Sonntag, 19. November 2017

Kleiner Schatten

Kleiner Schatten so nannte sie ihr Vater. Helena glaubt, aus dem großen Schatten ihres Vaters heraus getreten zu sein. Ein Irrtum wie sie feststellen muss. Jahrelang lebte sie relativ glücklich und zufrieden mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern. Verschwiegen hat sie allerdings, dass der Vater ihre Mutter entführte als sie kaum ein Teenager war und dass Helena in einer Hütte im Wald geboren wurde. Als Kind hat Helena zu ihrem Vater aufgeschaut. Wenn er sie maßregelte, gab sie sich selbst die Schuld. Doch je älter sie wurde, desto mehr fing sie an zu hinterfragen, ob das teilweise grausame Verhalten wirklich gerechtfertigt ist.

Der Vater ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und Helena ist die Einzige, die sich in ihn hinein denken kann, die ihn finden kann. Helena versucht, ihre Familie zu schützen. Alleine macht sie sich auf den Weg. Jeder Schritt wirkt wie ein Schritt in die Vergangenheit. Kann sie den Vater jagen, der einmal ihr Idol, ihr großes Vorbild war? Erinnerungen an ihre Kindheit, an ihre Jugend steigen auf. Eine Zeit, die sie nicht mit liebevollen Eltern erleben durfte, sondern mit einem übergriffigen Vater, der die Mutter klein hält und der eine Tochter nach seinem Frauenbild formen will. 

Wenn man von diesem Vater liest, möchte man mit den Zähnen knirschen. Gleichzeitig denkt man an die kleinen Problemchen, die man mit den eigenen Eltern hatte und ist dankbar, dass man doch größtenteils in behaglicher Geborgenheit aufwachsen durfte. Hoffentlich ist es nur ein perfides Gedankenspiel, das die Autorin darbietet. Hoffentlich gibt es solche Widerlinge nicht. Doch wie schwierig ist es für eine Tochter, die unter einem solchen Einfluss aufgewachsen ist, sich endgültig zu lösen. Schwer verständlich sind manche Gedanken Helenas, gut nachvollziehbar andere. Doch hin und wieder hat man das Gefühl, die Erinnerungen machen einen zu großen Teil der Handlung aus. Der Showdown zwischen Vater und Tochter lässt ein Element einer spannenden Suche vermissen, an der Polizei und Ehemann beteiligt sein sollten. Ein Stück für zwei Personen, eigentlich nur eine Person, da meist darauf verzichtet wird, Reflexionen anderer bekannt zu geben. 


Ein spannender Psychothriller, der zwar einige Wünsche nicht erfüllt, der aber dennoch mitreißt. Gelesen von Julia Nachtmann, die es versteht, den Vater richtig schön unsympathisch wirken zu lassen und die Helenas vielschichtigem Charakter gekonnt Ausdruck verleiht.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Die Moortochter von Karen Dionne
ISBN: 978-3-8445-2710-0




Samstag, 18. November 2017

Berlin 1934

Gereon Rath bekommt so langsam den Eindruck, dass er der dienstälteste Kommissar bei der Kriminalpolizei ist. Karriere macht man wohl nur noch bei den Politischen. Trotzdem will er die Mordkommission nicht verlassen. Sogar sein ehemaliger Assistent Gräf, der nun bei der Gestapo ist, ist schon Kommissar. Nun hat man die Leiche eines SA-Mannes gefunden und Rath und Gräf müssen zusammenarbeiten. Charlie Rath will indessen wieder arbeiten gehen. Während ihr Pflegesohn Fritz unbedingt zur HJ will, schließlich sind inzwischen alle da. Charlie möchte dies am liebsten verbieten. Gereon dagegen meint, es werde schon nicht so schlimm sein, schließlich sei Hitlers Stern am Sinken.

Ein ungleiches Ermittlerduo sind Rath und Gräf. Während Gereon Rath versucht herauszufinden, wer den Toten so übel zugerichtet hat, scheint Gräf nur das Ziel zu verfolgen, die Schuld den Kommunisten in die Schuhe schieben zu können, die man sowieso auf dem Kieker hat. Schnell lernen die Ermittler, dass der Tote keineswegs so unbescholten war, wie es Gräf gerne hätte. Es gibt Verbindungen zu den ehemaligen Ringvereinen, die eigentlich aufgelöst sein sollten. Indessen versucht Charlie einer alten Bekannten zu helfen, die nach ihrem Bruder sucht. Kein so harmloses Unterfangen wie man denken könnte.

Mehr gegeneinander als miteinander arbeiten Gräf und Rath und dennoch ringen beide um die Lösung des Falles. So aufrecht Rath dabei die ehrliche Polizeiarbeit verfolgt, so geradeaus würde man sich seine Meinung zu der politischen Lage wünschen. Doch er verhält sich eher opportunistisch und bringt seine Frau zu recht gegen sich auf. Natürlich ist es in der Rückschau leicht zu sagen, man hätte das drohende oder eigentlich schon eingetretene Unheil sehen müssen. Doch gerade die heutige Zeit lehrt mal wieder, dass manche Menschen dazu neigen alle positiven Errungenschaften einer Gesellschaft mit Füßen zu treten und andere dann meinen, es könne nicht so arg werden. Allerdings kommt es dann schlimmer. Und so möchte man Gereon Rath nicht zum ersten Mal durchschütteln, um ihm Vernunft und Weitsicht einzugeben. Doch sogar Gereon ist schließlich befremdet und besorgt über die Entwicklung seines Ziehsohnes. Und so wie nach und nach einige Teile der Hintergründe des ersten Mordes zu tage treten, so wird dieser Krimi immer spannender bis zu seinem bedrückenden Finale, das für die Zukunft nichts Gutes erwarten lässt. 


Eine tolle Reihe von Kriminalromanen, die eine Zeit nahebringt, aus der man am besten die Lehre ziehen sollte, dass Demokratie, Toleranz und Freiheit doch sehr erstrebenswert sind. Teile der Reihe wurden inzwischen auch für das Fernsehen verfilmt.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Lunapark von Volker Kutscher
ISBN: 978-3-462-04923-7


Freitag, 17. November 2017

Suses Welt

Mit ihren drei Kindern lebt Suse seit der Trennung von ihrem Mann in einem Berliner Plattenbau. Es reicht nur für zwei Zimmer und mit ihrem Halbtagsjob in einer Drogerie kann Suse sich nur knapp über Wasser halten. Ihre Tochter pubertiert, der Sechsjährige jammert und quengelt, der Kleine weint und schreit. Suse wäre am liebsten weg. Als ihre Tochter ein paar Tage nicht nach hause kommt, meldet Suse sie als vermisst. Kommissar Frei, zugeknöpft und korrekt, und seine Kollegin Louisa Albers, schlaflose Neumutter, haben gerade einen Mordfall gelöst. Sie sollen nun das Verschwinden des Mädchens aufklären. Vermutlich gäbe es Wichtigeres zu tun, doch bald taucht eine Leiche auf, wodurch die Sache in ein anderes Licht gerückt wird,

Obwohl dies erst der erste Fall für Kommissar Henry Frei und sein Team ist, meint man schnell, die Ermittler schon zu kennen. Mal ein Kommissar, dessen Familienleben zwar etwas speziell, aber mal nicht mit Problemen überfrachtet. Mal so normal, seine Kollegin, die kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes am Schlafmangel leidet. Der junge Kollege Charlie mit asiatischen Wurzeln, der noch etwas übereifrig dennoch frischen Wind in die Untersuchung bringt. Nach einem schnell gelösten Fall geht es um das Verschwinden eines 14jährigen Mädchens. Dass die Mutter von ihrem Leben als getrennte Mutter überfordert ist, wird schnell klar. Doch wieso weiß sie so wenig vom Umgang ihrer Tochter. 

Warum ist Suse so? In welcher Welt lebt sie eigentlich? Suse hat es nicht so richtig geschafft, sich frei zu schwimmen. In ihrer Art wirkt sie manchmal nicht so sympathisch. Doch niemand sollte es erleiden, nicht zu wissen, was mit dem eigenen Kind geschieht. Nachdem klar ist, dass es sich um eine ernste Sache handelt, ermitteln die Kommissare fieberhaft, was hinter dem Verschwinden der jungen Jacqueline stecken könnte. In kurze Kapitel gefasst und mit etlichen fiesen Cliffhangern versehen, vermag dieser Thriller sehr zu fesseln. Schnell noch ein Kapitel und noch eins, man will wissen wie es weitergeht. Die zwischengeschobenen Intermezzi verstärken die Wirkung noch. Geschickt spielt der Autor mit den Gedanken des Lesers und lockt sie auf Fährten, die sich als unvorhersehbar entpuppen. Am Schluss wird sehr deutlich, dass es sich um eine Reihe handelt, denn, was hinter dem letzten Cliffhanger steckt, wird dann erst im nächsten Band ermittelt. 


Ein spannender und gut strukturierter Thriller, dessen kurze Kapitel der Handlung Geschwindigkeit  verleihen und den Leser verleiten, nur so durch das Buch zu fliegen.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Böses Kind von Martin Krist
ISBN: 978-3-7450-3529-2 (Taschenbuch)


Donnerstag, 16. November 2017

Die Nanny

In Verenas Leben hat sich alles verändert nachdem ihre kleine Nichte Amelie ihre Familie verloren hat. Zwar hat Verena Hofer dadurch ihre Sicherheit eingebüßt, aber nicht kann das Miteinander mit dem kleinen Mädchen aufwiegen. Aus dieser Lage heraus nimmt Verena die Stelle als Nanny des Neffen einer reichen Frau aus Wuthenow in der Nähe von Berlin an. Jedenfalls meint Verena, dass sie als Nanny tätig sein wird. Ihr Erstaunen ist dann nicht ganz gering, als sie bemerkt, dass es sich bei dem zu Betreuenden um einen erwachsenen Mann handelt, der wegen seiner gesundheitlichen Probleme ihre Hilfe braucht. Eigentlich will Verena auf dem Absatz kehrt machen, schließlich aber bleibt sie doch erstmal auf dem Gut.

Verträge sollte man doch genau durchlesen bevor man unterschreibt. Hört man diese Warnung nicht immer wieder? Nun Verena wird nicht die Einzige sein, die jemals auf ihre eigene vorgefassten Eindrücke hereingefallen ist. Ihr Schäfchen Carl von Wuthenow st ein studierter Berater der Polizei, der durch einen Dienstunfall, bei dem er eine Kopfverletzung erlitten hat, Schwierigkeiten mit seinem Kurzzeitgedächtnis hat. Das hält ihn aber nicht davon ab sich mit großer Disziplin den Folgeschäden seiner Verletzung entgegen zu stemmen. Endlich will Carl seine Arbeit wieder aufnehmen und es gibt bereits einen Fall, bei dem die Polizei seine Hilfe in Anspruch nehmen möchte.

Witzig und auch spannend beginnt dieser Roman. Verena ist auch in ihrer finanziellen Notlage nicht auf den Mund gefallen, wenn sie auf sich mit ihrem neuen Schützling auseinandersetzen muss. Und so ergeben pointierte Wortgefechte, die die Lesefreude steigern. Gleichzeitig fesseln die Ermittlungen, die Verena und Carl nach Berlin führen. Über den Tag ist Carls Handicap kaum zu spüren, nur in vereinzelten Situationen ist ihm anzumerken, dass die Verletzung ihn verändert hat. Sein aufrechter Kampf um mehr Gesundheit und gleichzeitig sein Wille, bei der Arbeit wieder voll da zu sein, lassen ihn ebenso sympathisch wirken wie Verena, die sich ohne zu zögern ihrer kleinen Nichte annimmt. Was allerdings angesichts der kurzen Zeit, die in dem größten Teil der Handlung vergeht, und angesichts Carls Krankheit etwas schwer nachempfindbar wirkt, sind die Gefühle von Carl und Verena. Unter diesen besonderen Umständen würde es sicher länger dauern, bis sich etwas entwickelt. Außerdem erscheint Carls Gedächtnisstörung so ungewöhnlich, dass man sich fragt, ob es sich hier um einen dramaturgischen Kniff handelt. Seine Reaktion darauf ist zwar angemessen und logisch, doch irgendwie fühlt man sich an 50 erste Dates erinnert. 


Dennoch löst ein gutes und liebenswertes Team einen Fall, der den Leser in die Abgründe einer menschlichen Seele schauen lässt.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Dunkel Land von Roxann Hill
ISBN: 978-3-959-67716-5


Dienstag, 14. November 2017

Poltown

Eine alte Freundin seiner Eltern ist verstorben und Cal McGill nimmt an der Bestattung teil. Dort hilft er einer alten Frau, die von der Gemeinde seltsam abweisend behandelt wird. Nur wenig später sieht er am Strand eine junge Frau, die aufs Meer hinausblickt. Violet Wells wurde adoptiert, erst jetzt hat sie erfahren, dass sie an einem Krankenhaus ausgesetzt wurde und laut einem anonymen Brief soll ihr Vater einer der angesehensten Bewohner des Ortes Poltown gewesen sein. Violet beginnt mit Nachforschungen, was an dieser Geschichte dran sein könnte. Vorsichtig möchte sie vorgehen, nichts aufrühren, aber dennoch brennt sie darauf, das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften.

Zum zweiten Mal beschäftigt sich der Ozeanograph Cal McGill mit einer Ermittlung nach den Umständen eines Todesfalls. Schon vor sechsundzwanzig Jahren verschwand die junge Frau im Meer. Nur ein Kleid und ihre Tasche wurden am Strand angespült. Die Polizei entschied damals, es könne sich nur um einen Selbstmord gehandelt haben. Auf Fragen jedoch reagieren die Bewohner so zurückhaltend, wenn nicht gar abweisend, dass Cal vermutet, es müsse doch mehr hinter den bekannten Fakten stecken. Seine flüchtige Bekanntschaft mit Violet, die sich nur nach und nach etwas öffnet, bestätigt Cals Gedankengänge.

Ist es möglich, wenn schon so viel Zeit vergangen ist, das Schicksal der verschwundenen Frau aufzuklären? Warum schweigen die Menschen, die sie eigentlich gekannt haben müssten? Hatte sie keine Freunde, die sich um sie gesorgt hätten? Je weniger man erfährt, desto neugieriger wird man. Was ist hinter der Fassade der nichtssagenden Freundlichkeit verborgen? Man möchte nachbohren. Man möchte wissen, wie Anspielungen zu deuten sind. Zwar fehlt etwas die Brisanz eines aktuellen Ereignisses, doch geschickt sind Vergangenheit und Gegenwart verbunden. Bande der Abhängigkeiten, die vor Jahren geknüpft wurden, wirken sich bis zu den heutigen Tagen aus. Welch eine Nachwirkung hat ein vergangenes Ereignis, kann ein Unrecht wieder gut gemacht werden, durch einen Brief, der auch nicht aus den besten Motiven entstanden ist. Vertuschung, Neid und Missgunst, Abhängigkeiten und ungute Beziehungen. Poltown ist ein Ort, an dem man nicht leben möchte, von dem es aber sehr spannend ist zu lesen und wo schließlich  doch alles anders war, als man selbst erraten könnte.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Sea Detective - Der Sog der Tiefe von Mark Douglas-Home
ISBN: 978-3-499-27247-9




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Samstag, 11. November 2017

Häschen

Wozu braucht man eigentlich einen Fallanalytiker aus München? Dort wird doch auch nur mit Wasser gekocht. Adam Danowskis letzter größerer Einsatz ist nun schon eine Weile her und seit dem fischt er eher im Trüben. Sein Glückstagebuch soll Adam eigentlich aufbauen, so recht wirkt das aber nicht. Da könnte doch ein echter Fall eine gute Ablenkung sein. In den Kellern zweier Hamburger Schulen wurden mumifizierte Leichen gefunden, was eine mittelschwere Hysterie unter den Eltern hervorruft und die Schulbehörden besorgt reagieren lässt. Besser wird das Ganze auch dadurch nicht, dass die Kollegin Meta Jurkschat einen der Toten kannte, dieses Wissen aber nicht an die große Glocke hängen möchte.

Zum vierten Mal versucht Kommissar Adam Danowski seiner Hypersensibilität Herr zu werden. Nach seinem letzten Fall ist er der Verrentung wahrscheinlich nur knapp entkommen und es bleibt zu hoffen, dass seine toten Eltern nicht noch irgendwo lauern. Auch wie es mit seiner Ehe steht, ist ihm nicht ganz klar. Immerhin hat er, um während der Arbeitswoche näher an der Arbeit zu sein, eine kleine Wohnung in der Nähe des Reviers bezogen. Schon die erste Vorführung des Münchner Kollegen Martin Gaitner, der etwas sehr kollegial daherkommt, verstimmt Danowski. Die Analysen Gaitners wirken daher geholt und lassen keine Seite klingen. Und so beginnt Adam Danowski gemeinsam mit seinen Kollegen Finzi und Meta, ein wenig auf die Seite zu ermitteln.

Nach seinem Ausflug an die Küste konzentriert sich Danowski diesmal wieder hauptsächlich auf die schöne Hansestadt, die allerdings auch vor Verbrechen und Verbrechern nicht gefeit ist. Das Triumvirat Danowski, Finzi und Jurkschat ist nochmals heimlich unterwegs. Mit Witz, Spürsinn und manchmal auch Geschick fieseln sie die einzelnen Fäden des Falles auseinander. Teilweise haben sie dabei mehr Glück als Verstand, teilweise macht Not auch erfinderisch. Was im Laufe der Nachforschungen an Beweggründen zutage kommt, ist manchmal für den normalen Verstand nicht leicht nachzuvollziehen trifft jedoch ziemlich genau eine aktuell brisante Thematik. 


In diesem vierten Fall laufen Danowski, seine Kollegen und damit auch der Autor zu ausgesprochen guter Form auf. Ein packender Fall mit genau der richtigen Portion drumherum. Davon möchte man mehr.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Neunauge von Till Raether
ISBN: 978-3-499-29149-4


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Freitag, 10. November 2017

Heimatluft

Nach überstandener Krankheit will es Major Paul Eigner etwas ruhiger angehen lassen. Er lässt sich an seinen Heimatort versetzen, um dort die Leitung der kleinen Polizeidienststelle zu übernehmen. Auch will er seine Schwester unterstützen, die sich um den gebrechlichen Vater kümmert. Doch ganz so geruhsam wie erhofft gestaltet sich der neue Lebensabschnitt nicht. Auf einer Wiese werden die Überreste eines längst Verstorbenen gefunden. Für eine archäologischen Fund ist die Leiche allerdings zu jung. Nich lange dauert es und es verdichten sich die Hinweise, dass es sich bei dem Toten um den seit Jahren verschwundenen Dorfpfarrer handeln könnte.

Die Hoffnung, dass Eigner in seinen heimatlichen Gefilden einen Vertrauensvorschuss genießen könnte, zerbirst schnell. Bei seinen Nachforschungen begegnet ihm eine Mauer des Schweigens. Die Dorfbewohner geben vor, nichts weiter über den Pfarrer zu wissen, außer dass er allseits beliebt und umgänglich war. Wer also sollte einen Grund gehabt haben, ihn zu töten? Major Eigner gibt nicht auf, hartnäckig verfolgt er jeden Hinweis. Gleichzeitig will er sich aber auch um seinen alten Vater kümmern. Nach seiner Zeit in Wien fällt es ihn nicht ganz leicht, sich wieder in das Landleben einzufügen.

Erst nach und nach gelingt es, sich in die Handlung hineinzufühlen. Man muss ihn kennenlernen diesen Major Eigner. Ein Weilchen dauert es bis auch dem Major Eigner der Pauli wird. Doch gelingt einem das, hat man einen spannenden und ausgeklügelten Kriminalroman, der einen in eine dörfliche kleine Welt entführt, in der nicht alles so friedlich ist wie es zunächst erscheint. Verschiedenste Spuren gilt es zu verfolgen, die sich häufig als falsche Fährten erweisen, bis schließlich die eine Unerwartete auftaucht, mit der eine sehr überraschende Lösung präsentiert wird.


Zwar wird nicht ganz klar, ob es sich bei diesem Roman um einen Reihenstart oder um einen Einzelband handelt. Für die gute Unterhaltung, die er bietet, ist das auch nicht ganz so wichtig.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Faule Marillen von LIsa Lercher
ISBN: 978-3-7099-3652-8


Mittwoch, 8. November 2017

Wammetsberger

Der Schorsch Wammetsberger war mit seinen Spezis wieder einmal nächtens mit dem Gewehr schauen, ob das Wild durch die Wälder wandert. Dumm nur, dass sie dabei in eine Art Hinterhalt geraten. Eine Schlucht, sozusagen, an deren Ende einer tot ist. Zum Glück keiner der Freunde, aber doch ein Opfer. Das ist etwas schlecht für Schorsch, der in seinem wirklichen Leben als Polizist arbeitet und deshalb nur ungern gegen sich selbst ermitteln möchte. Aber Unsicherheit besteht schon, wessen Kugel da wen getroffen hat. Da beseitigt man am besten gleich noch ein paar verdächtige Kleidungsstücke.

Durch die bayerische Bergwelt stapften Mörder und Opfer. Und die Ermittler wirken in diesem dritten Band um den guten Wammetsberger wie knorrige Urbayern zwischem knorrigem Geäst urbayrischer Bäume. Mit einigem Witz frisst sich Wammetsberger durch die liebevoll derben Köstlichkeiten, die dem gewichtsmäßig aus den Fugen geratenen Dorfpolizisten von seiner Angetrauten kredenzt werden. Vor lauter Appetit kommt da manchmal das Gehirn zum Stillstand und ins Ermitteln greifen die Kollegen ein, die Wammetsberger am liebsten draußen hätte, schließlich gilt es die eigene Rolle im Verborgenen zu halten.

Dem Autoren Hans-Peter Dinesh Bauer liegt das Bayrische im Blut wie er selbst sagt. Und das merkt man seiner Art zu schreiben auch an. Förmlich schwelgt er in Beschreibungen von Landschaft, Leuten und Fressalien. Für den passionierten Krimileser kommen dabei die Fallzusammenhänge und das langsame sich Herantasten an die Lösung etwas kurz. Nach einigen Schmunzlern werden gerade auch für nicht Fleischesser die ausufernden Ergüsse über die kulinarischen Freuden eher anstrengenden und man verliert mitunter auch noch den letzten dünn gesponnenen Krimifaden. Was die Nachforschungen angeht, scheinen die Frauen wie die Stöcki und die Pröll einfach gewitzter zu sein. Leider sind deren Parts ein wenig kurz geraten, obwohl sie als Sympathieträger einen ausgiebigeren Einsatz verdient hätten.


Ein Bayern-Roman, der sich Lesern mit Ortskenntnis  und Kenntnis des Menschenschlages wahrscheinlich wesentlich besser erschließt.

2,5 Sterne (🐳🐳+)

Die schwarze Jagd von Dinesh Bauer
ISBN: 978-3-7099-3807-2


Sonntag, 5. November 2017

I am from Austria

Die Studentin Annette Krüger begutachtet die Sicherheit eines alten Hauses in Berlin. Um auf Nummer Sicher zu gehen, betritt sie das alte Gemäuer und begeht die einzelnen Räume und Etagen. Im oberen Stockwerk prallt sie entsetzt zurück als eine Mumie vor ihr von der Decke baumelt. Offensichtlich wurde die Leiche jahrelang nicht entdeckt. Obwohl es unter diesen Umständen kaum noch möglich sein dürfte, den Fall zu lösen, wird Kommissar Thomas Calis zu dem Fundort gerufen. Eine relativ entspannte Sache, die er kurz vor dem Urlaub noch erledigen kann. Doch es kommt anders. Eine weitere Leiche wesentlich jüngeren Datums wird gefunden und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Die Leichenfunde ereignen sich zur Zeit der ILA und wie es der Zufall will ist John Finch in Berlin, um mit dem neuesten Hubschraubermodell ein paar Vorführungsflüge zu unternehmen. Diese Gelegenheit konnten er und sein Papagei Captain Sparrow sich nicht entgehen lassen. Im fernen Schottland wird Major Llewellyn auf eine alte Spur angesetzt, die ihn auch nach Berlin führt. Und so liegt ein Treffen der älteren und jüngeren Haudegen natürlich nah. 

Das alte China, Stasi, der Bereich Kommerzielle Koordinierung, Agenten und eine geheime Pazifikfahrt während des zweiten Weltkrieges - wie soll das alles zusammengehen? Wer John Finch und seine Freunde kennt, wird zuversichtlich sein, dass schon irgendwie hinhaut. Eine ausgeklügelte Mischung aus belegbaren Fakten und intelligent eingefügter Fiktion führt den Leser auf eine abenteuerliche Reise hauptsächlich durch Europa. Welches Deutung hat der Begriff Zerberus-Schlüssel? Wieso werden plötzlich Menschen umgebracht, die sich soweit bekannt nichts zu schulden kommen ließen? Haben verschiedene Dienste hier etwas ausgelöst, das sie nun nicht mehr einfangen können?


Ausgesprochen fesselnd fügen sie die Einzelteile der Geschichte nach und nach zusammen. Dieser packende Abenteuer-Thriller möchte am liebsten an einem Stück gelesen werden. Das Abtauchen in eine Welt der alten Rätsel und neuen Geheimnis kann so am besten genossen werden. Der einzige kleine Wermutstropfen, den diese Art des Lesens mit sich bringt: das Abenteuer ist viel zu schnell vorbei. Man wünscht, der Autor möge schnell einen Aufhänger für das nächste Abenteuer finden, in dem die lieb gewonnenen Akteure erneut zu Höchstform auflaufen.

5 Sterne (🐳🐳🐳🐳🐳)

Der Zerberus-Schlüssel von Gerd Schilddorfer
ISBN: 978-3-404-17595-6


Samstag, 4. November 2017

Wer Wind sät

Schon immer lebt Djamal in Berlin, er hat eine deutsche Freundin, die ihm viel bedeutet und sein Vater hat ihm einige Werte beigebracht. Ein gutes Leben könnte man meinen. Allerdings wird Djamal nach einem Vorfall, während dem er seine Mutter verteidigen wollte, festgenommen und beschuldigt, die Sache ausgelöst zu haben. Djamal kann nicht verwinden wie er durch den Staat behandelt wird. Gemeinsam mit den Erlebnissen in seinem Herkunftsland bereitet dieses Ereignis den Boden für einen Verführer, der seines Gleichen sucht. Zur selben Zeit suchen die Behörden fieberhaft nach einem Attentäter, dessen Spuren nach Berlin führen.

Auf zwei Ebenen nähert sich dieser Roman dem Problem des Terrorismus, mit dem wir heute zu kämpfen haben. Der junge Djamal, der sich auf der Suche befindet, dessen Vertrauen in den Staat erschüttert wird, der keinen Halt mehr findet. Nicht einmal seine Freundin Nina kann sein Abdriften aufhalten. Auf der anderen Seite die Ermittler Marc Bauer und Lukas Weber, die alles versuchen, einen Attentäter zu stellen, der offensichtlich nach Berlin geflüchtet ist. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Stellen verläuft nicht immer reibungslos und Gefährdungslagen müssen auch die Mühlen der Politik durchlaufen, deren Reaktion manchmal in einem „Wir fürchten uns nicht besteht“ und die damit die Sicherheitsbehörden in große Schwierigkeiten bringen. Schließlich soll dieses „Wir fürchten uns nicht“ nicht in einem „Das ist ja fürchterlich“ enden.

Zunächst etwas spröde wirkt der vorliegende Roman, denn er führt in eine Welt, die einem sehr fremd vorkommt. Wieso sucht Djamal, er hat doch nichts auszustehen. Vielleicht etwas, dass nie leicht nachzuvollziehen ist, wenn man nie in einem Land mit einer anderen Kultur gelebt hat. Man fragt sich, wieso sie sich von allem angegriffen fühlen. Keiner muss sich völlig assimilieren, doch sollte nicht auf beiden Seiten Toleranz vorherrschen? Packend wird das Buch, wenn die Spuren ausgelegt sind und so langsam die missliche Ernte eingebracht wird. Welche Fäden ziehen Ermittler, Politiker und Verführer? Hat die Familie überhaupt noch irgendeinen Einfluss? Kann man einem Attentäter in die Seele blicken? Gerade zum Schluss hin werden Fragen aufgeworfen, die einen an einigem zweifeln lassen? Leider lässt sich hierüber keine Diskussion eröffnen, denn schließlich soll nicht zu viel verraten werden. 

Spannend, hart, tragisch und möglicherweise näher an der Realität als einem lieb sein kann.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Gefährliche Saat von Jens Kubo
ISBN: 978-3-426-43667-7


Freitag, 3. November 2017

Für Europa

Zwei Agenten Alec Leamas und Liz Gold sind an der Berliner Mauer gestorben. Das ist lange Jahre her. Heute verlangen die Kinder der Verstorbenen, dass der britische Staat Rechenschaft ablegt. Ist der Geheimdienst Schuld am Tod seiner beiden Mitarbeiter? Dazu wird der ehemalige Agent Peter Guillam aus Frankreich zurück nach London beordert. Es laufe eine Untersuchung gegen ihn, dabei seien eigentlich verschwundene Dokumente aufgetaucht, die tatsächlich für die Darstellung der Nachkommen sprechen könnten. Guillam soll nun verifizieren, was damals wirklich geschah und ob etwas vertuscht wurde.

Als Abschluss zu den Romanen um George Smiley „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Dame, König, As, Spion“ bietet dieses Buch eine ungewöhnliche Ausgangssituation. Das eigentliche Geschehen ist lange vergangen. Und in der heutigen Zeit verlangen die Kinder der ehemaligen Agenten eine Antwort auf die Frage, was damals mit ihren Eltern geschah. Dazu versuchen die heutigen Mitarbeiter des Dienstes zu rekonstruieren, was geschehen ist. Gleichzeitig versuchen sie einen Weg zu finden, die Forderungen irgendwie zu bedienen und gleichzeitig zu vertuschen, was nicht herauskommen soll. Und wie so häufig, soll auch gleich nach einem Sündenbock gesucht werden. Eine Rolle, die Peter Guillam nicht gerne einnehmen möchte.


Etwas unklar bleibt, ob es nicht besser wäre, wenn man die anderen beiden Bücher kennen würde, die zu dem Handlungskomplex gehören. Zwar wird einiges erläutert, aber irgendwie bleibt doch ein Gefühl, dass das Wissen lückenhaft sein könnte. Nichtsdestotrotz ist die ungewöhnlich komponierte Handlung spannend, das Verhalten der Agenten durchtrieben und hinterhältig. Einem geheimen größeren Plan scheint gefolgt zu werden. Man versinkt in Aussagen, Protokollen und Gedanken des ehemaligen Agenten. Gelingt es, die Kinder der verstorbenen Spione, ruhig zu stellen? Gefesselt verfolgt man die perfiden Ränkespiele der neuen Agentengeneration, die der alten Generation in nichts nachsteht. Allerdings bleibt schließlich doch einiges in der Schwebe. Gerade dieser Eindruck bringt die Frage nach den Vorbänden auf, die man vielleicht doch lesen sollte. Schön jedoch das Plädoyer des Autors für Europa, dem man nur aus ganzem Herzen zustimmen kann.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das Vermächtnis der Spione von John le Carré
ISBN: 978-3-550-05012-1


Mittwoch, 1. November 2017

Social Medial

Vicky ist IT-Fachfrau und Programmiererin in einer männerdominierten Firma. Ihre Freundschaften bestehen hauptsächlich aus WhatsApp-Nachrichten und Facebook-Posts. Sehr liebevoll geht sie mit ihren Onlinefreunden um, die sicher im Netz verstaut sind und in der echten Welt keine Probleme machen. Wenn ihre einzige echte Freundin Vicky zart darauf hinweist, dass diese Social Medialisierung doch nicht das Wahre sein kann, stellt Vicky die Ohren auf Durchzug. Als in ihrer Firma eine Führungsposition neu besetzt werden soll, wird der am geeignete Kandidat während einer Klettertour in den Bergen gesucht. Eine Katastrophe - ohne Smartphone, ohne Verbindung, nur offline-Kommunikation. 

Wie ist es, wenn hunderte nach unten auf ihr Handy starren und dabei den Blick für die Landschaft verlieren? Vicky ist ein echtes Beispiel für einen Social Media Nerd. Sie fühlt sich beinahe nur noch im Netz wohl und sicher. In der Interaktion mit einem Gegenüber wird sie unsicher und fürchtet jede Kleinigkeit. Da kann sie eigentlich auf so einer Klettertour nicht bestehen. Sie muss aber, schließlich will sie die Chance auf eine Beförderung. Ganz untypisch für sie macht sie dann doch mal den Mund auf und spricht Klartext. Und vielleicht wird es ja auch mit dem gut aussehenden Kollegen Konstantin was. Obwohl, dieser Bergführer hat auch schon was, wenn er nur nicht immer so viel fordern würde, was das Klettern anbelangt versteht sich.

Man kann sie gut verstehen, wenn sie meint, Klettern sei doch nun garnicht ihr Ding und ihr das Handy wegzunehmen sei eine Frechheit. Köstlich amüsiert man sich über die witzigen Dialoge, die sich ergeben, wenn sich Vicky genötigt sieht, der Offline-Welt ihre Gedanken zu erklären. Schlagfertig steht sie ihre Frau. Etwas weniger forsch ist Vicky, wenn es um ihre Gefühle geht. Gerade das jedoch macht sie lebendig und authentisch. Sehr wirklichkeitsnah wirkt ihr Kampf um Anerkennung. Die gläserne Decke, die trotz bester Qualifikation so schwer zu durchdringen ist. Was, wenn die Entscheidung schon vor der Abreise fest stand? Wozu muss man sich das überhaupt geben, wenn man doch ein überzeugter Bewegungslegastheniker ist? Und dann noch dieser Kollege, der plötzlich näher ist als man je in Betracht gezogen hätte. Und erst dieser vermaledeite Bergführer, der einem deutlich vor Augen führt, dass es auch noch eine Welt außerhalb des kleinen Bildschirms gibt.


Witzig-bissig-humorvoll und ein wenig zuckersüß, ganz anders als man es bei einer Programmiererin erwarten würde, gerade der richtige Blick auf eine Bergwiese, wenn man sonst eher in dunkle Krimi-Abgründe blickt.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Manche mögen's steil von Ellen Berg
ISBN: 978-3-8412-1408-9


Dienstag, 31. Oktober 2017

de Bodt & Co

Es sieht wie ein normaler Mord aus. Der Leiter des größten Wasserbetriebes der Berliner Wasserwerke und seine Frau liegen tot in der Badewanne. Kommissar de Bodt und seine Mannschaft stehen vor einem Rätsel. Wer sollte diesen unbescholtenen Leuten etwas antun wollen. Bald werden in Paris und London ähnliche Taten entdeckt. Die Lage verschärft sich. Und als die erste Brücke einstürzt, ist der Teufel los. Die Stimmung im Lande ist am Boden, die Märkte brechen zusammen und die Welt zittert vor dem, was noch kommen mag. Es gibt weder eine Spur zu den Tätern noch einen Hinweis auf die Motive.

Mit unkonventionellen Methoden, von denen nicht ganz klar ist, ob sie sich noch im Rahmen der Legalität bewegen, macht sich Kommissar Eugen de Bodt auf die Suche nach den Tätern und den Hintergründen. Scheinbar mit viel Geld ausgestattet begehen die Täter ein Attentat nach dem anderen. Fieberhaft versuchen die Ermittler Schlimmeres zu verhindern. Doch wenn ein Vorfall in die Politik hineinspielt, gibt es auf einmal viele Parteien, denen gedient werden soll. De Bodt wäre nicht er selbst, wenn er sich das einfach so gefallen ließe. Wieder einmal ist er wie der Dorn in der Seite seiner Vorgesetzten, der, den sie am liebsten los wären, auf den sie aber eben wegen seiner unkonventionellen Methoden nicht verzichten können.

Mit einer atemberaubenden Ermittlungsfahrt durch Europa nimmt einen der Autor mit auf einen Weg, der an vielem zweifeln lässt. Die Skrupellosigkeit der Täter ist schier unglaublich. Sie scheinen vor Nichts zurückzuschrecken und den Tod vieler Menschen in Kauf zu nehmen. Wer kann solch ein Handeln an den Tag legen. Nahezu unbesiegbar scheinen die Drahtzieher zu sein. Wenn jeder nur das nötigste weiß, kann er schließlich nicht viel verraten. Eugen de Bodt versucht, sich in die Täter hineinzudenken. Es wirkt wie eine doppelte Struktur, die zunächst auf tote Gleise führt und schließlich doch einen Ansatzpunkt bietet. Man taucht ein in diese Welt des Schreckens und fiebert darauf, dass endlich das grausame Tun beendet wird. Und nach etlichen unerwarteten Kniffen, nach einer Achterbahnfahrt der kalt geplanten Unsäglichkeiten, zeichnet sich ein Silberstreif am Ermittlungshorizont ab. 

Dieser Thriller trifft genau den Ton der Zeit, man wünscht sich den entscheidenden Schritt nach vorn in eine bessere Welt.


4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Giftflut von Christian v. Ditfurth
ISBN: 978-3-570-58565-8




Montag, 30. Oktober 2017

Schnitzer

Flavia de Luce ist echt heilfroh, nach hause zu kommen. Sie freut sich auf das Willkommen, dass ihr die Familie hoffentlich bereiten wird. Das blöde Internat in Kanada war wirklich eine bescheuerte Idee. Mal wieder allerdings wird Flavia enttäuscht, niemand erwartet sie so richtig. Mit großer Sorge hört sie, dass ihr geliebter Vater wegen eine Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt wird. Flavia ist froh über jede Ablenkung und gerne übernimmt sie eine kleine Aufgabe für die Frau das Geistlichen. Sie soll einen Brief an einen begnadeten Schnitzer überbringen, der nicht weit entfernt lebt. Flavias Spürnase wird unweigerlich geweckt als sie den älteren Herrn tot auffindet.

Natürlich kommt Flavia nicht umhin, erst einmal den Ort zu untersuchen, an dem der Mann offensichtlich gestorben ist. Da kann doch etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Und wenn sie schon die Gelegenheit hat, die erste zu sein, die einen oder zwei Blicke umherwirft, dann nimmt sie die Gelegenheit doch wahr. Natürlich informiert Flavia auch die Polizei, aber sie wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht gleichzeitig versuchte schneller als diese zu sein. Ein Fall, in den sie sich hineinstürzen kann, der sie alle Not vergessen lässt. 

In ihrem achten Fall erlebt Flavia de Luce keine fröhliche Heimkehr. Kein Wunder, dass sie die Gelegenheit nutzt, ihre Sorge und Angst mit einer Ermittlung, die sie wahrlich fordert, zu überdecken. Wer würde eine solche Gelegenheit nicht nutzen. Flavia, die am Beginn der Pubertät die Veränderung spürt, und die nochmal ihr altes Kinder-Ich wiederfindet, die mit Gladys durch den Winter fährt, Eis und Schnee trotzt. Dogger ist weiterhin ihr liebevoller Beschützer. Doch die Krankheit des Vaters hängt drohend über allem. Da hilft kein noch so schwieriger Fall. Es ist wie eine Spinne, die in ihrem Netz hockt und auf die Möglichkeit zum Angriff wartet. Flavias unbeschwerte Kindheit könnte bald unwiderruflich vorbei sein. 

Und so liest man dieses Buch, gespannt auf jede Entwicklung und doch mit Sorge im Hinblick auf die kommende Zeit.  Wer will schon gerne erwachsen werden und wer konnte sich dem je entziehen.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Mord ist nicht das letzte Wort von Alan Bradley
ISBN: 978-3-7645-3113-3




Samstag, 28. Oktober 2017

Frost

Chief Kate Burkholder kann mal nicht klagen, ihre Kollegen gehören fast zur Familie, mit Tomasetti läuft es, also alles gut. Doch wie könnte das Idyll für jemanden in ihrem Beruf lange anhalten. Garnicht, wie sich schnell herausstellt. Kate wird zu einem Einsatz im Staat New York gerufen. Dort ist eine erst 15jährige Amische erfroren aufgefunden worden. Und die Gemeindemitglieder mauern gegenüber der Polizei. Aufgrund ihrer eigenen Herkunft scheint Kate als Einzige geeignet zu sein, die Mauer des Schweigens zu durchdringen. 

Für Kate Burkholder wird es eine gefährliche Ermittlung aber auch eine Reise in ihre eigene Vergangenheit. Zwar lebt sie schon lange nicht mehr nach den Vorschriften der Amisch, doch vergessen hat sie nichts. Zwar ist sie durchaus unsicher, ob sie sich auf den Einsatz einlassen soll. Da allerdings die Gefahr besteht, dass weitere Menschen zu schaden kommen könnten, kann Kate nicht anders als sich auf den Weg zu machen. Sie begibt sich auf die Spur des toten Mädchens, bringt jedoch zunächst ebenso wenig in Erfahrung wie die Kollegen vor Ort. So schnell öffnen sich die Menschen nicht. Nur andeutungsweise erfährt sie von Gerüchten, die sie allerdings sehr schnell davon überzeugen, dass sie ihr Möglichstes tun wird, um den Fall zu lösen.

Zwar hat Kate Burkholder hier bereits ihren achten Auftritt, doch wirkt die Serie keinesfalls verbracht. Wieder gelingt es der Autorin einen packenden Krimi zu schaffen. Lediglich am Anfang etwas behäbig nimmt die Handlung schnell Fahrt auf. Man kann schließlich nicht mehr von dem Buch lassen und ist versucht, es in einem Zug durchzulesen. Die Story ist wirklich überraschend und auch die dargestellte Schlechtigkeit einiger Menschen ist sehr überzeugend dargestellt. Man versteht ausgesprochen gut, wieso Kate Burkholder den möglichen Opfern zur Seite stehen will und sich auch nicht von ihren Kollegen davon abbringen lässt.


Eine sehr spannungsgeladene Ermittlungsakte, die man am Ende nur mit Mühe schließt. Von Kate Burkholder darf es gerne mehr zu berichten geben.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Böse Seelen von Linda Castillo
ISBN: 978-3-596-29801-3


Freitag, 27. Oktober 2017

Horrorfan

Dr. Maura Isles wird zu einem Tatort gerufen. Eine junge Filmproduzentin wurde tot aufgefunden, ihr wurden die Augäpfel entfernt und in ihren Händen abgelegt. Welch eine schauderhafte Drapierung. Doch bei der Obduktion hat Maura Schwierigkeiten die genaue Todesursache herauszufinden. Gemeinsam mit Detective Jane Rizzoli versucht sie das Geheimnis um diesen rätselhaften Mord zu ergründen. Könnte es etwas mit der Tätigkeit der jungen Frau zu tun haben, die Horrorfilme produzierte? Schon bald wird ein weiteres Todesopfer gefunden, ein Zusammenhang deutet sich nur so vage an, dass er eigentlich zu vernachlässigen ist. 

Sei es aus den Büchern oder auch von der TV-Serie: Dr. Maura Isles und Detective Jane Rizzoli sind wohlbekannt. Und bei diesem bereits zwölften gemeinsamen Auftritt bekommen sie eine harte Nuss zu knacken. Eine junge Frau, die sich nichts zu schulden kommen ließ. Ein junger Mann, der ebenfalls eine weiße Weste hatte. Außer einer gewissen Ähnlichkeit der Todesarten ist zunächst keine Verbindung zwischen den beiden Fällen festzustellen. Jane und Maura stehen vor einem Rätsel. Doch wer die beiden toughen Frauen kennt, weiß, dass sie nicht so schnell aufgeben werden. Mit Intelligenz und Hartnäckigkeit versuchen sie dem Täter auf die Spur zu kommen. Dabei lassen sie sich auch von privaten Turbulenzen nicht abhalten.

Zum Glück ist die TV-Serie gut besetzt, denn es ist fast unausweichlich, dass einem beim Lesen die Personen der Verfilmung vor Augen stehen. Ein Wiedersehen in Gedanken. Auch wenn man die Reihe nicht komplett kennt, gibt es doch etliche Erinnerungen, die geweckt werden. Kleine Lücken werden by the way gefüllt. Und der Fall, den Jane und Maura zu lösen haben, hat es wirklich in sich. Welch hinterhältige Taten da aufzuklären sind. Man kann sich die Gedankenwelt eines Täters nicht vorstellen, seine Motive nicht ergründen. Und wie bei einem echten Horrorfilm wartet man auf das Zuschnappen der Falle, das gerade in dem Moment kommt, wenn man eigentlich meint, alles sei gut. 


Ein toller Krimi mit Ermittlern, die durch ihre authentische und lebensnahe Darstellung fast schon zur Familie gehören.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Blutzeuge von Tess Gerritsen
ISBN: 978-3-641-21157-8




Mittwoch, 25. Oktober 2017

Mandantenlos

Nicholas Meller schlägt sich als Anwalt eher schlecht als recht durch, eine richtige Sekretärin hat er nicht. Wenn er mal einen Mitarbeiter braucht, darf es auch gerne ein Referendar sein. Und so gibt er der Studentin Nina eine Chance, die sich auf die Prüfung vorbereiten möchte. Mellers letzter Mandant wird beschuldigt, seine Frau getötet zu haben. Die Indizienlage ist erdrückend und eine Verurteilung ist kaum zu vermeiden. Eine Freilassung auf Kaution wird abgelehnt und der Mandant beteuert verzweifelt seine Unschuld. Nina und Meller sind zwar geneigt, ihrem Mandanten zu glauben, aber aus dem Nichts heraus gibt es keinerlei Beweis für dessen Unschuld.

Sie sind schon ein cooles Team, der Anwalt, der das Leben genießen kann, und die Studentin, die nicht ganz überzeugt ist, dass die Jurisprudenz wirklich das Richtige für sie ist. Vielleicht sind sie nicht die Besten in ihrem Beruf, aber sie haben einen Riecher für die Wahrheit und deshalb glauben sie ihrem Mandanten und beginnen nach Informationen zu graben, die die Indizienkette durchlöchern könnten. Mit akribischen und gleichzeitig phantasievollen Nachforschungen gehen Nina und Nicholas ihre durchaus schwierige Aufgabe an. Wie sollen Sie die Staatsanwältin überzeugen, dass es vielleicht doch einen anderen Mörder gibt. Ist es nicht manchmal so, dass wenn etwas offensichtlich erscheint, offiziell nur noch in diese Richtung ermittelt wird? 

Gleich mit seinem Debüt schafft es der bisher schon als Drehbuchautor für bekannte TV-Serien tätige Autor gekonnt eine schnelle und spritzige Story zu kreieren. Seine Hauptfiguren Nicholas und Nina sind sympathisch gezeichnet und sie bringen die nötige Gewitztheit auf, um einen perfiden Mörder Paroli zu bieten. Denn ein Mörder treibt ein äußerst geschicktes Verwirrspiel mit Spuren, Hinweise und Alibis. Unheimlich, wie er häufig seinen Mitspielern immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Mit seiner ausgesprochen spannenden Geschichte macht Lorenz Stassen Lust auf mehr. Im Verlauf ihres ersten gemeinsamen Auftritts werden Nicholas und Nina ein richtig gutes Team, wäre da nicht ein Stolperstein auf dem Weg zu einer gemeinsamen Praxis. 


Sehr gekonnt vorgetragen ist dieses Hörbuch von Uwe Teschner und Oliver Brod, wobei die Stimme des Killers einem mitunter eiskalte Schauer über den Rücken jagen kann. Ein Hörbuch, dass schon einige Male dazu verleitet, noch ein wenig im Auto sitzen zu bleiben, wenn es gar zu spannend ist und man einfach noch wissen muss, was die nächsten paar Minuten bringen.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Angstmörder von Lorenz Stassen
ISBN: 978-3-837-14005-7




Sonntag, 22. Oktober 2017

Neue Ufer

Nachdem Jane Tennison eine Prüfung bestanden hat, darf sie die Uniform ablegen und bei der Kriminalpolizei anfangen. Allerdings ist es Mitte der 1970er nicht üblich, dass Frauen im Polizeidienst einfach eine herausgehobene Stellung einnehmen dürfen. Deshalb muss Jane erstmal in der Abteilung für Taschendiebstahl anfangen. Mit ein paar Vorbehalten macht sich Jane an ihre neue Aufgabe. Doch die neuen Kollegen scheinen recht nett zu sein, auch wenn sie die Neue etwas hochnehmen. Schon bei ihrem ersten Außeneinsatz gelingt Jane und ihren Kollegen die Verhaftung einiger Taschendiebe, die offensichtlich im Team arbeiten. Als sie am nächsten morgen zur Kautionsverhandlung eines der Täter einbestellt wird, gerät sie auf dem Weg dorthin in  einen Anschlag, der mehrere Menschen das Leben kostet.

Vielleicht erinnert man sich bei dem Namen Jane Tennison noch an die TV Serie „Prime Suspect“ („Heißer Verdacht“) mit Helen Mirren und damit liegt man auch garnicht falsch. Doch hier geht es nicht um die spätere erfolgreiche Ermittlerin, sondern um die noch junge unerfahrene Jane, die kurz nach der Ausbildung ihre ersten Fälle löst. Auch hier entwickelt sie schon das Näschen, das später für sie typisch wird. Allerdings ist sie vor Fehlern nicht gefeit, nicht umsonst fehlt ihr noch die Erfahrung und das Misstrauen, dass einen Kriminalbeamten wohl im Lauf der Jahre überkommt. Manchmal noch etwas ungestüm prescht sie durch ihren Fall, ohne nach links oder rechts zu schauen. Dass sie dadurch mitunter sich selbst oder andere in Gefahr bringen kann, ist ihr noch nicht in jeder Situation bewusst. 


In den 1970ern war die Gefahr durch Anschläge der IRA noch allgegenwärtig. Gerade dadurch wirkt dieser Kriminalroman sehr spannend und da heute bedauerlicherweise eine ähnliche Zeit durchlitten werden muss auch ausgesprochen aktuell. Die Angst der Menschen vor dem nächsten Anschlag, die Wachsamkeit einzelner - Janes zufälliger Einsatz während des Ereignisses ist so dicht beschrieben, dass es einen kalt überläuft. Zwar ist Jane Tennison als junge Polizistin hin und wieder zu häufig am rechten Ort, wird zu oft zum Mittelpunkt und ist ihren Kollegen voraus, das jedoch tut der packenden Story mit Bezug zum tagesaktuellen Geschehen keinen Abbruch. Die junge Jane Tennison nimmt für sich ein, wobei anzumerken ist, dass von der Autorin nicht viele Bücher ins Deutsche übersetzt sind und man so ein wenig erstaunt ist, dass es sich bei dem vorliegenden Band bereits um den dritten Auftritt der jungen Tennison handelt.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Good Friday von Lynda La Plante
ISBN: 978-1-78576-329-8


Samstag, 21. Oktober 2017

Veteran

Nach seinen Einsätzen im Krieg kann sich der Heimkehrer Peter Ash nicht mehr gut in geschlossenen Räumen aufhalten. Auch mehr als ein Jahr nach seiner Entlassung aus der Armee hat sich daran nicht viel geändert. Peter versucht das Beste aus der Situation zu machen und hält sich meist draußen auf. Über Wasser hält er sich mit Gelegenheitsarbeiten. Als er eines Tages davon hört, dass sich sein Freund aus Armeetagen Big Jim erschossen hat, entschließt er sich, wenigstens der Witwe zu helfen. Für sie und ihre Kinder will er die Veranda reparieren. Doch zunächst muss er eine Bestie von Hund zähmen, der sich in dem Kriechkeller unter der Veranda eingenistet hat. 

Wird es einem unter post traumatischem Stress leidenden Ex-Soldaten gelingen, sich mit seinen Schuldgefühlen dem Freund gegenüber auseinander zu setzen? Die Reparaturarbeiten sind nur ein erster Schritt. Ein Schritt allerdings auf einem ungewöhnlichen Weg, denn je mehr er über die letzten Tage seines Kameraden erfährt, desto mehr fragt er sich, was sich Jim als Ziel gesetzt hatte. Nach der Trennung von seiner Frau stürzte er nicht völlig ab. Und dann die Sache mit dem Hund, der nur mit bezwungen werden kann. Immerhin, der Hund bewachte einen Koffer voll Geld und Ash setzt schließlich alles daran, hinter das Geheimnis des Geldes zu kommen.

Ein Antiheld wie er im Buche steht ist dieser Ash, traumatisiert, kaum fähig ein normales Leben zu führen. Aber dennoch ist er nicht völlig zerbrochen. Er fühlt mit der Witwe und ihren Kindern, er nimmt sich eines halb verwilderten Hundes an. Und er bohrt hartnäckig nach, was seinen Freund zu seiner Tat getrieben haben kann. Mit immer größer werdender Anspannung verfolgt man, was Peter Ash nach und nach in Erfahrung bringt. Die Lesezeit vergeht dabei wie im Flug, wobei die Schilderungen der Mühe, die den Kriegsheimkehrern die Ankunft in ihrer ehemals vertrauten Umgebung bereitet, sehr berührt und nachdenklich stimmt. In was für eine Welt werden die Soldaten geschickt und was für eine Heimkehr wird ihnen bereitet. Wird ihre Arbeit genug gewürdigt, werden sie ehrenvoll aufgefangen, wenn sie sich in der Fremde verloren haben. Auch die Ereignisse, die zu Jims Tod geführt haben, sind ausgesprochen fesselnd dargestellt. Einzig ab einem gewissen Moment wirkt die Story etwas überdreht, obwohl gerade hier wie bei einem Actionfilm noch das Letzte an Spannung und Geschwindigkeit aus dem Plot herausgeholt wird.


Beim Lesen ahnt man es schon, dieser Roman ist der erste Band einer Reihe um den Heimkehrer Peter Ash, der durchaus an Jack Reacher erinnert, allerdings doch anders ist und sich keinesfalls vor irgendjemandem zu verstecken braucht.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Drifter von Nicolas Petrie
ISBN: 978-3-518-46679-7


Freitag, 20. Oktober 2017

Trügerisch

Ende 1944 in den Kriegswirren geschieht in Dresden ein Mord an einer jungen Frau. Sie wurde übelst zugerichtet. Kommissar Max Heller übernimmt die Ermittlungen. Er ist einer der wenigen, die noch normale Polizeiarbeit ausführen dürfen. Wegen einer Verletzung aus dem ersten Weltkrieg ist er nicht kriegstauglich. Doch er und seine Frau sorgen sich außerordentlich um die beiden Söhne, die an der Front kämpfen. Durch die häufigen Bombenwarnungen werden die Untersuchungen ebenso behindert wie durch Hellers Chef, der den Fall unbedingt schnellsten gelöst haben will. Schließlich sollen bald auch noch die letzten jungen Männer eingezogen werden. Und die Verstorbene war mit einem Juden verheiratet gewesen. Da bietet der sich als Täter doch förmlich an.

Kommissar Max Heller ermittelt in einer Extremsituation. Ende 1944 zeichnet sich schon ab, dass der Krieg nicht zu gewinnen ist, doch die sogenannten Herrenmenschen sind noch an der Macht. Und so müssen die, die sich eigentlich eine andere Welt wünschen, ausgesprochen vorsichtig sein in ihrem Verhalten. Ein Denunziant könnte überall lauern. Dass sein direkter Vorgesetzter unbedingt eine bestimmte Lösung haben möchte, macht es auch nicht leichter. Erst ein zweiter Mord führt dazu, dass zumindest weiter nach dem Täter gesucht werden kann. Doch nur schleppend geht es voran. 

Es scheint seltsam unpassend, dass in Kriegszeiten auch „normale“ Verbrechen geschehen können. Man könnte meinen, das kann doch nicht sein. Durch Krieg, Hunger und Tod sollte genug Leid unter den Menschen sein, es dürfte nicht noch irgendwelche Verbrechen brauchen. Doch ein Mörder ruht nicht und bringt Unheil über die Stadt. Die Menschen haben Angst, umso mehr seit dieser Mörder umgeht. Man möchte sie hinein fühlen in die Welt der vielen Mitläufer und der wenigen Aufrechten, man möchte sie durchdringen die noch existierenden Verbindungen zwischen den noch Machthabern. Ein wenig fern bleibt die Szenerie und doch verfängt man sich im Geschehen. Gerade Dresden, die so sehr zerbombte Stadt, bildet eine berührenden Hintergrund für diesen Kriminalroman, mit dem ein neuer Ermittler vorgestellt wird.


Max Heller bei seinem ersten Fall, der mit einer ganz anderen spannenden Ausgangssituation endet als zu erwarten gewesen wäre.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Der Angstmann von Frank Goldammer
ISBN: 978-3-423-26120-3



Mittwoch, 18. Oktober 2017

Die Gesetze der Musik

Leopold Mozart wird eingeladen, Mitglied der Mitzler’schen Gesellschaft zu werden. Für den Vater des noch ungeborenen Amadeus ist das eine außerordentliche Ehre, aber auch eine äußerst schwierige Aufgabe. Denn um Mitglied zu werden, gilt es etliche Rätsel zu lösen. Leopold befürchtet mit der Aufgabe überfordert zu sein. Doch gemeinsam mit seinem Schüler David Stark und dessen Freundin Therese begibt er sich daran, die Rätsel eines nach dem anderen zu lösen. Die Sache erweist sich als schwierig, denn bald wird klar, dass es nicht jedem Recht ist, wenn es gelingt alle Aufgaben zu lösen. 

Ein Reigen von mehr oder weniger bekannten Personen der Geschichte, eine Abfolge von kniffeligen Aufgaben, Freimaurer und unheimliche Gegner bilden hier eine Mischung, der ein unterhaltsamer und lehrreicher Geschichtskrimi wird. Ein Abenteuer für Leopold Mozart, dessen Ausgang zu Beginn doch sehr ungewiss erscheint. Schafft er es schließlich nicht, die Rätsel zu lösen, könnte es mit seinem Leben vorbei sein oder zumindest doch mit seinem guten Ruf als kenntnisreicher Musiker und Musiktheoretiker. Doch so manches Mal helfen ihm David und Therese aus der Patsche und auch andere hilfreiche Personen greifen in die Suche ein. Doch auch gefährliche Situationen müssen überstanden werden.

Ein historischer Abenteuer-Krimi mit einem interessanten Hintergrund, lehrreich und intelligent. Wenn auch manchmal etwas betulich, was durchaus der Zeit geschuldet sein könnte, in der er angesiedelt ist, unterhält dieser Roman doch sehr gut. Die Protagonisten sind sympathisch gezeichnet und die zu lösenden Rätsel erscheinen knifflig. Man bekommt Lust, nach den gefundenen Gesetzen der Musik, den idealen Gassenhauer zu erfinden. Doch vermutlich wird man als unmusikalischer Normalo daran scheitern und nicht mit dem mit einem begnadeten Sohn gesegneten Leopold mithalten können. 

Spannende Rätsel, interessante Zusammenhänge und eine tolle musikalisch geschichtliche Führung durch Salzburg.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das Mozart-Mysterium von Christoph Öhm
ISBN: 978-3-839-21299-8


Sonntag, 15. Oktober 2017

Myrina

Kann die Sage von Troja einen wahren Kern haben? Dieser Frage geht die Philologin Diana Morgan nach, die sich auch sehr für die Geschichte der Amazonen interessiert. Eigentlich unterrichtet Diana ein Seminar an einer britischen Universität. Doch einem verlockenden Angebot, eine alte Schrift zu entziffern, kann sie nicht widerstehen. Sie reist nach Nordafrika, um eben diese Aufgabe zu lösen. Bei ihrer Ankunft trifft sie auf Nick Barran, ein auf den ersten Blick zwielichtiger Typ, der sich mehr in Dianas Gedanken schleicht als ihr recht ist. Ihr Jugendfreund James liegt doch viel mehr auf ihrer Linie. Diese Gedanken sind jedoch schnell vergessen, denn tatsächlich ergeben sich Spuren zu den Amazonen, deren Existenz Diana gerne bestätigen möchte.

Troja, Amazonen, die Ilias - könnte wirklich etwas dran sein? Sicher fast jeder kennt die sagenhaften Geschichten, hat mal eine Verfilmung gesehen oder ein Buch gelesen. Eine Fülle von Leben, aus denen sich viele Artikel, Romane, Filme, Stücke zaubern lassen. Es ersteht eine Vorstellung alter Welten, die nie langweilig gewesen zu sein scheinen. 

In ihrem Roman verknüpft die Autorin geschickt Vergangenheit und Gegenwart und nährt so die Idee eines gewissen Wahrheitsgehaltes der alten Sagen und Erzählungen. Beim Lesen bzw. Hören verbinden sich die Erinnerungen an die Geschichte mit den Erläuterungen der Autorin. Gefesselt verfolgt man Parallelen und Unterschiede, Auswirkungen des Lebens in alter und moderner Gesellschaft, deren Unterschiede manchmal nicht so groß sind. Einige Dinge ändern sich halt nie oder es gab sie schon länger als gedacht. Mit diesen Vergleichen im Kopf verfolgt man Dianas Weg durch Antike und Gegenwart, ein Weg, der etwas harmlos beginnt zum Schluss aber immer mehr wie ein Thriller wirkt.


Vergangenheit und Gegenwart sind bei diesem Hörbuch sehr gut verbunden und doch getrennt durch die angenehm betonten Lesungen von Tanja Fornaro und Suszanne von Borsody. Wenn man sich selbst auch eher als Anhänger ungekürzter Lesungen sieht, so wie geboten, bilden ca. 22 Stunden doch eine gewisse Herausforderung.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Die geheimen Schwestern von Anne Fortier
ISBN: 978-3-844-51653-1





Samstag, 14. Oktober 2017

Haute Couture

Eine alte Obdachlose stirbt. Die Baustelle, auf der sie gefunden wird, entpuppt sich als Grabstelle vieler Toter. Wie sich schnell herausstellt, handelt es sich um alte Skelette, vermutlich von Menschen, die vor über 200 Jahren dort hingerichtet wurden. Doch ein Skelett ist deutlich jünger und weist Anzeichen auf, dass die Person gewaltsam zu Tode gekommen ist. Captain Riedwaan Faizal beginnt mit den Ermittlungen. Er zieht seine Freundin, die Profilerin Dr. Clare Hart hinzu, die zunächst herausfinden soll, ob die sterblichen Überreste nach über zwanzig Jahren noch identifiziert werden können. Tatsächlich ergibt sich bald ein Hinweis, der berühmte Griff nach dem Strohhalm.

Es scheint ein Griff ins Wespennest zu sein, denn sowohl Faizals als auch Clares Leben wird bedroht. Ein ehemaliger Kleinkrimineller, der zwar so wirkt als sei er in bessere Kreise aufgestiegen, der aber seine Herkunft nicht verleugnen kann, spricht offene Drohungen aus. Das hält die beiden Ermittler natürlich nicht davon ab, weiter zu machen, eher im Gegenteil. Schon bald gibt es Proteste, weil die Baustelle stillgelegt wurde, und Riedwaan fängt an, nachzubohren, bei großen Bauobjekten ist schließlich viel Geld im Spiel, da liegt der Gedanke an Schmiergeldzahlungen meist nicht fern. Clares Nachforschungen führen zunächst in eine andere Richtung. Das grüne Kleid, von dem Reste an der Toten gefunden wurden, scheint ein Einzelstück gewesen zu sein.

Südafrika nach der Apartheid, werden die Spuren davon jemals verschwinden? Auch in diesem vierten Band um die Profilerin Dr. Clare Hart werden die Nachwirkungen dieser Zeit deutlich geschildert. An der Oberfläche scheint alles eitel Sonnenschein, doch die alten Strukturen bestehen großenteils weiter. Korruption herrscht und besonders durchlässig ist die Gesellschaft nicht. Die Volksgruppen leben eher nebeneinander als miteinander. Politiker, Reiche und andere mit Macht ausgestattete spielen ihre Spielchen um Geld und Macht. Wenn da zum Beispiel ein Obdachloser ins Räderwerk gerät, juckt das eigentlich niemanden. Wenn jemand Teile der Strukturen aufdeckt, ist er eben tot. Es herrscht schon eine große Kälte und die wenigen, die sich dem System entgegenstellen, bringen sich selbst und ihre Familien in Gefahr. 

In einen fesselnden Kriminalroman hat die Autorin ihre Beschreibung der Zustände verpackt. Man fragt sich, ob eine Hoffnung bestehen kann, dass jede weitere Generation den Weg zu einer einheitlichen Gesellschaft ebnen könnte, man befürchtet allerdings, dass die Hoffnung eher als vage anzusehen sein könnte.



4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Galgenberg von Margie Orford
ISBN: 978-3-7645-0465-6




Dienstag, 10. Oktober 2017

Untergang

Mit einer kleinen Flotte von Segelschiffen soll es nach Afrika gehen. Verschiedenste Menschen haben sich im Jahr 1816 auf den Weg gemacht. Sie wollen eine bessere Zukunft, Reichtum, Macht. Besonders Eilige landen auf der Medusa. Dort merken sie schnell, dass eine Schifffahrt nur für die schön ist, die nicht mit dem Zwischendeck vorlieb nehmen müssen. Zwar sind alle zuversichtlich, schnell gestört wird diese Zuversicht aber schon in dem Moment als ein Matrose wegen einer Nichtigkeit ausgepeitscht wird und an dieser Behandlung verstirbt. Abergläubisch wie viele der Seeleute sind, steht für sie fest: Das bringt Unglück.

Und nicht nur das bringt Unglück, auch die Anwesenheit von Frauen, ein unfähiger Kapitän, durchsetzungsschwache Offiziere. Die Fahrt der Medusa, die so ruhig begann, scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Die bereits erwähnte Auspeitschung, die ein erstes Todesopfer fordert, ist da nur ein Vorbote. Grausame Misshandlungen von scheinbar Schwächeren passen ins Bild. Und Fehlleistungen bei der Navigation führen dazu, dass die Medusa auf eine Sandbank gesetzt wird und folglich in Gefahr gerät, auseinander zu brechen und zu sinken. Die vorhandenen Rettungsboote bieten nicht für alle Platz und mit großer Kaltblütigkeit werden fast 150 Menschen auf einem Floß ausgesetzt und zurückgelassen.

Nach einer wahren Begebenheit entwickelt Franzobel seinen Roman, mit dem er dem Leser einen harten Brocken vorwirft. Schon auf dem Schiff üben einige Menschen Grausamkeiten an anderen aus, was nur mit Machtgetue zu erklären ist. Was sich einige den vermeintlich Untergebenen oder Schwächeren gegenüber herausnehmen, ist kaum zu ertragen. Wenn man allerdings meint, es könne keine Steigerungen dieser Misshandlungen geben, wird man eines besseren oder besser schlechteren belehrt. Kaum sind die Rettungsboote davon gefahren, kaum haben die Menschen auf dem Floß verstanden, dass sie schutzlos ausgeliefert sind, geht schnell alles verloren, was man vorher als Zivilisation bezeichnet hätte. Da muss man schon mit dem Ekel kämpfen, man fragt sich, ob man die Geschehnisse weiter ertragen will, ob man wissen will, wie schnell das menschliche im Menschen verloren geht. Schließlich kämpft man sich ein wenig durch den Roman, unschlüssig, ob man dieses Buch, dass doch so viel Nachdenken, Unglauben, Wiederwillen auslöst, nun gut finden muss, eben weil alles so plastisch beschrieben ist, oder ob man sich abwenden möchte und fliehen, weil man die Vorstellung von den Geschehnissen nicht erträgt.


Wahrlich kein schönes Buch, aber man muss auch nicht immer schöne Bücher lesen. Man kann sich auch mal den unschönen Dingen aussetzen und mit dem Wunsch schließen, man möge nie in eine solche Situation kommen und dürfe das Privileg genießen, seine Menschlichkeit zu behalten.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das Floß der Medusa von Franzobel
ISBN: 978-3-553-05843-9


Sonntag, 8. Oktober 2017

Ich bin Anders

Der RadioDJ Anders Droka moderiert die Nacht, er präsentiert seine Musik, die Musik seiner Zeit. Aber irgendwie ist die Zeit der Moderatoren vorbei. Alles kommt aus dem Computer, Playlists, Stimmen, Hot Rotation, BlaBla. Seine Produzentin Rosa muss ihm mitteilen, dass seine Sendung gestrichen wird. Er soll ins Morgenprogramm und er kann sich dazu noch nicht einmal so äußern, wie er am liebsten möchte. Denn er hat seiner Tochter Liz eine Praktikumsstelle beim Sender beschafft. Um herunterzukommen fährt Droka mit dem Motorrad durch die Nacht, eine Drogenfahrt bei der er einen Mord beobachtet, einen Mord, für den er selbst ein Motiv hätte.

Anders Droka beschließt, er muss selbst herausfinden, was in der Nacht geschah. Er will sein Leben retten, das seiner Tochter und Rosas schützen und außerdem will er seine Sendung wiederhaben. Nicht vorher zu ahnen ist, in welch eine Geschichte er da hineingeraten ist. Eine erste Spur führt den DJ zu einer begnadeten Musikerin, der er selbst zu wenig Beachtung geschenkt hat. Was hatte die junge Frau mit dem Mordopfer zu schaffen? So eine sympathische junge Frau kann schließlich nichts mit einem Mord zu tun haben, oder? 

Atemlos durch die Nacht fährt der Disc Jockey Anders Droka durch die Straßen Zürichs. In einer Zeit, in der die Medien von wenigen rechtsgerichteten Moguls aufgekauft und gleichgeschaltet werden, gibt es nur noch wenige Inseln der aufrechten neutralen Presse. Zu dieser hat sich auch Droka zugehörig gefühlt. Doch nun scheint auch noch die letzte Bastion zu fallen. Mit einigem Unbehagen liest man von diesen Entwicklungen. Mit immer größerem Unbehagen registriert man zunächst in kleinen Einzelheiten, welcher Art hier die Zusammenhänge sein könnten. Welches perfide Gehirn denkt sich nur solche Verbrechen aus? Wie groß muss die Gier sein? Mit welcher Rücksichtslosigkeit werden die behandelt, die eher zufällig hinter die Machenschaften kommen. Um ihrer System zu erhalten, schrecken die Täter vor nichts zurück. 


Geschickt steigert der Autor die Spannung, nach und nach führen die ausgelegten Fährten zur Beute, zur Lösung. Doch fröhlich davon schreitet man nach getaner Fährtensuche nicht, einige Aspekte der Geschehnisse haben einen starken Nachhall.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Helvetia 2.0 von Urs Augstburger
ISBN: 978-3-608-50344-9


Samstag, 7. Oktober 2017

Tender

Harry Hole ist inzwischen Dozent an der Polizeihochschule, mit Rakel ist er so glücklich wie ein Harry Hole nur sein kein. Sein Stiefsohn Oleg ist als Student an eben jener Polizeihochschule. Alles könnte schön sein, würde nicht ein Serienmörder beginnen, sein Unwesen zu treiben. Zwar ist Katrine Bratt eine gute Nachfolgerin für Harrys Position im aktiven Dienst, doch dieser perfide Täter, der seine weiblichen Opfer auf brutale und blutrünstige Weise umbringt, scheint ihre Kräfte zu überfordern. Polizeichef Bellman, der seine eigenen Ziele immer genau im Blick behält, überzeugt Harry mit seinem Wissen über Oleg, doch in die Ermittlungen einzusteigen.

Harry Hole ermittelt wieder. Bereits zum elften Mal macht er sich auf die Suche nach einem äußerst perfiden Killer. Das Umfeld ist schwierig, da Harry mit einem kleinen Team außerhalb der eigentlichen Ermittlungen weitere Nachforschungen anstellt. Er grübelt und kann doch, obwohl er lieber bei Rakel wäre, nicht von dem Fall lassen, der ihm ein ausgesprochen schlechtes Gefühl bereitet. Eine Erinnerung scheint geweckt, die jedoch nicht so richtig greifbar ist. 

Verabredungen per Tinder App, ein modernes Mittel des Datens. Ein schnelles Treffen, ein schnelles gegenseitiges Abschätzen, schneller Sex und wie einige Opfer feststellen müssen auch große Gefahr. Etwas fremd mutet diese Art des Kennenlernens an. Warum verabreden Menschen sich so? Wie schnell schließlich kann Vertrauen auf gleiche Absichten missbraucht werden. In diesem neuen Fall begegnet Harry einer fremden Welt und doch einem bekannten Muster. Ausgesprochen hinterlistig und planvoll geht der Mörder vor und hinterlässt seine Opfer in einem Zustand, der an die Nieren geht. Sogar beim Lesen schleichen sich Bilder in den Kopf, die man schnellstens wieder dort entfernen möchte. Ein solcher Täter muss einfach gefasst werden. Und so bringt man schon Verständnis dafür auf, dass Harry in die Ermittlungen einsteigt, obwohl man denkt, das kann ihm gar nicht gut tun. Die progressive Art seiner Nachforschungen begeistert zum einen, bringt allerdings auch Beteiligte in Gefahr, was man nicht immer gutheißen möchte. Man hofft, der Erfolg möge im Recht geben und überlegt doch, ob das so statthaft sein kann. Und gerade wenn man meint, alles löse sich in Wohlgefallen auf, spürt man den Eiseshauch einer weiteren Wahrheit, die es unter großer Gefahr zu entdecken gilt. Nur weniges bleibt ungeklärt oder unbeachtet und schließlich deutet sich an, dass Harry auch künftig die Arbeit nicht ausgehen wird.


Ein Psycho-Thriller, der einem einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagt, den man einmal begonnen nicht mehr aus der Hand legen kann.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Durst von Jo Nesbø
ISBN: 978-3-8437-1482-2