Dienstag, 6. Dezember 2016

Miranda Frosts Katzen

Eines Tages möchte Abby sich bei ihrem Nachbarn Simon eine Dose Tomaten leihen. Denn Tomatensauce ohne Tomaten geht einfach nicht. Die Tür der Nachbarwohnung ist nicht richtig verschlossen und Abby findet Simon tot im Sessel. Sie benachrichtigt die Polizei und geht zurück in ihre eigene Wohnung zu Beck, ihrem Freund, mit der Dose Tomaten. An diesem Tag geschieht etwas mit Abby, nicht zum ersten Mal, aber dieses Mal scheint es gravierend zu sein. Abbys oberflächlich betrachtet so normales Leben gerät aus den Fugen. In ihrem Beruf als freie Journalistin schafft sie es einen bemerkenswerten Artikel über die Poetin Miranda Frost zu schreiben.

Wie schon in seinem ersten Buch konfrontiert Gavin Extence die Leser mit einer ungewöhnlichen Persönlichkeit. Abby, deren Eltern sich getrennt haben als sie noch ein Teenager war, ist eine intelligente junge Frau mit einer guten Ausbildung. Allerdings lebt sie unter den heute viel beschriebenen prekären Verhältnissen. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Beck teilt sie sich eine kleine Wohnung. Eigentlich könnten die beiden sehr zufrieden sein, auch wenn sie kein luxuriöses Leben führen. Nachdem Abby ihren Nachbarn gefunden hat wird ihr Leben irgendwie kompliziert. Sie scheint gleichzeitig sowohl ein Hoch zu empfinden als auch immer chaotischere Entscheidungen zu treffen. Ihre bipolare Störung, von der sie dachte, sie habe sie unter Kontrolle, scheint aus dem Ruder zu laufen.


Gavin Extence, der laut Klappentext ebenfalls an einer leichten Form einer bipolaren Störung leidet, erzählt mit wissenden Worten von Abby, deren Leben nach dem Tod des Nachbarn aus den Fugen gerät. In einigen Momenten kann Abbys Verhalten nicht ganz nachvollziehbar sein, wenn man selbst keine derartigen Störungen hat. Dennoch gelingt es dem Autor eben dieses Verständnis zu wecken soweit es eben möglich ist. Man nimmt an Abbys Schicksal teil und folgt ihren Narreteien ebenso wie ihrem Versuch wieder Boden unter den Füßen zu bekommen. Zwar gelingt es nicht immer, sich in sie hineinzufühlen. Gerade wenn sie ihren Halt verliert, fragt man sich, wie kann das sein. Nur die Erklärung, sie ist halt krank, kann weiterhelfen. Erst wenn Abby beginnt, an ihre vorläufige Gesundung zu glauben, fällt es leichter. Beinahe als sei man selbst mit ihr durchs Tal gewandert und beginne mit dem Wiederaufstieg. Möglicherweise könnte man anhand des Klappentextes ein leichteres und weniger ernsthaftes Buch erwarten. Dann wird man sich mit der vorgestellten Handlung etwas schwer tun und erst nach und nach Verständnis für die Geschichte und ihre Charaktere entwickeln. Hat man dieses kleine Hindernis überwunden, bekommt man einen bemerkenswerten Roman, der einem eine fremde Gefühlswelt auf sympathische Weise näher bringt.

3,5 Sterne

Libellen im Kopf von Gavin Extence
ISBN: 978-3-8090-2634-1




Sonntag, 4. Dezember 2016

Graubart

Mit seinen 73 Jahren gehört Tom Knight überhaupt noch nicht  zum alten Eisen. Er steht noch voll im Leben und arbeitet als Privatdetektiv. Nur an der Frauenfront ist es in letzter Zeit eher ruhig. Nun, das soll geändert werden. Voller Enthusiasmus beantwortet Tom die Anzeige von Fran, die einen Mann im Alter von bis zu 59 Jahren suchte. Um ins Profil zu passen, schummelte Tom bei der Altersangabe geringfügig über zehn Jahre weg. Natürlich fliegt der Schwindel beim ersten Treffen sofort auf und Fran will nichts mehr von Tom wissen. Dann jedoch werden in dem Altersheim, in dem Fran arbeitet, drei alte Damen ermordet. Fran gerät unter Verdacht und Tom Knight zeigt vollen Einsatz, um ihre Unschuld zu beweisen.

Das Alter schützt vor Torheit nicht und das ist auch gut so, könnte man sagen. Mit Tom Knight ist dem Autor Charles Hodges ein Charakter gelungen, der die Leser für sich einnimmt. Wie Tom den Unannehmlichkeiten des Alters oder des Alterns trotzt, hat schon was für sich. Zum Glück ist ja nicht alles vorbei, wenn der übliche Broterwerb aus Altersgründen beendet wird. Natürlich muss man sich lange vorher überleben, was man machen möchte. Vor dem Fernsehgerät sitzen und warten, dass die Zeit vergeht, ist sicher nicht der richtige Ansatz. Da kann man sich bei Tom Knight gleich ein paar Tips abholen. Um seine Rente aufzubessern, übernimmt er hin und wieder mal einen Fall. Die Sache mit Fran hat selbstverständlich einen anderen Hintergrund. Nach dem gescheiterten Date, will Knight nichts mehr als den Fall aufzuklären, schließlich könnte die Hoffnung bestehen, dass Fran ihre Meinung ändert. 


Im Laufe der Ermittlungen weiß Tom Knight wieder und wieder zu überzeugen, auch wenn immer mehr seiner Knochen auf die Versehrtenliste kommen. Die geschundenen Gelenke werden in den Dienst gezwungen, doch der Geist ist wach. Hartnäckig und mit außerordentlichen Fähigkeiten als Maskenbildner macht sich Tom auf die Suche nach dem wahren Täter. Wahrhaft gerne folgt man den Ausführungen von Charles Brauer, der Tom Knight und seiner Geschichte Leben einhaucht und ihr eine wunderbar angenehme Stimme verleiht. Sollte dies tatsächlich nicht der letzte Fall für Tom Knight sein, sollte man sicher auch weiterhin nach den Namen des Privatdetektivs und seines Schöpfers Ausschau halten.

4 Stene

Alte Schule von Charles Hodges
ISBN: 978-3-837-13631-9




Samstag, 3. Dezember 2016

Moderne Jugend

Während eines Staatsbesuchs in München verstirbt der amerikanische Außenminister überraschend. Fieberhaft wird nach der Todesursache geforscht. Gleichzeitig werden in verschiedenen Teilen der Welt vermutlich genmanipulierte Pflanzen und Tiere entdeckt, die es nach dem derzeitigen Stand der Technik nicht geben dürfte. Auch hier machen sich Organisationen auf, nach der Ursache zu forschen. In Amerika versucht derweil ein kinderloses Ehepaar, sich den sehnlichen Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. Zu allem Überfluss verschwindet ein eigentlich gut bewachtes junges Mädchen vom Campus in Boston. Scheinbar zufällig finden diese Ereignisse beinahe gleichzeitig statt, jedes für sich genommen könnte durchaus relativ harmlos sein.

Fast gegen ihren Willen wird Jessica Roberts aus dem Stab des verstorbenen Ministers zum Mittelpunkt der Nachforschungen. Bei der Obduktion des Verstorben wurde unheimliche Veränderungen entdeckt, die sich nur durch einen genveränderten Virus erklären lassen. Und damit ist der erste Zusammenhang mit der Genforschung hergestellt. Doch wer könnte das Wissen besitzen, um die komplizierten Bausteine des Lebens neu zusammenzusetzen. Jessica, die sich nach der Reise eigentlich wieder ihrer Familie widmen möchte, wird durch ihre neue Aufgabe sehr gefordert. Zwangsläufig leidet ihr Familienleben darunter. Dennoch ist der Auftrag so groß, dass sie ihn unmöglich ablehnen kann.


An Schauplätze über die ganze Welt verteilt führt dieser spannende Wissenschaftsthriller. Die Möglichkeiten der Genmanipulation und wie weit sie gehen darf sind hier das große Thema. Mit Hilfe einer fesselnden Story wirft Marc Elsberg verschiedene Fragen auf, die nicht so einfach zu beantworten sind. Denn, was ist, wenn die Manipulation besser ist als die Natur? Dürfen so durchgreifende Veränderungen vorgenommen werden? Was kann zum Wohle der Menschheit zum Beispiel, um den Hunger zu stillen, durchgeführt werden? Oder könnte selbst das vermeintlich Gute später so schlimme Folgen haben, dass man sich wünschte, man hätte die Büchse der Pandora nie geöffnet? Wer entscheidet überhaupt, was besser ist? Natürlich kann auch der packendste Roman solche Fragen nicht beantworten. Nachdenklich macht es dennoch, denn auch der schlaueste oder gewiefteste Mensch kann nicht alle Folgen überblicken und alle Reaktionen vorhersehen. Und wird nur die Hoffnung auf die Vernunft bleiben können, nach der vielleicht nicht allem experimentiert werden sollte, was möglich scheint. Werden sie uns also tatsächlich ersetzen?

4 Sterne

Helix - Sie werden uns ersetzen von Marc Elsberg
ISBN: 978-7645-0564-6





Freitag, 2. Dezember 2016

Das Weihnachtsfenster

Zu Weihnachten dekoriert die Witwe Crackpickle gemeinsam mit ihren beiden Söhnen immer das schönste Schaufenster. Die Menschen, die in dem Armenviertel Old Nichol in London wohnen, freuen sich beinahe während des ganzen Jahres auf diesen erwärmenden Anblick. Doch in diesem Jahr erhält die Witwe die schreckliche Nachricht, ihre beiden Söhne seien bei einem Schiffsunglück ertrunken. In ihrer großen Trauer gibt sie ihrem Ladenmädchen, der 10jährigen Irin Anna die Schuld daran, obwohl das Mädchen nur das Pech hat, die Nachricht zu überbringen. Auch dem 12jährigen Bruder der Kleinen ergeht es schlecht. Mit einem Schuhschwärzerkasten will er sich und seiner Schwester zu genug Geld verhelfen, um nach Australien auswandern zu können. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass die Erfolg versprechenden Plätze schon unter den Schuhschwärzern der Gilde vergeben sind. 

So manchem ist der Autor Raymond A. Scofield vielleicht besser bekannt von seinen Romanen, die in Asien angesiedelt sind. Hat man diese spannenden Werke verschlungen, kann man von der hier vorliegenden Geschichte schon überrascht werden. Eine Weihnachtsgeschichte? Kann das gelingen? Sich vergegenwärtigend, dass man die anderen Bücher des Autors teilweise verschlungen hat, macht man sich mit großer Neugier an die Lektüre. Wie wird es den Geschwistern Anna und Benjamin ergehen, die in tiefer Armut leben? Werden sie ihr Schicksal wenden können? Werden sie Hilfe erhalten oder wird sich alles gegen sie verschwören? Zu Beginn scheint für die beiden Kinder wirklich alles schief zu laufen. Anna verliert ihre Anstellung und Benjamin verliert seine Geschäftsgrundlage, für die er sich auch noch Geld geliehen hat.

Tatsächlich könnte der Ort der Handlung einem Roman des großen Charles Dickens entsprungen sein. Dennoch haucht der Autor ihr ein eigenes Leben ein. Schnell werden einem Anna und Benjamin sympathisch. Gerade Anna, die obwohl jünger, doch etwas mehr Durchblick hat als ihr Bruder, der sich ehrenwert aber etwas naiv in Schwierigkeiten bringt, macht es einem leicht sie zu mögen. Überhaupt wünscht man den Geschwistern, die schließlich nur noch sich haben, nur das Beste. Ob das Daumenhalten während des Lesens hilft, muss natürlich jeder selbst herausfinden. Dennoch gibt es bei aller Tragik auch glückliche Momente für die Kinder. Und manchmal scheint es so als halte ihre verstorbene Tante aus dem Jenseits eine schützende Hand über sie. 


Eine anheimelnde und herzerwärmende Weihnachtsgeschichte, die man an jedem Weihnachtsabend wieder hervorholen kann, um sie vielleicht gemeinsam mit den Lieben zu lesen.

4 Sterne

Das Weihnachtswunder von Old Nichol von Raymond A. Scofield
ISBN: 978-3-8412-1168-2


Dienstag, 29. November 2016

Der Club

Detective Max Wolfe muss immer wieder mit ansehen und miterleben wie die Opfer von Verbrechen zu kurz kommen. Die Verbrecher scheinen der gerechten Strafe zu entgehen. Doch die Taten des sogenannten Clubs der Henker übersteigen jegliche Vorstellungskraft. Da haben Unbekannte es sich zur Aufgabe gemacht, die vermeintlich zu leicht davon gekommenen zu richten. Das Team um Max Wolfe beginnt mit den Ermittlungen. Zunächst allerdings sind kaum Spuren zu finden. Einzig die abgelegten Leichen bieten einen Ermittlungsansatz. Warum wurden gerade sie ausgewählt? Doch auch eines Gedanken kann sich Max nur schwer erwehren, was wäre, wenn er selbst betroffen wäre, wenn in seinem persönlichen Umfeld ein Verbrechen verübt würde, dessen Sühne unwahrscheinlich wäre.

Wie schon in seinen beiden vorherigen Fällen begeistert Tony Parsons mit seinem sympathischen Ermittler Max Wolfe, allein erziehender Vater, alleinstehender Ex-Ehemann, hartnäckiger Mordermittler. Gleich zu Beginn liest er seinen ältesten Freund, den er schon seit Jahren nicht gesehen hat, von der Straße auf und erlaubt diesem vorübergehend bei ihm zu wohnen. Und auch seiner Chefin steht er zur Seite als ein tragisches Ereignis sie aus der Bahn wirft. Und auch dieser Fall von Selbstjustiz hat es in sich. Natürlich vertritt Wolfe die Auffassung, dass die Polizei nach den Mitgliedern dieses unheimlichen Clubs suchen muss, um sie ihrer Strafe zuzuführen. Dennoch kann er sich des Gedankens nicht erwehren, dass das Rechtssystem manchmal als ein wenig zahnloser Tiger erscheint. 

Gebannt erlebt man einen neuen Aspekt der Londoner Vergangenheit, der alten Hinrichtungsstätten, der vergangenen Gebäude, der gewesenen Rechtspraktiken. Ein spannender Einblick in die Geschichte der Verbrechensbekämpfung, bei der auch der obligatorische Besuch im Crime-Museum nicht fehlen darf. Die Entwicklung des Falles nimmt einem manchmal fast den Atem. Gleichzeitig freut man sich, Max Tochter Scout aufwachsen zu sehen, die nach den Sommerferien nicht mehr die Kleinste ist. Fein ausgewogen ist die Balance zwischen einem mitreißenden Fall und dem Zusammenleben Wolfes mit seiner sympathischen kleinen Familie. Auch die zurückhaltenden Versuche, den Wunsch nach einer neuen Partnerin zu erlauben geben diesem Krimi eine weitere Facette. In dem Moment, in dem die Ermittlungen für Detective Wolfe eine ganz persönliche Note bekommen, klebt man wirklich wie gebannt an den Seiten und spürt sein Herz entsetzt klopfen. 


Mit Detective Max Wolfe hat der Autor eine Figur geschaffen, mit der man noch etliche weitere Fälle erleben möchte.

4,5 Sterne

Wer Furcht sät von Tony Parsons
ISBN: 978-3-7325-2959-9


Samstag, 26. November 2016

Wir bauen ein Theater

Deprimiert kehrt Romy zurück in ihren sächsischen Heimatort. Sie war ausgezogen, um eine große Schauspielerin zu werden. Geschafft hat sie es zur Souffleuse und auch diesen Job hat sie verloren, nachdem man ihr während der Vorstellung mitgeteilt hat, dass ihre liebe Großmutter verstorben ist. Romy möchte sie nur noch verkriechen. Dennoch ist sie ziemlich geschockt als sie mitbekommt, dass die lieben Menschen, unter denen sie aufgewachsen ist, kaum noch einen anderen Gedanken hegen, als den, wer eines der letzten drei Grabplätze auf dem örtlichen Friedhof einnehmen wird. Oma Lene hat den Anfang gewagt und sich einfach den drittletzten Platz gesichert. Das Dorf stirbt aus, es wohnen nur noch alte Menschen dort.

Romy kann es kaum glauben, wie sich die einst heimelige Stimmung in ihrer alten Heimat verändert hat. Die Einwohner trachten nach ihrem eigenen Tod. Es ist wie ein Wettlauf auf die beiden noch verbliebenen Gräber. Der Tod kommt sowieso, ändern kann man nur das Leben davor. Wie kann Romy die Stimmung im Dorf verändern? Und wie ihr eigenes Scheitern überwinden? Romy hat die geniale Idee die alte Scheune in ein elisabethanisches Theater umzubauen. Und das ganze Dorf soll mitmachen. Es wäre doch gelacht, wenn das nicht gelingen sollte. 

Man spürt den Ruck, der durch das Dorf geht. Manchmal zwar eher zögernd oder gar widerwillig beschäftigen sich die alten Leute mit der Idee, an diesem gemeinsamen Projekt mitzuwirken. Vielleicht merken sie selbst zunächst kaum wie sie sich verändern. Doch ein Ziel vor Augen zu haben, gibt ihnen einen Teil ihrer jugendlichen Energie zurück. Es wird begonnen aufzuräumen, zu messen, zu sägen und zu hämmern. Mit Freude betrachtet man wie es mit dem Umbau vorangeht. Und Romy nutzt die Zeit, sich wieder zu hause in ihrer Dorffamilie zu fühlen. Ihr ehemaliger Kollege Ben, der früher etwas mehr als ein Kollege war, wird schließlich auch Teil des Plans. Werden sie es wirklich schaffen, in der tiefsten Provinz die Aufführung von „Romeo und Julia“ zu stemmen?

Es ist nicht nur der Bau des Theaters und das Einüben des Stücks, jede der handelnden Personen bekommt ihre Geschichte, sei sie tragisch oder melancholisch, dramatisch oder komisch oder eine Mischung aus alledem. Und so werden sie sympathisch, diese Leutchen mit ihren Fehlern und Schrullen und Wünschen und Träumen. Wenn auch vielleicht etwas zu viel hineingepackt ist an Tragik und Dramatik, so bleibt doch genug Freude am erhofften Gelingen des gemeinsamen Vorhabens. Und schließlich auch an der Liebesgeschichte, die sich fast hintenrum einschleicht und eigentlich mit dem Ende erst beginnt.


4 Sterne

Romeo & Romy von Andreas Izquierdo
ISBN: 978-3-458-36141-1



Mittwoch, 23. November 2016

Heimkehr

In ihrer 15jährigen Ehe hat sich Stella rundgefuttert, mit viel Einsatz hat sie ihren Mann Holger umsorgt und verwöhnt. Stella fällt aus allen Wolken als Holger sie verlässt, genauer gesagt, sie aus dem Haus wirft. In ihrer Not lädt Stella ihre Sachen ins Wohnmobil und macht sich auf den Weg in ihren Heimatort an der Nordseeküste. Sie liest den Anhalter Hauke auf, der auch nach Norden möchte, um sich um seine Großmutter zu kümmern. Hauke erweist sich als ausgesprochen guter Reisegefährte, der Stella in einer schwierigen Situation beisteht. Zuhause angekommen, fühlt sich Stella zwar noch sehr durch den Wind aber doch viel Wohler. Ihr Bruder bereitet ihr ein herzliches Willkommen und auch der Tierarzt Michael, den sie aus der Schulzeit kennt, scheint sehr erfreut über ihre Ankunft.

Nachdem sie ihre eigenen Wünsche während ihrer Ehe immer hintenangestellt hat, soll nun Stella selbst zum Zuge kommen. Sie möchte die Zeit in der Heimat nutzen, um ihre eigenen Wünsche kennenzulernen, für sich selbst zu sorgen und sich eine finanzielle Lebensgrundlage zu schaffen. Mit Enthusiasmus und Energie geht Stella ans Werk. Ihr liebenswertes Auftreten öffnet ihr viele Türen. Und immer wieder zieht es sie zu Spaziergängen an ihr geliebtes Meer. Schnell fühlt sich Stella wieder ganz heimisch im hohen Norden, sie möchte gerne für immer mit ihrem Bruder zusammen auf dem Elternhof bleiben. 

Schon nach wenigen Seiten merkt man, wie gerne die Autorin ihre Heimat mag. Die Beschreibungen vom Meer lesen sich echt nach mehr. Mit sehr gefühlvollen Worten schildert sie die Erlebnisse ihrer Stella. Eine heimelige Geschichte hüllt einen beim Lesen ein und gerne sieht man Stella aus sich heraustreten und entwickeln. Nicht selten jedoch geraten die Gefühle in Überschwang und allzu aufjauchenzd oder schluchzend verläuft der Gang der Handlung. Für einen  Leser von Kriminalromanen, der sich gerne mal eine Abwechslung gönnt, ist dieser Roman mit der an sich sehr schönen Grundidee nur bedingt geeignet.


3 Sterne

Leuchtturmtage von Anni Deckner
ISBN: 978-3-95818-122-9