt am liebsten mit dem linken Fuß beginnt, und seinem überraschenden Erbe. Gray, von dem man beinahe glauben könnte, er versteht, was er sagt. Eigentlich als Forschungsobjekt gedacht, nimmt der Papagei nicht nur Augustus für sich ein. Doch wie Huff schnell merkt, ist er plötzlich nur noch der mit dem Vogel, was bei seinen Ermittlungen durchaus hilfreich sein kann. Und so stolpert er durch diesen witzigen Krimi, der mit einigen Überraschungen aufwartet, auch wenn diese hinter der ausgeklügelten Situationskomik manchmal zurücktreten. 

Mit Bjarne Mädel wurde für Gray und Huff eine geradezu ideale Stimme gefunden, die das Hören des Romans zu einem außerordentlichen Vergnügen macht. Man kann ihn sich bestens als Dr. Huff mit seinem temporären Besitz auf der Schulter durch die Gassen von Cambridge wandernd vorstellen. Auch wenn man seine „Bad Romance“ erst nach einer Suche im großen Netz zuordnen kann, ein Lied, das es tatsächlich gibt und das man auch noch kennt, behält sein „rara ulala“ einen gewissen Witz. Huffs leichte Naivität, die doch auch gepaart ist mit großer Intelligenz, kommt sehr eindrucksvoll rüber. Man nimmt ihm ab, dass er manchmal vom Leben überfordert ist und das er sich doch nicht scheut eben jenem Leben die Stirn zu bieten. Und Gray bringt genau die richtige Portion Unordnung in des Doktors Leben. 


Dr. Augustus Huff und sein nun nicht mehr temporärer Mitbewohner bilden ein echt tolles Team. Man würde wünschen, mehr von ihnen zu hören.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)



Freitag, 16. Juni 2017

Wo bin ich

Seit er vor fast zwanzig Jahren den Mord an einer jungen Frau gestanden hat, ist Anders Rask in Sicherungsverwahrung. Doch plötzlich zieht er sein Geständnis zurück und beantrag die Wiederaufnahme seines Verfahrens. Kommissar Tommy Bergmann hat nicht viel Zeit, um zu beweisen, dass Rask doch schuldig ist. Wie passt aber die Leiche ins Bild, die auf eine Art und Weise zugerichtet wurde, wie in dem alten Fall. Ist hier ein Nachahmer am Werk oder könnte an Rasks Aussage, er habe die Jugendliche damals nicht umgebracht etwas dran sein? Es war sein erster Mordfall im Jahr 1988 und im Jahr 2004 will Tommy Bergmann unbedingt alles richtig machen.

Auch in seinem zweiten Fall hadert Tommy Bergmann mit seiner eigenen Vergangenheit, seinen Vater kennt er nicht und zu seiner Mutter hatte er nicht das beste Verhältnis. Nicht nur, um seine Stelle zu behalten, unterzieht er sich einer Therapie. Dass sein aktueller Fall in laufend an seine eigene Vergangenheit erinnert, macht die Ermittlung nicht leichter. Doch dem Mörder muss einfach das Handwerk gelegt werden. Zusammen oder vielleicht doch eher auf unterschiedlichen Pfaden machen Tommy und seine Kollegin Susanne Bech daran, den Fall aufzuklären. Zunächst scheint dabei nichts zusammen zu passen. Erst nach und nach beginnen sich Zusammenhänge zu entwickeln, in denen große Brisanz steckt.

Ein Buch, dass mit einem Paukenschlag endet. Wie Gard Sveen im Nachwort berichtet, habe eine Leserin ihm entgegengeworfen, so könne er das Buch nicht enden lassen. Doch, er könne, aber es werde eine Fortsetzung geben. Und so hat man mit diesem ersten Teil einer Geschichte, einen zum Teil aufgeklärten Fall, der fesselt, aber zwangsläufig auch etwas unbefriedigt zurücklässt. Mit dem mitreißenden ersten Fall in „Der letzte Pilger“ kann das nicht verglichen werden. Auch der vorliegende Band um Kommissar Tommy Bergmann ist gerade zum Ende hin ausgesprochen spannend und natürlich wird man ebenso neugierig wie es mit Bergmanns persönlicher Geschichte wie auch die Beantwortung der Frage „Wo bin ich?“ hergeleitet wird. Mit Überzeugung, dass der Autor eine packende Lösung finden wird, bleibt man doch etwas hängen gelassen zurück. 

Ein sehr spannender Kriminalroman, der wegen der Unvollendung des erzählten Falles nicht wirklich abschließend gewürdigt werden kann.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Teufelskälte von Gard Sveen
ISBN: 978-3-471-35149-9


Donnerstag, 15. Juni 2017

Drei Leben

Die Mittfünfzigerin Avis ist entsetzt. Ohne Vorwarnung erzählt ihr Mann, er habe eine neue Freundin und werde sich trennen. Es zieht Avis den Boden unter den Füßen weg. Was soll sie nun bloß mit ihrem Leben anfangen. Alles scheint zu Ende. Am Anfang steht der achtjährige Einwandererjunge Bashkim, dessen Eltern aus Albanien nach Las Vegas gekommen sind. Seine Eltern sind zwar eher arm und verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Eisverkäufer, aber der Junge hat Glück und darf eine angesehene Schule besuchen, wo er bei den Mitschülern und Lehrern beliebt ist. Doch auch sein Leben nimmt eine Wende als er einen Brief an einen US-Soldaten in Übersee schreibt. Er erhält eine Antwort, die er als sehr schockierend empfindet.

Drei Menschen, die sich nicht kennen, die jedoch alle in Las Vegas leben oder gelebt haben. Nebeneinander ohne Bezug zueinander, so wäre es, würden nicht gewisse Ereignisse wie zum Beispiel der Brief dazu führen, dass es zu Berührungspunkten kommt. Was hat das Schicksal für die drei Fremden in petto. Avis, mit Eheproblemen, von denen sie bis zur Offenbarung ihres Mannes nichts wusste. Avis, die es nicht leicht hatte, die glaubte, es geschafft zu haben, die nun merkt wie brüchig alles Glück sein kann. Bashkim, voller Hoffnung auf den amerikanischen Traum, der mit der harten Wirklichkeit konfrontiert viel von seiner kindlichen Freude verliert. Und ein traumatisierter Soldat, der ums Überleben kämpft.


Drei Leben, deren Wege sich kreuzen. Menschen, die einiges erleiden müssen und dabei nicht absehen können, ob es eine Wendung zum Besseren geben kann. Flucht, Schrecknisse des Soldatendaseins, Schicksalsschläge, die das Leben einem auferlegt. Ein Roman, der auffordert, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen und der damit keine leichte Kost bietet. Allerdings entwickelt die Autorin ihre Geschichte langsam und sorgfältig, so dass sich die Zusammenhänge erst relativ spät abzeichnen. Schwierig wird es sich in die Charaktere hineinzuversetzen. Viele Empfindungen werden nur angedeutet und Tatsachen werden nicht ausgesprochen. Etliches wird dem Leser überlassen, der Zeit hat, Antipathien zu entwickeln. Wäre Bashkim nicht, für den man wirklich hofft, dass ihm eine gute Zukunft beschieden ist, käme das Buch tatsächlich an die Grenze einen als Leser zu überfordern. Diese Ungewissheit des was hätte man besser machen können gegenüber dem man kann sowieso nichts ändern können, hält die Handlung sehr in der Schwebe. Und so hat man hier ein Buch, das sehr nachdenklich macht, das aber nicht für sich einnimmt.

3 Sterne (🐳🐳🐳)

We are called to rise von Laura McBride
ISBN: 978-1-4767-3898-7


Mittwoch, 14. Juni 2017

Käffchen geht immer

Und wer war nun diese Sekretärin, die den Koffer ihres Mannes zurückgebracht hat? Die mit den Stiefeln bis über die Knie? So sollte Carinas Mädels-Abend eigentlich nicht anfangen, aber es ist heraus, ihr Mann Jonas hat sie betrogen. Carina, die immer beinahe bis zur Selbstaufgabe alles getan hat, um ihre Ehe am Laufen zu halten, ist am Boden zerstört. Da kann es nur eine Lösung geben. Jonas muss gehen. So hat sich Jonas das allerdings nicht vorgestellt, er möchte weiterhin seine warmen Mahlzeiten zu hause und den Champagner in der Stadt. Während Carina endlich beginnt, auch mal an sich zu denken, erfährt Jonas bald, dass einen der Alltag manchmal schneller ereilt als einem lieb sein kann.

Puh, was für ein unsympathischer Meckerfred ist dieser Jonas. Nichts kann seine Frau ihm recht machen, alles reglementiert er und mit dem Geld hält er sie auch noch knapp. Dafür darf sie dann knechten, die Kinder betreuen, kochen, putzen, eine tolle Hausfrau und Mutter sein. Im ersten Moment denkt man, wenn man etwas nicht gebrauchen kann, ist es so eine Ehe oder sogar überhaupt eine Ehe. Da gibt es keine traute Zweisamkeit mehr, die es zu vermissen gälte. Doch kann einer alleine an allem Schuld sein? Selbst wenn es so wäre, führt diesesTrennungsereignis doch auch dazu, das Carina beginnt, darüber nachzudenken, was sie in ihrem Leben ändern könnte. Ihre Mädels besonders ihre beste Freundin Leni stehen ihr dabei treu zur Seite und haben auch so manchen Tip. Und wenn gar nichts mehr geht, dann gibt es einen Kaffee. Der baut auf. 

Wie herrlich kann man sich aufregen über Jonas, der sich wie ein schlechter Sohn verhält, und auch über Carina, die sich schlechter macht als nötig und die man etwas schütteln möchte, um ihr Selbstbewusstsein wieder aufzurütteln. Auch wenn sich sie bei diesem Buch um  eine eher leichtere Lektüre handelt, so sind doch ein paar ernstere Untertöne vorhanden, die durchaus anregen können, sich auch über sich selbst ein paar Gedanken zu machen. Kommt man zu sehr in eine Routine, nimmt man alles zu selbstverständlich? Wird man immer anspruchsvoller, wenn ein anderer versucht, Wünsche zu erfüllen? Reicht es nicht, wenn Sachen erledigt werden, müssen sie immer auch richtig erledigt werden? Und was, wenn alles in Scherben liegt? Was kann man selber tun, um wieder eine gute Basis in sein Leben zu bekommen. 


Eine schöne heiterere Sommerlektüre mit einer gewissen Ernsthaftigkeit, die aber nie ihre Leichtigkeit verliert und die wahrhaft lehrt zu fliegen. Und wenn das nicht hilft: Käffchen geht immer!

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Ich schenk dir die Hölle auf Erden von Ellen Berg
ISBN: 978-3-8412-1306-8


Sonntag, 11. Juni 2017

Cainesville

Ihr Leben verläuft in geregelten Bahnen, sie kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus, sie leistet ehrenamtliche Tätigkeiten und in einem Monat soll die Hochzeit sein. Jäh ist es allerdings vorbei mit der Idylle. Olivia Taylor-Jones erfährt, dass nichts von dem stimmt, was sie für selbstverständlich erachtet hat. Reporter haben sie aufgespürt und auf einmal ist sie die Tochter von verurteilten Mördern. Olivia sieht nur eine Chance, sie muss herausfinden, ob das, was ihren leiblichen Eltern zur Last gelegt wurde, wirklich so geschehen ist. Ihr Weg führt sie nach Cainesville, ein eigenartiges kleines Städtchen, in dem sie wohlwollend aufgenommen wird.

Natürlich passiert so was nicht im richtigen Leben. Dennoch ist die Vorstellung, dass das ganze Leben zusammenstürzt, wenn man etwas erfährt, mit dem man nie gerechnet hätte, eher beängstigend. Schon allein die Mitteilung, man sei adoptiert, stellt alles auf den Kopf. Doch wenn man dann auch noch damit klarkommen soll, dass die leiblichen Eltern Schwerverbrecher sein sollen. Das scheint fast unmöglich zu ertragen zu sein. Schnell kommt Misstrauen gegenüber den Adoptiveltern auf, warum haben sie nie etwas gesagt. Haben sie die Wahrheit gekannt. Welches Erbe trägt sie von ihren leiblichen Eltern in sich. Ein Mördergen?

Auch wenn man nicht unbedingt in Sachen Horror oder Paranormal unterwegs ist, lohnt es sich diesem Buch eine Chance zu geben. In diesem ersten Band einer Reihe, von der auf Englisch in diesem Jahr noch der Abschlussband erscheint, geht es hauptsächlich irdisch zu. Die junge Olivia ist verständlicherweise am Boden zerstört als sie erfährt, dass ihr wohlbehütetes Leben auf einer Lüge basiert. Von ihrer Adoptivmutter fühlt sie sich im Stich gelassen und zum ersten Mal muss und will sie für sich selbst sorgen. Und so gerät sie nach Cainesville und gemeinsam mit dem ehemaligen Anwalt ihrer leiblichen Mutter beginnt sie mit den Nachforschungen, was sich zur Zeit der Mordserie tatsächlich zugetragen hat. Dieses Szenario bildet die Grundlage für einen packenden Thriller mit leichten paranormalen Anklängen, die gerade einen besonderen Reiz bilden wie ein außergewöhnliches Gewürz in einer so schon wohlschmeckenden Suppe. Das leichte Prickeln zwischen Olivia und Gabriel regt zusätzlich die Phantasie an. 


Nach einem fesselnden Beginn und einem eher ruhigen Mittelteil nimmt die Geschichte zum Schluss hin so viel Fahrt auf, dass man nichts anderes tun kann als Seite für Seite seine Neugier zu befriedigen.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Dunkles Omen von Kelley Armstrong
ISBN: 978-3-453-31857-1




Samstag, 10. Juni 2017

Nüchtern

Danny Katz wird von einer jungen Frau kontaktiert. Ihr Ehemann ist seit ein paar Tagen verschwunden und sie hat den Eindruck, dass die Polizei kein großes Interesse hat, die Ermittlungen einzuleiten. Man geht dort von einem freiwilligen Verschwinden aus. Joel Klingberg hat das Verschwinden seines älteren Bruders nie verwunden, auch nicht nach über vierzig Jahren. Katz kennt den Verschwundenen aus seiner Militärzeit, gemeinsam wurden sie zu Übersetzern ausgebildet. Doch kann das auf der Suche nach dem Vermissten hilfreich sein? Möglicherweise ist Danny Katz mehr durch den Fall angerührt als ihm lieb sein kann. 

In seinem ersten Fall wird Danny Katz mit einem Teil seiner Vergangenheit konfrontiert. Seine Zeit beim Militär hat ihn schon geprägt, obwohl er einiges nicht durchblicken konnte und ihm Hintergrundwissen vorenthalten wurde. Die Wege seines Kameraden Joel hat er nicht mehr weiter verfolgt. Umso rätselhafter ist nun sein Verschwinden. Hegt Klingberg auch nach den langen Jahren noch den Wunsch, das Schicksal seines Bruders zu klären? Oder hat ihn noch etwas anderes veranlasst, sein Haus zu verlassen? War es überhaupt ein freiwilliges Geschehen? Schnell bekommt Katz den Eindruck, dass nicht alle Fragen, die er stellt, ehrlich beantwortet werden. Ähnlich geht es der Staatsanwältin Eva Westin.

Zwar ist es nicht zwingend notwendig, die Bände der Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen, aber Sinn macht es natürlich schon. Aber auch wenn man den Folgeband bereits kennt, vermag auch dieser erste Teil zu fesseln. Allerdings muss man der Thematik, die der Autor wählt, eine gewisse Offenheit entgegen bringen. Man mag nicht glauben, dass es im vermeintlich beschaulichen Schweden so hart hergehen kann. Was vom Menschen übrig bleibt, scheint nicht allzu viel, wenn er die Mühlen durchlaufen hat. Doch müsste nicht jemand etwas merken? Allerdings fällt einem dann doch schnell wieder ein, dass man den Leuten bekanntlich nur vor den Kopf kucken kann. Auch wenn vielleicht noch nicht alles ganz rund läuft, hat der Autor doch einen interessanten Ermittler in einem besonderen Umfeld vorgestellt, der in seinem ersten Fall schon gut beginnt und im zweiten zu noch besserer Form aufläuft.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Schattenjunge von Carl-Johan Vallgren
ISBN: 978-3-453-26946-0