Samstag, 23. September 2017

Pfauenworte

Prinzessin Dylia aus Zamonien leidet an Schlaflosigkeit. Leiden will sie aber so wenig wie möglich, man leidet ja am ehesten dann, wenn man sich unterkriegen lässt. Dylia nennt sich der Einfachheit halber Prinzessin Insomnia und begibt sich in ihren Gedanken auf ungewohnte Pfade, auf denen sie die Schlaflosigkeit mit ihrer Phantasie ausfüllt und sich ablenkt. Doch eines Abends als sie mal wieder besonders schlaflos ist erscheint ihr der Nachtmahr Havarius Opal. Er verspricht ihr eine außergewöhnliche Reise in die Tiefen ihres Gehirn, die für sie allerdings im Wahnsinn enden wird. 

Dylias Forscherdrang ist groß, die Bedrohung, den Verstand zu verlieren, schreckt sie nicht genug, um auf das Abenteuer zu verzichten. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, denkt sie. Den Schlaf kann sie schließlich nicht mehr verlieren. Und so begibt sie sich mit dem Nachtmahr, der ihr bald nicht mehr so schrecklich vorkommt, auf den Weg. So wie ihre Regenbogenerfindungen, sind auch Teile ihres Gehirns. Schillernd und farbenfroh, doch auch mit Tücken und Fallstricken. Und dieser Nachtmahr scheint manchmal arg wenig im Köcher zu haben. Oder lügt er etwa? Und wann? Und wann spricht  er die Wahrheit? 

Eine beeindruckende Persönlichkeit ist Prinzessin Dylia auf jeden Fall. Gäbe es sie in der wirklichen Welt, würde man sie bewundern. Mit nur wenig erholsamen Schlaf auszukommen fällt sicher schwer. Nichts scheint zu helfen, keine Wanderungen durch das Schloss, keine Duftkerzen, keine Massagen, keine langweiliges Geschwätz. Doch Dylia hat in ihrer Gedankenwelt Phantasiegebäude errichtet, die sie begehen kann; Wörter erdacht, die sie erinnert; Regenbogenerfindungen getätigt, die ihr Freude bereiten. Sie gibt sich nicht der Krankheit hin. Sie lässt sich nicht beherrschen, nicht schrecken. Mutig versucht sie das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Diese Reise durch Dylias Gehirn nimmt einen gefangen. In immer neue Tiefen begleitet man Dylia und Opal. Mal stürzt man ins Nichts und hofft, doch wieder aufgefangen zu werden. Dichte leuchtende Gedanken wechseln sich mit undurchdringlicher Leere. Und doch ist die Kraft der Gedanken immer da, die Zuversicht eine Lösung zu finden. So eine starke Persönlichkeit wie Dylia wäre man selbst gerne. 


Ein Mut machendes Buch in bester Zamonien-Tradition, das herausragend und phantasievoll illustriert ist von Lydia Rode.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
ISBN: 978-3-8135-0785-0




Freitag, 22. September 2017

Worlds Apart

Der Lehrer Jason Dessen führt mit seiner Frau Daniela und seinem Sohn Charlie ein beschauliches Leben. Manchmal denkt er, was gewesen wäre, wenn damals alles ganz gekommen wäre. Vielleicht hätte er eine Stelle als Forscher angenommen. Und Daniela? Sie hat für ihre Familie ihre Karriere als Künstlerin aufgegeben. Doch was ist das schon gegen eine glückliche Familie. So denkt Jason als er unversehens nieder geschlagen wird und in einem seltsamen Labor erwacht. Dort scheinen ihn die Menschen erwartet zu haben. Völlig Fremde, die so tun als ob sie ihn kennen, als ob es normal wäre, dass er dort ist.

Nach und nach bekommt Jason eine Ahnung, was geschehen sein könnte. Möglicherweise ist er in einer Welt gelandet, in der sein Leben einen ganz anderen Weg genommen hat. Plötzlich ist er Wissenschaftler, reich und angesehen und allein. Hat er solch ein Leben insgeheim gewollt? Könnte er sich daran gewöhnen? Im Moment ist er eher ein Forschungsobjekt. Er war verschwunden, doch aus welcher Sicht verschwunden? Das gewohnte Dasein hat er schließlich erst vor kurzem verlassen. Jason unternimmt einiges, um zu entschlüsseln wie es zu diesem Ereignis kommen konnte.

Eine Gehirnbeschäftigungsidee könnte dieser Romanansatz bieten. Beim Lesen fängt man tatsächlich an, zu überlegen, ob man sich in dieses Konstrukt hineindenken kann. Gibt es eine Möglichkeit von Welt zu Welt zu reisen? Eine andere Welt, in der das eigene Leben einen anderen Verlauf genommen hat? Möchte man das? Kann man dort alles besser gemacht haben? Und wie ist es mit dem Zustand dazwischen? Der Zustand vor der Entscheidung, in dem beide Möglichkeiten im Raum stehen. Was passiert in der geschlossenen Kiste? Schöne Gedankenspiele, die wirklich fesseln. Allerdings schleicht sich mit der Zeit das Gefühl ein, dass sich der Autor etwas verzettelt hat. Wie ein Flussdelta verzweigt sich die Handlung und man fragt sich, in welche Richtung es sich wenden wird. Einiges kommt schließlich zur Ruhe und einiges bleibt offen. Nach einem packenden Beginn fühlt man sich etwas irritiert. Insgesamt jedoch wird das Gehirn wie zu Beginn gesagt, sehr gut beschäftigt und kann auch nach Beendigung der Lektüre noch eine Weile weitergrübeln über die Möglichkeiten, die solche Welten bieten mögen.

Hauptsächlich aus Jasons Sicht liest Florian Lukas mit angenehmer und fesselnder Betonung. Mit der Stimme von Karoline Schuch kommt auch Daniela zu Wort, von der man gerne mehr gehört hätte.


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Dark Matter Der Zeitenläufer von Blake Crouch
ISBN: 978-3-844--53499-4




Dienstag, 19. September 2017

Der Waechter

Die Anwältin Rose Benninghoff wird in ihrer Wohnung ermordet. Im Keller findet die Polizei den Jugendlichen Oliver Baptiste, der wegen seiner blutbeschmierten Hände in Verdacht gerät. Doch kann ein so junger Mensch schon zum Täter werden? Der Junge verfällt zunächst in einen fast katatonischen Zustand und seine Erinnerungen an die Tatnacht sind äußerst lückenhaft. Der Vater, der so schnell wie möglich herbeieilt, ist keine große Hilfe. Als „hohes Tier“ scheint er zu meinen, er habe ein Anrecht auf eine Sonderbehandlung für sich und seinen Sohn. Damit kommt er Kommissar Waechter aber gerade recht. Gemeinsam mit seinen Kollegen versucht dieser genauestens zu ermitteln, was Oliver in der fraglichen Zeit getan haben könnte.

Bei dieser offensichtlichen Lage konzentriert sich die Polizei natürlich auf den Verdächtigen Oliver und seinen Vater. Etliche Auskünfte steuert die beste Freundin und Nachbarin der Toten bei. Doch immer, wenn sich etwas zu verdichten scheint, treten neue Hinweise zutage, die vieles wieder in einem anderen Licht erscheinen lassen. Die Kommissare haben deshalb eine durchaus schwierige Aufgabe zu erfüllen. Kommissar Waechter versucht sich in die Tat und die möglichen Verdächtigen einzufühlen, stößt jedoch manchmal auch an seine Grenzen. Er und sein Kollege Brandl haben mitunter auch mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, was schon mal den klaren Blick auf den Fall etwas trüben kann.

Andere Beschreibungen zu Büchern der Autorin haben neugierig gemacht, deshalb wurde die Gelegenheit, sich mit ihrem Krimi-Debüt zu beschäftigen gerne wahrgenommen. Neugierig startet man die erste CD und beginnt langsam sich zu fragen, wo es mit diesem Fall hingehen soll. Vielleicht gingen die Erwartungen eher in Richtung eines leicht humorvollen Lokalkrimis und man hat sich somit selbst ein Bein gestellt. Denn dieser Roman ist schon ein beinharter Krimi, dessen geschickte Verschachtelung sich erst spät erschließt. Dennoch ist dieser Beginn einer Reihe interessant. Und die Leserin/Hörerin nimmt sich fest vor, künftig im Vorfeld genauer hinzuschauen. 


Obwohl das Hörbuch von Richard Barenberg sehr einnehmend vorgetragen wird, entfaltet sich beim Hören kein rechter Bezug zu Handlung und zu den Personen. Erst nach und nach gewinnt die Handlung an Profil, so dass man schließlich doch neugierig wird, alle Zusammenhänge zu erkunden.

3 Sterne (🐳🐳🐳)

Kellerkind von Nicole Neubauer
ISBN: 978-3-837-12874-1




Sonntag, 17. September 2017

Palmgren

Für kurze Zeit muss Lisbeth Salander ins Gefängnis. Da man befürchtet, sie könnte in Gefahr sein, bringt man sie im Sicherheitstrakt unter. Schnell durchschaut sie die Vorgänge dort und was sie sieht, gefällt ihr nicht. Eine junge Mitgefangene scheint unterdrückt und misshandelt zu werden. Eine andere dagegen scheint sogar die Wärter in der Hand zu haben. Da muss man doch etwas unternehmen können. Während ihrer Gefangenschaft bekommt Lisbeth auch Besuch von ihrem ehemaligen Vormund Holger Palmgren. Ihn hatte sie gebeten, noch einmal nachzuforschen, ob es in Lisbeths Vergangenheit nicht noch neue Informationen gibt, mit denen sie ihren damaligen Folterknechten auf die Spur kommen kann.

Aus dem Gefängnis heraus kann Lisbeth nicht alles selbst machen und so bittet sie ihren befreundeten Journalisten Mikael Blomkvist ihr bei der Suche nach weiteren Informationen behilflich zu sein. Sie hat nur ein ungutes Gefühl und dieses deutet darauf hin, dass der Hintergrund des reichen Geschäftsmannes Leo Mannheimer genauer untersucht werden sollte. Eine Maschinerie aus Ermittlungen und Nachforschungen beginnt zu laufen, durch die etwas zutage gefördert wird, aus dem für Mikael und seine Zeitschrift „Milleninum“ eine ganz heiße Story werden könnte. Anscheinend ist Lisbeth mit ihrem Schicksal nicht so alleine wie sie immer gedacht hat. 


Mal wieder eines der Bücher, bei denen man gebannt an den Seiten klebt und sich mehr als einmal fragt, wie so etwas zustande kommen kann. Forschung ist ja schön und gut, aber eine Forschung, die das Wohl vieler Beteiligter völlig außer acht lässt? Eine Forschung, bei der es mehr um Stromlinienförmigkeit geht als um eine gesunde Entwicklung? Nicht zum ersten Mal möchte man an gewissen Forschenden verzweifeln, die ihrem Namen überhaupt keine Ehre machen. Und wie so oft bleibt der Gedanke, ob nicht etwas dran sein könnte. Schließlich kennt man Geschichten von Experimenten, die man aus der Nachschau betrachtet, besser nicht erst gestartet hätte. Wo bleiben manchmal Moral und Ethik, wenn es um vermeintlichen Fortschritt geht? David Lagercrantz hat mit seinem zweiten Buch um Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist einen packenden Thriller geschaffen, der unterschiedlichste Personen und ihre Themen zusammenführt. Ein Buch, das Denkanstöße geben kann und möglicherweise den Wunsch weckt, wenigstens zu versuchen, es besser zu machen. 

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Verfolgung von David Lagercrantz
ISBN: 978-3-453-27099-2




Samstag, 16. September 2017

Geburtstag

Zum Jahrestag der Gründung der EU-Kommission soll Fenia Xenopoulou einen Festakt organisieren, mit dem sowohl eine Feier begangen werden soll als auch das Image der Kommission aufgebessert werden soll. Fenia, die im Grunde schnellstmöglich wieder von der Kultur weg will, beauftragt Martin Susman mit der Erstellung eines Konzepts. Zur gleichen Zeit zieht einer der letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz, David de Vriend, in ein Seniorenheim; Kommissar Brunfaut versucht einen Mord aufzuklären, der verschwunden ist; Professor Erhart bereitet sich auf eine Rede vor und ein unbekanntes Hausschwein geistert durch Brüssel.

Etliche Geschichten verschiedener Personen, die als Ganzes doch einen Zusammenhang haben. Die Läufe der Brüsseler Bürokratie, die in dem Willen, die Eigenheiten jedes Mitgliedstaates zu berücksichtigen, kaum eine andere Chance hat als sich zu verzetteln. Einer der scheidenden Engländer bringt es auf den Punkt, was die Eliten im britischen Parlament ohne auf das Wohl des Volkes zu achten innerhalb von zwanzig Minuten entscheiden, dauert in der EU Wochen und Monate. Mit Anfragen, Communiqués, Sitzungen endet es in Kompromissen, die die Gepflogenheiten aller EU-Länder berücksichtigen (sollen), in denen sich der Einzelne aber nicht mehr wiederfindet. Was kann die eigentlich hervorragende Europäische Idee des „Nie wieder Auschwitz, nie wieder Rassismus!“ noch retten?

Tja, die normale Öffentlichkeit verlustiert sich mit der Namensgebung eines Schweins, das im Verlauf der Zeit immer mehr zum Phantom wird. Inzwischen werden Morde ignoriert, ein Festakt in der Bürokratie zermalmt, eigentlich bahnbrechende Ideen im Keim erstickt, gehen Erinnerungen mit den letzten Überlebenden verloren und nichts scheint wichtiger als der Absatz von Schweineschlachtabfällen in China. 


Mit seiner beinahe allumfassenden Geschichte über die europäische Bürokratie und ihre Auswüchse fordert Robert Menasse zum aufmerksamen Lesen. Teils kennt man die Strukturen, teils ist man überrascht und manchmal auch erschrocken, hin und wieder belustigt. Doch immer wirkt die Darstellung so, als ob es tatsächlich so sein könnte. Der Alltag in den EU-Behörden könnte so stattfinden. Da kann schon mal ein Pass gewechselt werden wegen der Karrierechancen. Da könnte man nachdenken, welche Bedeutung die eigene Herkunft noch haben könnte. Weiterentwicklung oder Stillstand. Hat die EU noch eine Vision? Eine Frage, die der Autor nicht beantwortet. Je nach Einstellung des Lesers könnte der Roman ein Abgesang sein, durch den die Unmöglichkeit des „Unter einen Hut bringens aller Beteiligten“ nur noch deutlicher wird, oder eine vage Hoffnung auf einen echten Fortschritt in Richtung eines wirklichen Staates EU, in dem die Herkunft nur noch der Name eines Ortes, einer Stadt ist, mit dem aber keine Eigeninteressen einzelner Staaten mehr verbunden sind. Interpretationen der Absicht des Autors bleiben natürlich den Lesern überlassen, doch dass dieses Buch den Anlass gibt solche Interpretationen anzustellen oder gar eine eigene Meinung zu finden, ist geradezu großartig. Vielleicht sollte tatsächlich der Schritt zu einer wahren Union gewagt werden.

5 Sterne (🐳🐳🐳🐳🐳)

Die Hauptstadt von Robert Menasse
ISBN: 978-3-518-79945-1


Donnerstag, 14. September 2017

Der Informant

Kommissar Reuter von der Düsseldorfer Mordkommission bekommt es mit einem schwierigen Fall zu tun. Ein Informant wird brutal ermordet und eine Zeugin verschwindet. So schnell lässt sich kein Motiv für die Tat finden. Nach einer Weile gerät auch der Bruder des Kommissars in Bedrängnis. Er hat wohl den Rückkauf eines gestohlenen Gemäldes vermittelt und wird nun selbst bedroht. Die Tagespresse kümmert sich allerdings weniger um die Fälle der Polizei, sondern mehr um ein Investitionsprojekt, das eigentlich das Image der Stadt verbessern soll, nun aber zu platzen droht.

Viele Spuren führen zum Ziel und vieles ist verbunden, was zunächst keine Verbindung zu haben scheint, ergibt schließlich doch einen Zusammenhang. In der Festung laufen die Fäden zusammen, die aber sorgfältig sortiert werden müssen. Doch nicht jeder scheint ein Interesse daran zu haben, die Fälle aufzuklären. Wer hat da etwas zu verbergen? Gibt es Beziehungen zwischen Verbrechen und staatlichen Stellen? Das kann doch nicht sein, oder? Sind auch einige Kollegen involviert? Jan Reuter gräbt immer tiefer und nicht jede Entdeckung erfreut ihn. 

Auch dieser etwas ältere Roman aus dem Jahr 2007 ist im Bereich der Düsseldorfer Kriminalpolizei angesiedelt. Einige Personen, die man aus späteren Werken bereits kennt, tauchen in einzelnen Szenen auf. Doch wie bei jedem Dezernat wechselt hin und wieder das Personal und so fällt hier die Hauptrolle dem Kommissar Jan Reuter zu. Akribisch ermittelt dieser die Hintergründe zu diesem Fall und fördert immer brisantere Details zutage. Mit Spannung verfolgt man den Gang der Ermittlungen und muss manchmal doch innehalten ob der schier unglaublichen Vorgänge.


Mit angenehmer und den jeweiligen Situationen im Buch angepasster Betonung liest der Autor selbst und erzeugt sowohl Momente der Anspannung als auch solche ruhigerer Gangart. Er ist immer nah bei seinem Werk und schafft es auch die Zuhörer für dieses Buch einzunehmen. Man mag vielleicht für die späteren Kriminalromane mehr Begeisterung aufbringen, doch auch in diesem etwas älteren Roman blitzt schon einiges von dem auf, was später zur Perfektion gebracht wird.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Königsallee von Horst Eckert
ISBN: 978-3-8386-0168-3


Sonntag, 10. September 2017

Nachbarschaftsgeplauder

Weiter geht es mit den Erlebnissen in dem Züricher Mietshaus. Wir schreiben den Sommer 2001. Ein neuer Hausmeister zieht in die Gästewohnung ein. Er will anstehende Reparaturen ausführen und sich gut in die Nachbarschaft einfügen. Dieses stellt sich jedoch als etwas schwierig heraus, denn er bekommt einen geheimen Auftrag von der Genossenschaft. Erich Whyss und seine Frau Gerda erleben einen besonders schönen Abend. Moritz dagegen verbringt den Sommer im Geschäft seiner Eltern. Julia, die dabei ist, sich selbstständig zu machen, muss einige Enttäuschungen einstecken. Und die Schauspielerin Selina steht einem Projekt sehr skeptisch gegenüber, dass man später durchaus als Erfolg bezeichnen kann. Und über allem droht der herannahende September.

Zwar mit Aufs und Abs, aber doch relativ unbeschwert verbringen die Bewohner des Mietshauses den Sommer 2001. Sie haben schwere Stunden zu überstehen, machen Fehler, sie feiern, sie urlauben und arbeiten. Alles ganz normal, bis zu jenem Tag, der wohl für jeden, der ihn bewusst erlebt hat, eine Zäsur darstellte. Ein Tag, von dem man weiß, in welcher Situation einen die Nachricht ereilte, das ungläubige Entsetzen, das langsame Begreifen, dass es eigentlich noch viel schlimmer ist, denn die Welt fühlt sich seitdem anders an. Auch die Bewohner des Mietshauses empfinden nicht anders. Wie sollen sie mit dem Ereignis umgehen, wie soll das Leben weitergehen? Soll ein Zeichen gesetzt werden oder fährt man besser, wenn man gleich zum Alltag übergeht? Schließlich ist die Schweiz doch ziemlich weit weg. 


Das Leben geht tatsächlich weiter, die Zeit verrinnt, die Erde dreht sich unbeeindruckt und andere Nachrichten leider meist weniger guten Inhalts bestimmen die Meldungen. Und so erleben auch die Menschen in ihrem Züricher Mietshaus ihren Alltag mit seinen weniger schönen Momenten und Gefühlen und natürlich auch mit den schönen. Es gibt Trauer, Wut, Enttäuschung, aber auch Musik, Gesang, Freude und Feiern. Wie im echten Leben geht es zu in diesem Mietshaus, dessen Bewohnern keine menschliche Regung fremd ist. Auch in dem zweiten Band der Reihe bringt einem Tim Krohn eine Welt nahe, in dem jedes Gefühl seinen Platz hat. Im Guten wie im weniger Guten dürfen wir Teil einer Gemeinschaft sein, was über die eigenen Empfindungen nachsinnen lässt, manchmal ernst, manchmal schmunzelnd und häufig zustimmend, ob der treffenden Beschreibungen.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Erich Wyss übt den freien Fall von Tim Krohn
ISBN: 978-3-86971-151-5


Freitag, 8. September 2017

Innsbruck - Moskau

Innsbruck, Moskau, Madrid und Berlin - das sind die Stationen, an denen sich der Schriftsteller Kurt Prinzhorn im Verlauf der Handlung aufhält. Während eines Autorentreffens in Innsbruck wird in seinem Hotelzimmer eingebrochen. Prinzhorn zeigt die Sache an, doch so recht glaubt man ihm nicht. Wer sollte bei einem Einbruch nichts von Wert stehlen, dafür aber lange schwarze Haare in der Badewanne zurücklassen. Erst später stellt sich heraus, dass doch einige Dinge abhanden gekommen sind. Dennoch ergibt das Ganze keinen Sinn und Prinzhorn konzentriert sich auf das Beisammensein mit den anderen Autoren. Doch immer wieder fühlt er sich beobachtet.

Ein urig-unheimliche Geschichte entspinnt sich zwischen Kurt Prinzhorn und dem unbekannten Täter oder der Täterin. Wie ein dunkler Schatten umweht die vermeintliche Bedrohung das reale Leben des Autors. So ganz geht es ihm nie aus den Gedanken, auch wenn er mit völlig anderen Lebenswirklichkeiten beschäftigt ist. Es nagt an ihm, wer kann etwas gegen ihn haben? Es muss jemand sein, der vieles über ihn weiß, der seine Wege ebenso kennt wie seine Pläne. Wird das Gefühl des Beobachtetwerdens etwa zur Obsession? Spielt es sich in seinen Gedanken ab oder ist es wahr? Heischt er nach Aufmerksamkeit oder bedarf er tatsächlich des Schutzes von Freunden? Kann er sich noch alleine auf die Straße wagen? Vielleicht sollte er es einfach auf eine Konfrontation ankommen lassen.

So recht wird nicht unbedingt klar, was Gerhard Falkner mit seinem Kabinettstückchen bezweckt. Aber die Phantasie des Lesers wird auf jeden Fall angeregt. Wie würde man sich selbst fühlen, wenn man sein Hotelzimmer betritt, es verändert vorfindet und alle bestreiten trotz offensichtlicher Anzeichen, dass ein Fremder das Zimmer betreten haben kann. Wie wäre es, wenn man anfängt, sich bei jedem zweiten Schritt umzudrehen, weil man befürchtet verfolgt oder beobachtet zu werden, wenn man immer mehr nach hinten lauscht? Kann man dann noch im wirklichen Leben sein, kann man das Unheimliche für eine Weile vergessen? Oder geht es nicht darum, geht es mehr um das Leben im hier und jetzt? Muss man sich durch etwas stören lassen, das eigentlich eher eine Kleinigkeit zu sein scheint? Sicher werden Handlung und Erzählweise auf jeden Leser anders wirken und unterschiedliche Gedanken auslösen, doch unbeeindruckt wird vermutlich keiner bleiben.



4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Romeo oder Julia von Gerhard Falkner
ISBN: 978-3-8270-7943-5

hier geht es zum Verlag:



Donnerstag, 7. September 2017

Weg in die Freiheit

Schon ihre Mutter Mabel hat die Flucht ergriffen als Cora noch ein Kind war. Sie hat Cora einfach zurückgelassen. Doch Cora hat sich einen Platz unter den anderen Sklaven erkämpft. Und als Ceasar sie zum ersten Mal fragt, ob sie sich mit ihm auf den Weg in die Freiheit machen will, sagt sie: Nein!. Schließlich ist er neu auf der Plantage und was kann er ihr schon versprechen. Doch nur kurze Zeit später kommt es zu einem Zwischenfall, der für Cora in einer üblen und ungerechtfertigten Bestrafung endet. Ceasars zweiter Anlauf wird daher positiv beschieden und eines Abends verlassen die beiden Sklaven die Plantage.

Amerika in den Jahren vor dem Bürgerkrieg, die Südstaaten mit ihren großen Baumwollplantagen halten an der Sklaverei fest, während die mehr industrialisierten Nordstaaten bereits zu dem Ergebnis gekommen sind, dass die Beschäftigung von schlecht bezahlten aber freien Arbeitern wirtschaftlicher ist. Das Wohl der Menschen hat vermutlich keiner im Sinn, dennoch zieht es Sklaven in die Freiheit und nach Norden. Auf ihrem beschwerlichen Weg, der keinesfalls immer mit einer glücklichen Ankunft im gelobten Land endet, benutzen sie die sogenannte „Underground Railroad“ - ein System von Helfern und Treffpunkten, deren Begrifflichkeiten an die der aufkommenden Eisenbahn angelehnt sind. Wenn man sich die Berichte im Internet betrachtet gab es tatsächliche Bahnlinien wohl nicht, aber die Fluchtrouten und deren Organisation kann durchaus Ähnlichkeiten mit dem System der Eisenbahn aufgewiesen haben. 

Vor diesem Hintergrund entspinnt sich Coras spannende und schreckliche Geschichte. Misshandelt und verletzt, aber ungebrochen, will Cora mehr. Die Farm ist nicht ihr Platz, sie will frei sein, sie will eine Familie, sie will lesen und schreiben können, für ihr Ziel will sie hart arbeiten. Auf der Farm erlebt sie Unbeschreibliches. Doch auch während ihrer Flucht gerät sie in Situationen, in denen sie verächtlich behandelt wird. Immer wieder gibt es Rückschläge und Schicksalsschläge. Kaum ein Fünkchen Hoffnung verbleibt. Jedoch, Cora gibt nicht auf.


Was kann ein Mensch an Verlusten, Misshandlungen, Gewalt und Verachtung ertragen? Was riskieren Menschen um Flüchtlingen wie Cora zu helfen? Wie konnten Menschen dazu kommen andere Menschen als Sache anzusehen? Aufs Eindringlichste schildert Colson Whitehead die zwar fiktiven, aber doch auf viel Wahrheit beruhenden Ereignisse um Coras Flucht. Manchmal scheint es fast unglaublich wie hier Menschen mit Menschen umgehen. Doch leider gibt es auch in jüngerer Vergangenheit Beispiele ähnlich menschenverachteten Verhaltens, so dass man zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen muss, dass nichts in diesem Roman allzu weit hergeholt ist. Ein wenig Hoffnung gibt die Underground Railroad, auf deren Linien wenigstens ein kleiner Silberstreif am Horizont aufglimmt. Dennoch wirkt dieser Roman wie eine Tour de Force, von der man allerdings keine Sekunde, kein Wort und keinen Satz missen möchte.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

The Underground Railroad von Colson Whitehead
ISBN: 978-0-7088-9840-6




und auf Deutsch:




Mittwoch, 6. September 2017

Die Longlist 2017

Bereits im letzten Jahr habe ich mir ein paar Gedanken zur damaligen Longlist des deutschen Buchpreises gemacht. 

Mein Ergebnis vom letzten Jahr bleibt auch in diesem Jahr bestehen. Die vorgeschlagenen Bücher sind so individuell unterschiedlich, dass es keinen Favoriten geben kann. Eine Leseprobe kann nur einen ersten Eindruck vermitteln, ebenso wie der Name eines Autors vielleicht eine Tendenz. 

So habe ich zum Beispiel von Sven Regener fast alle Bücher gelesen und natürlich würde ich ihm wünschen, dass sein Werk mit einem Preis gekrönt wird. Andererseits gibt es Autoren, mit deren Büchern ich mich ebenfalls beschäftigt habe und deren Art zu schreiben mir nicht so besonders liegt, soll ich denen nun wünschen, ihr Werk möge nicht beachtet werden? Nein, vielleicht liegen mir bestimmte Bücher einfach nicht, weil ich doch am liebsten Krimis lese, Krimis mit der Tat, der Aufklärungsarbeit, der Lösung, Bücher also, die meist sehr strukturiert sind. Bücher, deren Inhalt wie ein Wasserfall hinabstürzt, ohne Punkt oder Komma, ohne Absatz, mit einer Handlung, die nicht greifbar ist, bieten mir einfach keinen Angelpunkt, an dem sich meine Gedanken festhaken können. Mit Sicherheit gibt es viele Leser, denen gerade das gefällt, die sich mit großem Vergnügen in ein solches Leseabenteuer hineinstürzen. 

Gelungen ist in meinen Augen die Mischung bekannter und weniger bekannter Autoren, so haben bereits arrivierte Autoren die Chance einen noch höheren Bekanntheitsgrad zu erreichen und neuere Autoren können sich einem breiten Publikum vorstellen.

Doch auch für mich bietet die Longlist 2017 einige Bücher, die es auf meine Wunschliste schaffen. Natürlich der schon erwähnte Sven Regener, dessen Herr Lehmann mich schon seit seinen Anfängen begleitet. Und noch ein paar andere Schriftsteller haben bereits mit den Leseproben so überzeugt, dass ich auch den weiteren Verlauf der Geschichten kennenlernen möchte.

Mit Spannung dürfen Shortlist und künftiger Preisträger erwartet werden, bestimmt wird ein verdienter Autor gewinnen. Ich kann zwar nicht versprechen, dass ich jedem die Daumen drücke, doch wünsche ich allen gelisteten Schriftstellern alles Gute.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)




Die Leseproben zur Longlist des deutschen Buchpreises 2017

Dienstag, 5. September 2017

Mutter macht alt

Cosma Pongs, freischaffende Kriminalschriftstellerin, hat es nicht leicht. Ihre Tochter Paula, Kriminalkommissarin, will einfach nicht mit ihr zusammenarbeiten. Dabei kann es doch keine authentischere Recherche geben als in echten Fällen zu ermitteln. Cosma hat es im Gespür, es wird einen Mord geben. Etwas erschrocken ist sie dennoch als sie und die Mitbewohner in ihrer ü60 Wohngemeinschaft in einem Schrebergarten tatsächlich auf einen Menschenauflauf stoßen, in dem darüber diskutiert wird, die der vor ihnen liegende Besitzer eines der Gärten wohl zu Tode gekommen sein mag. Cosma ist wie elektrisiert - eine echte Leiche, es muss einfach Mord sein.

Cosma und Paula Pongs sind ein Team, das aus Wiederständen zusammengeschweißt ist. Paula erteilt regelmäßig Platzverweise, die Cosma regelmäßig ignoriert. Neugierig sind sie beide, wodurch sich ihre Ermittlungen, bei denen sie sich gerne behindern, hin und wieder auch ergänzen. Ist im Verein der Gartenfreunde also tatsächlich ein Mord geschehen? Zunächst einmal wird schnell klar, dass der Tote nicht besonders beliebt war, ein Paragraphenreiter, der auf die Einhaltung sämtlicher Regeln und Gesetze pochte, wo man es doch eigentlich nicht ganz so genau nehmen muss, solange sich alle einig sind. Doch so ergeben sich etliche Motive, angefangen von dem Nachbarn mit der zu hohen Hecke bis zur Ehefrau, die nicht sehr zu trauern scheint.

Obwohl der Roman in Düsseldorf spielt kommt einem beim Lesen der Beschreibung Cosma Pongs irgendwie der Gedanke an Katharina Thalbach, die in der Soko Köln in einigen Folgen eine schrullige Kriminalschriftstellerin/Privatdetektivin verkörperte. Und so erhält Cosma schneller eine Stimme und ein Gesicht als geahnt. Für die Lektüre ist das keinesfalls schlecht, es trägt eher weiter zur Erheiterung des Lesers bei, der den eh schon mit Witz und Humor gespickten Roman noch besser genießen kann. Wenn in den Nachrichten über viele bedrohliche oder unheimliche Geschehnisse berichtet wird, bietet so ein Cosy-Krimi gerade die richtige Portion Ablenkung und Abwechslung vom trüben Alltag. 


Mag man dieses Genre des humorigen Kriminalromans, wird man von diesem Debüt sehr angetan sein.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Tot überm Zaun von Ella Dälken
ISBN: 978-3-453-42164-6




Montag, 4. September 2017

Überflutung

Schon seit über 200 Jahren wohnt Mimis Familie in Miller’s Valley. Und schon seit Jahren reisen Regierungsbeamte durch das Tal, um die Bewohner zu überzeugen, ihre Häuser aufzugeben, damit das Tal für einen Staudamm geflutet werden kann. Den alteingesessenen Bewohnen fällt es schwer ihre Heimat zu verlassen. Reich sind die Menschen in Miller’s Valley nicht. Schon mit elf Jahren muss sich Mimi daran gewöhnen, dass es ihre Heimat nicht mehr ewig geben wird. Ihr ältester Bruder Ed ist bereits aus dem Haus und der mittlere der drei Kinder Tom meldet sich freiwillig zur Armee. In den 1960er denkt Mimi nicht so sehr daran wie es einmal sein wird, zunächst einmal will sie einen guten Schulabschluss machen und vielleicht sogar studieren.

Die Millers sind eine Familie aus einfachen Verhältnissen. Die kleine Farm wirft eigentlich nicht genug ab zum Leben. Die Rechnungen werden eher vom Gehalt der Mutter bezahlt, die als Krankenschwester arbeitet, und von dem Geld, welches der Vater mit kleinen Reparaturarbeiten verdient. Für ein kleines Taschengeld sorgt Mimi selbst, in dem sie Mais verkauft. Dieses allerdings wird ihr oft von ihrem Bruder Tom abgenommen. Im Gegensatz zu Ed und Mimi, die gerne lernen, ist er ein charismatischer Hans Dampf, der mit Schule und Ausbildung nicht viel am Hut hat. Obwohl ihr Leben aus einiger Mühsal besteht, versuchen die Eltern, ihren Kindern eine gute Ausbildung zu geben, einen guten Start ins Leben.

Beim Lesen dieses ruhigen aber eindringlichen Romans fallen einem auch hier einige Talsperren ein, aus denen bei Niedrigwasser schon mal eine Kirchturmspitze herausragt. Ein Anblick, der zum Nachdenken darüber anregt, was wohl für ein Ort zu der Kirche gehört hat und wie es die Bewohner empfunden haben, ihre Heimat verlassen zu müssen. Ähnlich wird es mit dem Tagebau sein, der mitunter Umsiedlungen nötig macht. Wer will schon gerne sein Heim verlassen, seine Scholle, das Haus, das er vielleicht mit eigenen Händen erbaut hat oder das sich schon seit Generationen im Familienbesitz befindet. Familie Miller aus Miller’s Valley erlebt dieses Schicksal, doch ihr Leben wird nicht nur von der drohenden Umsiedlung bestimmt. Sie leben und erleben eine Zeit des Kampfes gegen die Überflutung ihres Tales, eine Zeit des Aufbruchs der Kinder in ihre jeweilige Zukunft, eine Zeit des Alterns von Vater und Mutter, eine Zeit der langsamen Akzeptanz, der Loslösung. Ein schöner Familienroman über das Erwachsenwerden einer Tochter, die ihren Weg macht.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Unsere Jahre in Miller's Valley von Anna Quindlan
ISBN: 978-3-421-04758-8




Sonntag, 3. September 2017

Fadenkreuz

Die bekannte Düsseldorfer Wirtin Melli Franck wird in ihrem Lokal tot aufgefunden. Der Leiter der Mordkommission Vincent Che Veih übernimmt die Ermittlungen. Völlig unklar ist zunächst ein Mordmotiv. Melli Franck war ein eher unbeschriebenes Blatt und so liegt zunächst die Vermutung nahe, es könnte es um eine Zufallstat gehandelt haben. Schnell jedoch ergeben sich Hinweise, die doch eher auf einen geplanten Mord hindeuten. Spuren führen sowohl ins Drogenmilieu als auch in die rechte Szene. Und so gewinnt der Fall eine ungeahnte Brisanz. Gegen Vincent, der im Rahmen einer Demo gegen Rechts, an der er als Privatmensch teilgenommen hatte, in eine Rangelei geraten war, wird ebenfalls ermittelt. 

Was mit einem relativ harmlos anmutenden Mord beginnt, wächst sich in Vincent Che Veihs drittem Fall zu einer komplizierten und vielschichtigen Ermittlung aus. Drogen, Politik, die Diskussion, wie sich Beamte in der Öffentlichkeit zu verhalten haben vor dem Hintergrund einer Mordserie, die bereits aufgeklärt schien. Für die Ermittler geht es hart zur Sache und für Vincent wird klar, welche seiner Kollegen wirklich hinter ihm stehen und welche eigene Ziele verfolgen. Die Situation ist vertrackt. Doch der Kommissar lässt sich nicht beirren und fährt mit seinen Nachforschungen zur Aufklärung des Mordes und der weiteren Umstände fort. Je tiefer er dabei vordringt, desto unglaublicher und gerade deswegen glaubhafter wird das, was er herausfindet.


Puh, man zweifelt ja schon so manches Mal an den Vorgängen in diesem Staat. Hin und wieder kommt sogar der Gedanke, mit den Machenschaften des Staates ist es ähnlich wie mit den Packungsbeilagen der Medikamente. Je weniger man liest, desto besser, schließlich soll es ja helfen. Und so ist man hin und her gerissen zwischen dem Bedürfnis zu wissen und dem Wunsch, den Kopf in den Sand zu stecken. Schließlich enden viele Dinge, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden, mit strengeren Gesetzen und mehr Einfluss für den Staat. Da sollte es aber irgendwann eine Grenze geben. Gerade gegen den Rechtsextremismus müsste viel stärker vorgegangen werden. Natürlich sind auch andere Krawalle zu verfolgen, doch wirken diese im Vergleich harmloser. Beinahe könnte man befürchten, wir seien sie nie richtig losgeworden. Und so kann es nur eine Aufgabe sein, immer wieder zu mahnen, zu verfolgen und gewissen Entwicklungen möglichst früh entgegen zu treten. Gerade in der heutigen Zeit, in der Wahlen oder Abstimmungen mitunter sehr eigenartig ausgehen, wollen wir unsere Freiheit und Demokratie behalten, vielleicht sogar den Glauben an den Staat. Wenn dann im Rahmen einer einfachen Mordermittlung ordentlich aufgerüttelt wird und etliche Fragezeichen im Denkapparat erzeugt wurden, kann das Fazit nur lauten: äußerst lesenswert.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Wolfsspinne von Horst Eckert
ISBN: 978-3-499-27185-4

... und hier geht es zur Verlags-Info:


Mittwoch, 30. August 2017

Aus dem Leben gefallen

Jakob Franck, pensionierter Kommissar, muss die Nachricht überbringen. Der elfjährige Sohn von Tanja und Stephan Grabbe wurde tot aufgefunden. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist er einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Beinahe sieben Wochen war der Junge spurlos verschwunden. Solange jemand verschwunden ist, gibt es noch einen Funken Hoffnung, nun aber ist alles vorbei. Das Leben wie es war gibt es nicht mehr. Es lässt Jakob Franck nicht los, eine zerbrochene Familie, ein auf ewig verlorenes Kind. Auf eine Art ermittelt er gemeinsam mit seinen ehemaligen Kollegen, andererseits ist er freier, da er keine offiziellen Vernehmungen mehr vornimmt, darf er das erfragen, was unter anderen Umständen nicht ins Protokoll gehören würde.

Hilft es bei den Ermittlungen? Der Junge wurde so spät gefunden, dass es kaum noch Spuren gibt. Die Familie kann nichts beitragen, sie ist in Trauer erstarrt. Es scheint kein Weitermachen zu geben, nur noch Stillstand, Agonie, unendliche Trauer und Erstarrung. Viele, viele Zeugen und keine Spur, keine heiße, keine lauwarme, keine kalte. Und doch ist es Jakob Francks Anliegen die Hinterbliebenen zweimal zu besuchen, einmal um die Nachricht über den Tod zu bringen und einmal um mitzuteilen, wer der Täter ist. Wird Ex-Kommissar Franck auch der Familie Grabbe seinen zweiten Besuch abstatten können?

Mit bekannter Schwermut lässt Friedrich Ani seine Personen agieren, er lässt einen versinken in der Trauer von Tanja und Stephan Grabbe. Man fragt sich, warum ausgerechnet in der Tatnacht niemand etwas beobachtet hat. Man spürt die Schwere der Welt, die auf den Überlebenden dieser sehr privaten Katastrophe lastet. Das Schwerste ist es wohl, wenn die Jungen vor den Alten gehen müssen. Das Allerschwerste, wenn sie mit einem Gewaltverbrechen konfrontiert werden, mit einem sinnlosen Tod, mit der Auslöschung eines vielversprechenden jungen Lebens, eines Lebens, das nicht mehr gelebt werden darf. Tief atmet man und fragt sich, ob es zu ertragen ist. Tief atmet man, und denkt, es muss doch weitergehen, es muss doch eine Lösung geben. Eine Lösung gibt es, aber kein Aufatmen, denn ein Junge von elf Jahren bleibt für immer tot. 



4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Ermordung des Glücks von Friedrich Ani
ISBN: 978-3-518-42755-2


Montag, 28. August 2017

Wortmalereien

Ein Mehrfamilienhaus in der Schweiz - elf unterschiedlichste Menschen leben hier. Vom Rentnerehepaar bis zur fünfjährigen Tochter einer alleinerziehenden Mutter. Und natürlich Herr Brechbühl, der eine Katze sucht, um der kleinen Mona eine Freude machen zu können. Die nachbarschaftlichen Kontakte sind nicht immer sehr eng, manchmal sind sie auch problembehaftet, wenn es zum Beispiel um die Waschzeiten geht, an die sich nicht immer jeder genau hält. Und doch wird manchmal auch gefeiert und geliebt. Bei Letzterem tut sich ein junges Paar besonders hervor, das gerade seine erste Wohnung bezogen hat. Nicht zu vergessen ist auch die Schauspielerin Selina, die, obwohl sie manchmal auf ein Engagement warten muss, auch nicht alles annehmen will.

Ein Buch aus Wortwünschen, eine coole und ungewöhnliche Idee, die neugierig macht. Eigentlich aus einer Crowdfunding-Idee entstanden, haben sich die kleinen Wortgeschichten über menschliche Regungen zu diesem ersten Roman einer Reihe entwickelt. Über https://www.menschliche-regungen.ch/ kann man einiges über das Projekt nachlesen. Aus einer Liste von Bezeichnungen für Gefühle, Stimmungen, Charaktereigenschaften kann sich ein Unterstützer ein Wort auswählen, um das der Autor für seine Romanfiguren ein Kapitel aus deren Leben kreiert. Und so entwickelt sich die Suche nach der Katze über etliche Umwege zu einer stimmigen Beschreibung einer Schweizer Wohnwelt. Ein buntes Gemisch aus unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen, die trotz kleiner Streitereien zu einem Miteinander finden.

Menschliche Regungen sind nicht immer positiv und beim Lesen denkt man hin und wieder, wie sind die denn drauf. Erinnert man sich dann wieder an das Zustandekommen des Buches, schmunzelt man, denn wie es ist mit dem Leben und auch mit den Menschen - nicht immer ist alles eitel Sonnenschein. Doch häufig sind die kleinen Geschichten humorvoll und lebensnah. Teilweise fühlt man sich eingehüllt in eine gewisse Gemütlichkeit und Fröhlichkeit, die einem die Personen wahrhaft nahebringt. 


Ein warmer Roman über die Regungen im Zwischenmenschlichen, sehr menschlich und lesenswert. Mit Freude hat man diese Hausgemeinschaft kennengelernt und mit Freude sieht man der Lektüre des zweiten Bandes entgegen.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Herr Brechbühl sucht eine Katze von Tim Krohn
ISBN: 978-3-86971-147-8


Donnerstag, 24. August 2017

Madeleine

Madeleine Jablin soll ein ehrenvolles Begräbnis erhalten. Bereits zu Lebzeiten hatte sie Kontakt mit dem Bestattungsinstitut von Hannes van Deest aufgenommen, um das Nötige zu regeln. Ihr Bruder Maurice war immer von seiner Schwester abhängig und nicht in der Lage, das selbst zu übernehmen. Als die alte Dame dann verstirbt schnappt der Bestatter Christian Schellhorn Hannes den Auftrag weg. Friedhofsgärtnerin und ehemalige Polizistin Gesine Cordes soll die Beerdigung mit Blumen ausstatten. Sie ist es, die bemerkt, dass der Sarg nicht richtig verschlossen ist. So wird zum Entsetzen aller Anwesenden entdeckt, dass nicht Madeleine im Sarg liegt, sondern der Unternehmer Schellhorn.

Schnell gerät Gesines guter Freund Hannes unter Verdacht, schließlich hatte er diesen nicht gerade kleinen Auftrag verloren. Hannes verhält sich so eigenartig, dass sogar Gesine in Zweifel gerät, ob er in jedem Punkt die Wahrheit sagt. Gesine beginnt in Bestatterkreisen Nachforschungen anzustellen, die ihr ja durch ihre eigene Tätigkeit grundsätzlich gut bekannt sind. Das Gewerbe mit dem Tod stellt sich härter dar als vermutet, es wird um jeden Auftrag gebuhlt. Und da kam dieser nun verstorbene Großunternehmer daher und machte anderen so manches Geschäft kaputt. So ein Motiv ist offensichtlich. Um jedoch mehr zu erfahren, nimmt Gesine das Angebot der Polizei an, under cover zu ermitteln.

Wie Gesine in mehr oder weniger ihren eigenen Reihen nach der Wahrheit sucht, getrieben von dem Wunsch, Hannes Unschuld zu beweisen und die Wahrheit zu finden, ist sehr fesselnd beschrieben. Gesines aufkeimende Zweifel wegen Hannes’ eigentümlichen Verhalten, ihre Verzagtheit, ihr Festhaltenwollen am Hergebrachten, ihre Angst vor Veränderung, aber auch ihre Hartnäckigkeit, ihre Fähigkeit zum Querdenken, das alles macht Gesine aus. Ihr Gegenpart ist da viel cooler, aber auch voreingenommener, allzu leicht scheint es, sich auf Hannes einzuschießen. Es entwickelt sich eine intensive Suche nach den wahren Hintergründen, die deutlich macht, dass das Geschäft mit dem Tod eben auch ein Geschäft ist und nicht nur die Erfüllung des Wunsches Hinterbliebener nach einer ehrenvollen Bestattung.


Spannend, manchmal aufwühlend wird ein Thema behandelt, mit dem sicher jeder Lebende mindestens einmal beschäftigen muss.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Wildeule von Annette Wieners
ISBN: 978-3-8437-1535-5


Mittwoch, 23. August 2017

Kämpfer

Tim Sander war zu einem Auslandseinsatz in Afghanistan abkommandiert. Dort ist er nur knapp dem Tod entronnen und hat Dinge gesehen, deren Anblick einem eigentlich erspart bleiben sollte. Wieder daheim kommt er zunächst in eine Reha-Einrichtung in Süddeutschland. Dort trifft er den Polizisten Felix Mey aus Düsseldorf kennen, der dort ebenfalls wegen schwer zu verwindender Ereignisse zur Kur ist. Mit ihm tauscht sich Sander aus, besonders über seine Frau Julie, die sein Halt und sein ein und alles ist. Zurück in Düsseldorf wechselt Mey in die Mordkommission und während seines ersten Einsatzes stößt er auf eine Tote, bei der es sich zu seinem großen Erschrecken um Julia handelt.

Was während der Auslandeinsätze der Soldaten geschieht, dürfte weitgehend unbekannt sein und bleiben. Wüsste man alles, könnte man derartige Einsätze, auch wenn sie wohl tatsächlich der Schaffung oder Erhaltung eines brüchigen Friedens dienen, vermutlich nie gutheißen. Tim Sander möchte, dass einige Sachen ans Licht kommen, doch er wird herbe ausgebremst. Unklar ist, weshalb seine Frau Julia sterben musste. Zwar stellt sich heraus, dass sie so manches Geheimnis hatte, aber nichts wirkt so, dass es eine so grausame Tat rechtfertigen würde. 

Ein Themenmix, der insbesondere was die Afghanistanschiene anbelangt sehr brisant und interessant wirkt, der aber gerade in anderen Bereichen auch Mitempfinden hervorruft. Mit seiner herausragenden Recherche und seiner ansprechenden Komposition  fesselt Horst Eckert auch mit diesem einem seiner früheren Werke. Schier unglaublich erscheinen einige der Ereignisse und man gerät ins Nachdenken und die geschilderten Vorgänge entwickeln einen besonderen Nachhall.


Als Hörbuch vorgetragen wirkt das Buch allerdings sehr getragen. Sicher ist es Geschmacksache, ob einen eher mit neutraler Stimme gelesenen Vortrag bevorzugt oder ob einem eine actiongeladenere Darbietung lieber ist. Wenn einem allerdings letzteres näher ist, könnte man hier eine kleine Enttäuschung erleben. 

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Purpurland von Horst Eckert 
ISBN: 978-3-86667-001-X


Sonntag, 20. August 2017

Fremd in dritter Generation

In einem kleinen Ort des  Zentralmassivs im südlichen Frankreich erledigt der Revierjäger Rémi Parrot seinen Dienst. Er ist Fremder in dritter Generation, bereits sein Großvater bewirtschaftete einen kleinen Hof. Und den alteingesessen Familien war schon dieser Fremde ein Dorn im Auge. Gerne hätten sie die Hofstelle aufgekauft. Doch noch immer befindet sich Land in Rémis Besitz. Nach einem Unfall, den er in seiner Jugend nur knapp überlebt hat und von dem er entstellende Narben im Gesicht zurückbehalten hat, läuft Rémi wie ein Mahnmal durch sein Revier. Als seine Jugendliebe Michèle in den Ort zurückkehrt schöpft Rémi neue Hoffnung. Doch dann verschwindet ein bekannter Umweltaktivist.

Zwei Familien, die sich spinnefeind sind, beherrschen den kleinen Ort und die Umgebung. Sie besitzen das meiste Land und haben den größten Einfluss. Und meist setzen sie ihre Macht für eigennützige Ziele ein. Beliebt sind sie nicht, aber Strukturen, die schon immer so waren, bricht so schnell keiner auf. So behalten sie ihre Postion und können nach Gutdünken schalten und walten. Um die Strukturen schert sich Rémi nicht, er will seine Arbeit, die ihm teilweise Polizeirechte gibt, ordentlich ausüben. Allzu gerne möchte er auch die Bekanntschaft mit Michèle erneuern. Diese hat jedoch mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen.


Antonin Varenne hat seine Geschichte von Rémi, Michèle und den Familien interessant strukturiert. Manchmal wird die Handlung in ihrem zeitlichen Verlauf erzählt, dann befindet man sich in Verhören oder auch vor den Ereignissen. Es lohnt sich daher, die Kapitelüberschriften genau zu studieren. Wenn man die Hinweise erstmal eingeordnet hat und sich die geschickte Konstruktion erschließt, wird man von dem Buch gefesselt sein. Varenne versteht es einfach, eine hintergründige Geschichte zu erzählen. In dieser muss manchmal sehr tief gebohrt werden, um an den Kern der Dinge zu gelangen. Ist die Neugier geweckt, will man immer mehr erfahren über Rémi und Michèle und die anderen überraschenden Konstellationen, die sich nach und nach ergeben. Ein Dorfdrama, in dem jeder jeden kennt, aber nicht jeder am Ende gut dasteht, besticht schließlich durch die Erkenntnis, dass aus einem Fremden in dritter Generation ein Einheimischer in erster Generation werden kann.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Die Treibjagd von Antonin Varenne
ISBN: 978-3-328-10156-7




Samstag, 19. August 2017

Baltimore

Immer schon hat Ramón behauptet, er sei unschuldig. Beweisen konnte er es nicht, zu viele Indizien sprachen gegen ihn und er wurde verurteilt. Nun wurde seine Frau vor den Augen der Privatdetektivin Paige Holden erschossen. In letzter Sekunde konnte Elena ihr noch etwas zustecken und Paige beginnt zu ermitteln, ob Ramóns Aussagen nicht doch stimmen. Schnell muss Paige erkennen, dass noch viel mehr hinter der Geschichte steckt. Und sie überlegt, wem sie sich anvertrauen kann. Sollte der Staatsanwalt Grayson Smith die richtige Vertrauensperson sein. Er wirkt integer und sympathisch. Und auch er sieht, dass es geboten sein könnte, tiefer zu graben.

Dieses Hörbuch lebt von seinen intensiv vorgetragenen Dialogen. Mal aus Graysons Sicht und mal aus der von Paige werden die Ereignisse geschildert. Spannend ist dabei, wie teilweise ähnlich oder auch unterschiedlich sie die Geschehnisse erleben. Vieles finden sie gemeinsam heraus und manches Mal gehen sie getrennte Ermittlungswege, deren Ergebnisse sich ergänzen. Dabei kommen sie auf eine Spur, mit der sie keinesfalls gerechnet haben und die große Brisanz entwickelt. Wohin soll das noch führen, müssen sie ihre Karrieren oder gar ihr Leben oder das ihrer Liebens aufs Spiel setzen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen?


Die Vorleserin Sabina Godec verschafft sowohl Paige als auch Grayson eine lebendige Stimme. Mit ihrer Lebhaftigkeit hält sie die Hörer jederzeit bei der Stange. Hinzu kommt, dass sich der Fall spannend entwickelt. Und das zarte Aufkeimen des Pflänzchens Liebe zwischen Paige und Grayson darf nicht fehlen und erwärmt das Herz. Wer andere Bücher von Karen Rose kennt, wird wissen, was ihn erwartet und es gibt keine Enttäuschung. Man bekommt vielleicht kein hochtrabend literarisches Werk, aber eine fesselnde Story und eine schöne Liebesgeschichte.

4 Sterne

Todeskleid von Karen Rose
ISBN: 978-3-7857-4746-9


Freitag, 18. August 2017

Zack, Zack

Erst 27 Jahre ist Zack Herry, der in einer Sondereinheit der Polizei tätig ist. Er hat  beide Eltern zu unterschiedlichen Zeiten aber dennoch viel zu früh unter tragischen Umständen verloren. Es scheint als wolle er den Verlust einer stabilen Familie mit seinem ausschweifenden Privatleben kompensieren. Meist klappt das auch ganz gut, doch nun bekommt es die Einheit mit mehreren sehr brutalen Mordfällen an asiatischen Arbeitnehmerinnen von Massagesalons zu tun. Vier junge Frauen wurden tot aufgefunden. Fieberhaft beginnt Zack gemeinsam mit seiner Kollegin Deniz nach den Hintergründen der Tat zu forschen, wobei sie zunächst auf eine Mauer des Schweigens stoßen.

Gut aussehend und doch angeschlagen, so könnte man Zack Herry vielleicht umschreiben. Seine Kollegin Deniz, die durch einen Lehrer dazu gebracht wurde, sich trotz der eher ungünstigen Vorbedingungen des Migrationshintergrundes an einer Ausbildung bei der Polizei zu versuchen und diese erfolgreich abzuschließen. Beide bilden ein ungewöhnliches Ermittler-Team, das sich gut ergänzt. Sie beginnen mit den Zeugenbefragungen und finden eine Spur zu einer weiteren Asiatin, welche panisch versucht, sich der Befragung zu entziehen. Zwar gelingt es Zack, die Flucht der Frau zu verhindern, doch durch ein Missverständnis erlangt Zack einen sehr unrühmlichen Auftritt in der Presse. 

Brutal spannend und spannend brutal, so könnte man das Thema umschreiben, dass sich wie ein roter Faden durch diesen Roman zieht. Junge asiatische Frauen, von denen man nicht genau weiß, wie sie ins Land gelangt sind. Waren sie tatsächlich als Masseurin tätig oder mussten sie zu anderen Diensten zur Verfügung stehen. Fesselnd, teilweise abstoßend sind die Untiefen, die sie nach und nach in diesem Fall auftun. Nicht das erste Mal staunt man, zu was einzelne Menschen fähig zu sein scheinen. Dagegen empfindet man Mitleid mit den gebeutelten jungen Frauen, die fast noch Mädchen sind. Zack Herry ist ein sympathischer aber auch schwieriger Held. Seine schwere Vergangenheit weckt Verständnis und birgt vermutlich noch Geheimnisse. Doch wirkt er manchmal wie ein Polizist am Rande eines Abgrundes und mitunter auch am Rande der Legalität. 

Dieser Kriminalroman lässt einen nicht so schnell los, verlangt einem aber auch einiges ab, wenn es darum geht sehr explizite Beschreibungen von Gewalt zu ertragen.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Die Fährte des Wolfes von Kallentoft & Lutterman
ISBN: 978-3-608-10891-0


Dienstag, 15. August 2017

Gottes Licht

Hauptkommissar Fredrik Beier will nur herausfinden, wieso Annette Wetre verschwunden ist. Diese hatte sich einer eigentümlichen Sekte zugewandt und schien abgetaucht zu sein. Bald darauf jedoch werden einige Mitglieder eben jener Sekte grausam ermordet und die übrigen bleiben wie vom Erdboden verschluckt. Die Durchsuchung des Tatorts erbringt einige Spuren, die auf doch sehr unheimliche Praktiken hindeuten. Fredrik Beier, der den Tod seines kleinen Sohnes längst nicht verwunden hat, wird in eine Ermittlung gestoßen, die sich als wesentlich komplexer erweist als zunächst angenommen. Dennoch ist Fredrik nicht glücklich als er eine weitere Beamtin an die Seite gestellt bekommt.

Ein grausames Tötungsdelikt, das kaum Rückschlüsse auf irgendwelche Motive zulässt, eine Spurenlage, die Anlass zu äußersten Bedenken über die Vorhaben und Ziele einer Sekte gibt, ein Kommissar, der in seiner Trauer gefangen zu Beginn eher überfordert scheint und eine ehrgeizige junge Ermittlerin, die etwas schwierig einzuschätzen ist, Bezüge zur Vergangenheit, die schwer zu deuten sind. Dieser vertrackte Fall macht es den Polizisten nicht leicht, einen Überblick zu erlangen. Auch als Leser tappt man eine ganze Weile im Dunkeln und sucht nach dem Aha-Moment, in dem alle Mosaiksteinchen an ihren Platz fallen.

Mitreißend und lebendig trägt Dietmar Wunder die Geschichte des Hirten vor. Dabei verleiht er den Hauptakteuren ganz eigene und prägnante Stimmen. Was im normalen Verlauf der Lesung äußerst angenehm wirkt, macht die teilweise etwas brutal plastischen Schilderungen einiger Aktion-Szenen mitunter schwer erträglich. Wenn man einen unheimlichen Angreifer geradezu auch sich zukommen hört, mitbekommt wie er sein Messer zückt und das Blut zu spritzen beginnt, überläuft es einen schon eiskalt. Davor treten dann manchmal die eigentlichen Nachforschungen und Erklärungen zum Geschehen in den Hintergrund. Und so entsteht manchmal der Eindruck, dass einige Fakten, die zur Erhellung der Lage beitragen könnten nur angerissen werden und man wünscht sich, dass eine größere Konzentration auf bestimmte Themen vorgenommen worden wäre, die dann eingehendere Behandlung erfahren hätten. Vielleicht liegt der Fehler bei der Hörerin, doch diese hatte den Eindruck, sie hätte sich der Handlung besser zuwenden können, wäre diese etwas weniger aufgefächert gewesen.


Dennoch ein spannendes Debüt, das Aufmerksamkeit erfordert und das durch den Vorleser häufig ausgesprochen gut interpretiert wurde.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Der Hirte von Ingar Johnsrud
ISBN: 978-3-837-13871-9






Sonntag, 13. August 2017

Fußballfieber

Auf der Pirsch befindet sich der frühpensionierte ehemalige Kommissar Vitus Pangratz, er schleicht sich im Dunkeln durch den Wildpark, um das beste Foto einer Wildsau zu schießen. Unversehens stößt er mit dem Fuß gegen etwas, das sich bei näherem Betrachten als menschliche Hand erweist. Da hat ja gerade der Richtige diesen unheimlichen Fund gemacht. Hier kann nur ein Verbrechen begangen worden sein, in dem Vitus selbst ermitteln muss, denn von seinem Nachfolger hält er nicht viel. Außerdem kann er so seiner Tochter Johanna Coleman, die bei einer örtlichen Online-Zeitung arbeitet, zu einer tollen Exklusiv-Story verhelfen. 

Die beiden erweisen sich als bayrisch herziges Dreamteam. Bald steht fest, dass es sich bei dem Leichenteil um die Hand des seit Wochen verschwundenen Kinder- und Jugendtrainers Marius Wild handelt. Uns so tauchen Jo und ihr Vater ab in eine Welt des Kinderfußballs, in dem übermotivierte Eltern schon aus den Kleinen halbe Fußballprofis machen wollen. Da sieht man sich in Rosenheim als Kaderschmiede für die Münchner Bayern. Aber wer kann dem allseits beliebten Trainer ans Leder gewollt haben? Oder war er etwa zu beliebt? Wie ist es, wenn die Kinder das erfüllen sollen, was die Eltern gerne geschafft hätten. Träume von Eltern und Kindern sind nicht immer die gleichen. 

Kenntnisreich schildert die Autorin wie es zugeht unter den bajuwarischen Fußballbegeisterten. Mütter und Väter, Trainer und die kleinen Fußballer, die manchmal mehr Vernunft und Teamgeist haben als alle anderen. Auch wenn es hier und da mal eine kleine Intrige geben mag, wenn einer seinen kleinen Fußballgott puschen will, auch wenn der inzwischen verstorbene Trainer es mit der Treue nicht ganz so genau genommen haben könnte, Eifersüchteleien hier und da. Aber ist das nicht noch alles relativ normal? Wer soll ein wirkliches Motiv gehabt haben. Hinzu kommen Vitus und Jo, liebenswert, impulsiv, manchmal etwas grantelig, manchmal mehr mit dem Privaten beschäftigt als mit der Arbeit. Etliche aber nicht zu viele Zutaten sind hier zusammengemixt zu einem Rosenheim-Krimi, der sich hier und da eine witzige kleine Anspielung auf die Rosenheim-Cops erlaubt und der seine Leser in eine Teilwelt des Fußballs entführt, die wohl nur denjenigen genauer bekannt ist, die selbst fußballbegeistert sind. Unterhaltsam ist dieser Kriminalroman sicher für alle Leser, für die, die sich auskennen, wegen des Wiedererkennens und für die anderen, weil sie ihren Horizont auf amüsante Weise erweitern können.


Gut vorstellbar, dass Vitus und Jo auch in Zukunft das Ermitteln nicht sein lassen können.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Wildfutter von Alma Bayer
ISBN: 978-3-442-71531-2




Samstag, 12. August 2017

Wisting

Der Polizeichef ist langsam ungehalten, schon vor einem halben Jahr ist ein Taxifahrer spurlos verschwunden und noch immer fehlt eine wirkliche Spur. Doch nun meldet sich Suzanne, Kommissar William Wistings ehemalige Freundin, und berichtet, in ihrem Lokal sei ein Gast aufgetaucht, der beim Lesen eines Zeitungsartikels vor sich hingemurmelt habe, er wisse wo das Auto ist. Wisting befragt den Mann und so wird endlich das lange vermisste Taxi gefunden. Letztlich ein Fortschritt, aber immer noch keine heiße Spur. Derweil trifft Wistings schwangere Tochter Line eine Schulfreundin wieder, die mit ihrer kleinen Tochter in das Haus des verstorbenen Großvaters eingezogen ist.

Ein schwieriger Fall für William Wisting, der sich manchmal fragt, ob er sich nicht viel lieber auf seine Rolle als künftiger Großvater vorbereiten würde. Natürlich kann er das Ermitteln nicht lassen. Und mit untrüglichem Spürsinn entdeckt er erstmal einige Sackgassen und macht die Erfahrung, dass nicht jeder Kollege so intensiv an seinen Fällen arbeitet wie man es sich allgemein wünschen würde. Eher ungewollt bringt ihn Line auf eine weitere Fährte, sie überreicht ihm einen alten Revolver zur Vernichtung und bei der Untersuchung dieser Waffe, stellt sich heraus, dass sie für einen Mord benutzt wurde.

Verwickelt und doch klug verknüpft sind hier mehrere Handlungsstränge. Was zunächst Fragen nach dem wieso und weshalb aufwirft, wird packend erläutert und überraschend gelöst. Vielleicht kommt die sympathische Line etwas zu kurz. Aber in der Kürze liegt auch manchmal die Würze und sie kann ihrem Vater in entscheidenden Momenten beistehen. Wisting ist nicht mehr von seinem Weg abzubringen, wenn er erstmal Lunte gerochen hat. Akribisch geht er jedem noch so kleinen Hinweis nach. Gefesselt verfolgt man, wie langsam das Bild eines Falles entsteht, den man so in keiner Weise erwartet hätte. In vielen Momenten kann man eintauchen in einen norwegischen Sommer voller Rätsel. In diesem zweiten hier veröffentlichten Fall entpuppt sich Kommissar Wisting wieder als Garant sehr guter Unterhaltung.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Blindgang von Jørn Lier Horst
ISBN: 978-3-426-30567-6


Freitag, 11. August 2017

Nowhere Man

Nachdem Evan Smoak das Projekt Orphan verlassen hat, macht er es sich zur Aufgabe, Menschen zu helfen, wenn sie ihn darum bitten und auch Hilfe nötig haben. Oft sind es junge Menschen, die zum Opfer geworden sind und zu deren Rettung er sich aufmacht. Während einer solchen Rettungsaktion wird Evan selbst überwältigt und muss erstaunt feststellen, dass er in einem goldenen Käfig gefangen gehalten wird. Ja, ein goldener Käfig, aber doch gefangen. Noch bevor Evan überhaupt die Hintergründe in Erfahrung bringen kann oder will, macht er schon Pläne für eine Flucht. Das jedoch stellt sich als wesentlich schwieriger heraus als angenommen. 

Doch auch Evans Entführer muss feststellen, dass es nicht so leicht ist, seine Beute in den Klauen zu behalten. Und je schwieriger die Überwachung wird, desto mehr fragt sich der Entführer, was er sich da für ein Schätzchen eingefangen hat. Allerdings ist der Entführer nicht der einzige, der es auch Evan abgesehen hatte, auch seine ehemalige Organisation ist hinter ihm her. Und wie soll er seinen nächsten Herzensauftrag erfüllen? Nur sechzehn Tage bleiben ihm, um ein junges Mädchen zu retten, das offensichtlich einem Menschenhändlerring zum Opfer gefallen ist.

Bei „Projekt Orphan“ handelt es sich um den zweiten Band der Reihe um Evan Smoak, den Killer, den es eigentlich nicht gibt. Zu Beginn denkt man häufiger, die Kenntnis des ersten Bandes könnte hilfreich sein, einige Denkweisen Evans zu deuten. Doch nach und nach lernt man einiges nachzuvollziehen und mit dieser Komponente gewinnt der Anti-Held an Tiefe und der Roman eh schon spannende Roman beginnt einen nicht mehr loszulassen. Auch wenn man teilweise kaum zu glauben vermag, welche scheinbar ausweglosen Situationen Evan immer wieder mit kleineren oder größeren Schäden übersteht, ist man doch ausgesprochen gefesselt und möchte in jeder Minute wissen, wie es weitergeht und wie um Himmels willen Evan Smoak den auf der web.site des Autors bereits angekündigten dritten Band lebend erreichen will. 


Sehr spannend!

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Projekt Orphan von Gregg Hurwitz
ISBN: 978-3-9596-7668-7


Donnerstag, 10. August 2017

Geshanghaiert

Vor 25 Jahren haben sie sich eher zufällig kennengelernt. Hanne suchte eine Mitfahrgelegenheit und fand Miri und Claude fanden sie einfach an einem Rastplatz. Gemeinsam landeten sie in Portugal und verbrachten dort den Sommer ihres Lebens. Und sie schworen ein heiliges Gelübde, nach 25 Jahren wollten sie wieder in Portugal sein. Wie schnell verrann die Zeit, ihre Schicksale führten sie in unterschiedliche Richtungen. Dennoch, als Hanne sich meldet, gibt es ein Wiedersehen im Land der Träume. Natürlich haben die drei Freundinnen sich verändert, 25 Lebensjahre gelebt, schöne und weniger schöne Zeiten erlebt. Kann es also einen zweiten Sommer ihres Lebens geben?

Claude, Miri und Hanne, alle drei haben so ihre Geheimnisse mit nach Portugal gebracht. All die Jahre aber haben sie den Sommer damals nicht vergessen. So etwas kann eigentlich nicht wiederholt werden. Nicht genauso, aber vielleicht anders und doch toll? Zunächst geht erstmal einiges schief. Miriam, die erfolgreiche Geschäftsfrau, würde am liebsten gleich wieder abreisen und wird von ihren Freundinnen beinahe entführt und schließlich überredet, doch zu bleiben. Claude zieht es immer weiter nach Süden mit ihrem vollgepackten Autor. Hanne ist da mehr für Umwege zu haben. Doch wieder und wieder bleibt die Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen.


Wie ein innerer Merker leuchtet dieser Termin in den Herzen der Frauen auf. Was kaum für möglich zu halten war gelingt - ein Wiedersehen nach so einer langen Zeit. Diese Rückreise in die Vergangenheit wirkt gleichzeitig wie ein Aufbruch in eine neue Phase. Mit diesem heiter besinnlichen Sommerroman werden nicht nur bei den Protagonistinnen Erinnerungen geweckt. Sicher wird so manche Leserin in Erinnerungen an einem Sommer ihres Lebens schwelgen, an Sommer, Sonnenschein, die große Liebe oder eine Liebelei, an Freundschaft oder an die Schwierigkeiten, die es in Freundschaften manchmal zu überwinden gilt. Nicht immer ist alles eitel Sonnenschein und gerade in den Momenten, in denen sich die Freundinnen einigen unbequemen Wahrheiten stellen müssen, wirkt dieser liebens- und lesenswerte Roman ausgesprochen authentisch. Wenn genau beim Umblättern der letzten Seite ein Regenschauer beginnt, ist das ein beinahe perfekter Schlussakkord zu diesem herzerwärmenden Sommerroman.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Sommer unseres Lebens von Kirsten Wult
ISBN: 978-3-462-04889-6


Dienstag, 8. August 2017

Westjordanland

Im Norden des Westjordanlandes leistet die einzige weibliche Polizistin Rania ihren Dienst. Auf ihrem Arbeitsweg bekommt sie mit, wie unter einer Brücke eine weibliche Leiche gefunden wird. Bei der jungen Frau kann es sich nicht um eine Einheimische handeln. Doch wie gelangte die Fremde dort hin. Rania will unbedingt die Hintergründe des Verbrechens ermitteln. Leitende Ermittler sind jedoch die jüdischen Kollegen, die Rania nur widerwillig teilhaben lassen. Mit dem Kommissar Benny ergibt sich schließlich doch eine recht gute Zusammenarbeit, was Rania jedoch nicht davon abhält ein ums andere Mal auf eigene Faust loszuziehen.

Welch eine interessante Location, das besetzte Westjordanland, eine palästinensische Ermittlerin, ihr jüdischer Counterpart, ein amerikanische Jüdin, eine australische Palästinenserin. Miteinander und gegeneinander versuchen die Protagonisten hinter das Rätsel um die junge Frau zu kommen. Vor dem Hintergrund der politischen Lage entwickelt sich ein spannender Fall, bei dem nach und nach Informationen über das Mordopfer zutage kommen, die die Lektüre wirklich fesselnd machen. Rania wirkt wie eine moderne Frau, letztlich ist sie es, die Mann und Kind versorgt. Meist hält sie sich kaum an Regeln, mitunter aber hält sie sich gerade an solche, die man aus europäischer Sicht als eher überflüssig betrachten würde. Als Ausgleich würde man gerne mehr über den Israeli Benny erfahren, der zwar ein gewissenhafter Polizist zu sein scheint, als Person aber eher blass bleibt.


Die US-Autorin hat selbst eine Weile in Palästina gelebt und nach eigener Auskunft einige ihrer Erfahrungen in dem Buch verarbeitet. Es ist daher zu vermuten, dass einige der hier geäußerten Ansichten, aus dem Herzen der Autorin kommen und somit nicht unbedingt den Anspruch der Neutralität erheben wollen. Möchte man sich eine differenzierte Meinung über das Leben im Westjordanland bilden, kommt man wohl nicht umhin, sich journalistischen Quellen zuzuwenden, die nicht einer bestimmten Seite zugeneigt sind. Gleichwohl gewährt das Buch schon einige Einblicke in eine unbekannte Welt, über die es sicher mehr zu wissen gäbe. Ob man über die Beziehung der Amerikanerin Chloe zu der Australierin Tina so viele Details wissen möchte, muss man für sich entscheiden. Die Krimihandlung ist jedoch sehr interessant und ausgesprochen fesselnd. Gerade ihre widerspenstige Arbeitsbeziehung zwischen ihr und ihrem israelischen Kollegen gibt dem Buch etliche Pluspunkte. 

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Murder under the Bridge von Kate Raphael
ISBN_ 978-1-631-52960-3