Sonntag, 19. Februar 2017

Billy-Bert

In seiner Kindheit war Bert eigentlich nicht so dick, wenn er sich die alten Fotos so anschaut, doch nun mit 16 hat er die 100 Kilo geknackt. Irgendwie futtert und futtert er, von seiner Mutter gefüttert, mit den Gerichten, die sie für ihre wechselnden Liebhaber kocht oder auch mit seinen Lieblings-Schokoriegeln, die er massenweise unter dem Bett deponiert. Seine Mitschüler nutzen jede Gelegenheit, ihn zu drangsalieren. Dann bietet sich Bert eine Gelegenheit, im Ganzkörperanzug als Maskottchen aufzutreten. Einmal darf er im Tigerkostüm zu der Berliner Eishockey-Mannschaft, den Ice-Tigers, wie passend. Und unerwartet schlägt seine Performance dort ein wie eine Bombe, im positiven Sinne natürlich. 

Wie man sich vorstellen kann, genießt es Bert mal der Held zu sein. Hinzu kommt noch, dass der Anzug zum einem die Nahrungsaufnahme behindert und zum anderen die Schweißproduktion anregt, das heißt Bert nimmt ab. Und das, obwohl es in seiner Familie unter den Männern als unangebracht gilt, unter 100 Kilo zu wiegen. Selbst sein Opa, der bald 80 wird, ist noch ein stattlicher Mann und leitet ein Restaurant für westfälische Küche. Was aber, wenn man sich in seiner Haut einfach nicht mehr wohl fühlt, wenn einem die Hänseleien der sogenannten Klassenkameraden langsam auf den Keks gehen und wenn bei den Ice Tigers so bemerkenswerte Cheerleader herumlaufen, besonders eine.

Mit westfälisch-berliner Schnauze umschreibt der Autor Berts Kampf gegen die Pfunde, dem der Anzug dabei eher zufällig zur Hilfe kommt. Mal witzig, mal nachdenklich, mal forsch, mal kurz vor dem Aufgeben, die Jugend ist zwar die schönste, aber sicher nicht die einfachste Zeit. Man kann sich vorstellen wie Bert schwerfällig durch sein Leben tapst und sich nicht richtig wehren kann. Natürlich gefällt ihm nicht alles, aber irgendwie bekommt er immer wieder das Maul gestopft oder er stopft es sich selbst mit Süßigkeiten voll. Nur langsam kann er sich ein wenig freischwimmen. Es hat schon was, im Tigerkostüm das erste Mal mit Schlittschuhen aufs Eis zu steigen und nicht völlig unterzugehen. Humorvoll mit ein paar ernsten Tönen unterhält dieser Coming of Age Roman sehr gut.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Billy the Beast - Ein Traum von einem Tiger von Jörg Menke-Peitzmeyer

ISBN: 978-3-548-28911-3


Samstag, 18. Februar 2017

Wo bist du?

Der 13jährige Sam hat seinen Vater Henri nie kennengelernt, etwas, das er unbedingt ändern will. Er schreibt ihm, doch der Vater taucht nicht auf. Sam erfährt, dass sein Vater einen schweren Unfall hatte und im künstlichen Koma liegt. Jeden Tag besucht Sam seinen Vater und im Krankenhaus trifft er auf Eddie, die früher mit Henri zusammen war. Eddie, die Henri nie ganz loslassen konnte, obwohl er ihr das Herz gebrochen hat. Gemeinsam betreuen sie Henri im Krankenhaus und haben Hoffnung, dass er bald wieder gesund wird. Doch als sich die Ärzte entschließen, Henri aus dem künstlichen Koma zu wecken, erleidet er einen Herzstillstand, nach dem er dann tatsächlich ins Koma fällt.

Was geschieht, wenn man so zwischen Leben und Tod ist? Gibt es da überhaupt irgendetwas? Wer kann das so genau sagen? Ist es eher ein traumloser Schlaf, wie an- und ausgeknipst, wie eine Narkose? Oder betritt man eine andere Welt, die da ist, der man aber nicht entfliehen kann? Wie viel Kraft und Willen braucht es, um zurück zu kommen. Können die Liebsten merken, wenn man da ist und doch nicht da? Wie schwer fällt es, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen? Fragen, über den Tod und das Sterben, denen man nicht entrinnen kann. Jeder erlebt den Moment, in dem ein lieber Mensch stirbt. Manchmal früher, manchmal später, aber keinem bleibt die Erfahrung erspart. Welche Vorstellung von dem davor, dem danach oder dem dazwischen hat man oder möchte man haben. Dem Toten schließlich sieht man an, dass die Seele nicht mehr da ist. Hat sie sich in nichts aufgelöst oder bleibt sie und kann sie etwas mitnehmen?


Gefühlvoll und mitreißend beschreibt Nina George die Zeit nach Henris Unfall jeweils aus der Perspektive der beteiligten Personen. Sie malt deren Gedanken, Wünsche, Gefühle und Hoffnungen. Der 13jährige Sam ist eine ganz besondere Persönlichkeit, außerordentlich intelligent und empfindsam. Man wünscht sich, ein wenig so zu sein wie er. Man wünscht sich, so kämpfen zu können wie er. Man wünscht sich eine zweite Chance für Eddie und Henri. Man saugt den Inhalt der Seiten des Buches auf. Man spürt den Schmerz und die Hoffnung. Eigentlich möchte man, dass jeden Tag die Sonne scheint. Man bleibt ergriffen und nachdenklich zurück.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das Traumbuch von Nina George
ISBN: 978-3-426-65385-2



Freitag, 17. Februar 2017

Spur der Schmetterlinge

In Brest, wohin Louis Marais strafversetzt wurde, wütet im Jahr 1805 die Pest. Obwohl er seine Frau in sein Haus auf dem Land gebracht hat, fallen sie der Seuche zu Opfer. Bevor ihn die Verzweiflung übermannen kann, wird Marais nach Paris zurückberufen. Dort wurde die verstümmelte Leiche eines jungen Mädchens gefunden, die offensichtlich kurz vor ihrem Tod ein Kind geboren hat. Eifrig trommelt Marais sein altes Team zusammen. Er befürchtet, es könnten weitere Morde geschehen. Gleichzeitig erhält der Marquis de Sade von seinem im Sterben liegenden ehemaligen Gönner eine seltsame Liste. Nicht lange dauert es bis die beiden ungleichen Sucher nach der Wahrheit wieder aufeinander treffen.

Nachdem der Polizist Marais bei der Lösung des Falles des Mörders Lasalle schon auf die etwas widerwillige Hilfe des Marquis zurückgreifen konnte, werden die beiden hier wieder zusammen geführt. Der Fall erscheint zunächst äußerst rätselhaft. Wer könnte schließlich ein Interesse am Tod eines jungen Mädchens haben, gerade wenn es sich bei dieser auch noch um eine Mutter handelt. Und was geschah mit dem Kind, von dem keine Spur gefunden wurde. Sollten die angesehenen Bürger der Stadt Paris, die es auf die ominöse Liste geschafft haben, eine Art Geheimbund bilden. Es dauert jedenfalls nicht lange bis auch das politische Paris beginnt, sich in die Ermittlungen einzumischen.

Dieses unheimliches Geschehen bedrückt den Polizisten Marais. Tief betrübt über den Verlust seiner Familie sieht er in der Lösung dieses Falles eine Art Erlösung. Konzentriert wandert er durch die Gassen der Stadt, manchmal abgelenkt, manchmal unterstützt durch den Marquis. 


Gekonnt wird das Leben im Paris des napoleonischen Zeitalters eingefangen. Sowohl das Leben der einfachen Leute als auch das der gehobenen Schichten wird auf eine Art dargestellt, dass man glauben kann, es könnte sich so abgespielt haben. Die Unterschiedlichkeit der Einstellung und des Hintergrundes von Marais und de Sade und deren Zusammenarbeit, bei der Marais mutig vorweg schreitet und de Sade eher wiederwillig murrend aber doch kluge Schlüsse ziehend folgt, bilden den Mittelpunkt dieses historischen Krimis. Zur Lösung ihres gemeinsamen Falles kombinieren sie ihre Fähigkeiten und schaffen einen packenden Einblick in einen kniffligen Fall, bei dem es wahrhaft um Alles zu gehen scheint. Manche Schilderungen wirken fast wie aus einem Buch de Sades entsprungen. Da möchte man sich das Geschehen lieber nicht allzu bildhaft vorstellen. Dennoch bilden Marais und de Sade ein beinahe geniales Gespann, das mit einem unterschwelligen Humor unterhält und einen verzwickten Fall löst.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Fest der Finsternis von Ulf Torreck
ISBN: 978-3-453-67713-5



Donnerstag, 16. Februar 2017

Hangar 885

Kommissar Erlendur steht noch am Anfang seiner Karriere. Fälle von Vermissten haben es ihm angetan und er hat gerade begonnen, den Fall der jungen Dagbjört noch einmal aufzurollen, die vor über zwanzig Jahren auf dem Weg zur Schule verschwand. Gemeinsam mit seinem Kollegen Marian ermittelt er auch in dem Fall eins Toten, der von einer jungen Frau in einem See gefunden wurde. Der Tote trug Kleidung aus amerikanischer Herstellung. Sollte es sich gar um einen Amerikaner handeln oder doch ehr um einen Isländer, der auf dem US-Stützpunkt beschäftigt war?

Die Reihe um Kommissar Erlendur umfasst mit diesem neuesten Roman inzwischen über zehn Bände und zum zweiten Mal geht es in die Vergangenheit. Die späten 1970er sind die Gegenwart dieses Falles und das Verschwinden Dagbjörts hat bereits in den 50ern Stattgefunden. Zeiten, in denen der US-Stützpunkt einen Ort der unerfüllten Träume markierte. Sei es nach gut und in Dollar bezahlter Arbeit, nach Kleidung, Alkohol oder gar Drogen. Alles scheint auf dem Stützpunkt leicht und billig zu haben zu sein. doch welches Schicksal hat der junge Mann erlitten, der tot aufgefunden wurde. Ist er dem Reiz des Verbotenen erlegen? Erlendur und Marian ermitteln unaufgeregt aber zielstrebig. Haben sie auch nur die kleinste Witterung aufgenommen, lassen sie sich durch keinen Widerstand abschütteln. Jede Information wird gewogen und eingeordnet bis sich schließlich ein Bild rundet. Dies gilt gleichermaßen für den Tod des jungen Mannes als auch für das vor Jahren verschwundene Mädchen.


Dem Autor gelingt es dabei ausgesprochen gut ein Bild der Zeit zu zeichnen. Kleine Hinweise auf die Tagespolitik, aber auch einfach die Beschreibung des Lebens, der Menschen, der Orte lassen die 70er lebendig werden. Die stete Gegenwart der Amerikaner, die Stützpunkte als exterritoriales Gebiet ansehen. Die Beschaulichkeit des Alltags, die Unaufgeregtheit. Und doch auch in diesem Idyll gibt es Geheimnisse und Verbrechen, Menschen oder Organisationen, die etwas zu verbergen haben. Äußerst filigran verwebt der Autor seine Handlungsstränge, weckt Wissbegier und steigert geschickt die Spannung, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte bis das vorletzte Geheimnis gelüftet ist. Die allerletzte spur darf nicht gefunden werden, was genau der Zeit entspricht, in der der Roman spielt. Was allerdings in letzter Konsequenz wohl auch heute nicht anders wäre.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Tage der Schuld von Arnaldur Inđridason
ISBN: 978-3-7325-2949-0


Dienstag, 14. Februar 2017

Garten der Nacht

Gemeinsam mit ihrem Vater lebt Olivia Pennywort auf der Farm. Diese ist umgeben von einem bemerkenswerten Garten und einem Labyrinth. Nur der innerste Teil des Labyrinths darf nicht betreten werden. Doch in die anderen Teile des Gartens strömen die Besucher von Nah und Fern. Der Garten scheint etwas besonderes zu bieten, eine Rückzugsmöglichkeit, eine Möglichkeit innezuhalten. Instand gehalten wird der Garten von Olivia und anderen Frauen, die eine Zuflucht suchen und eine Einkehr. Obwohl Olivia anders ist als alle anderen, ist sie relativ glücklich. Allerdings ist sie allein und sie sieht keine Möglichkeit, etwas daran zu ändern. Bis Sam van Winkle heimkehrt, mit dem sie in ihrer Jugend befreundet war.

Wie zwei Königskinder, die nicht zueinander kommen können, so scheinen Olivia und Sam zu sein. Sam, der an Allergien leidet, und Olivia das genaue Gegenteil. Kann sie sogar gefährlich für ihn sein? Auf keinen Fall will Olivia Sam in Gefahr bringen, vielleicht ist es besser, sie bleiben einander fern. Sam, der einen Flugzeugabsturz knapp überlebt hat, will davon nichts wissen. Schon damals war Olivia sein ein und alles und heute will er endlich mit ihr zusammensein. Und der ganze Ort beobachtet das Geschehen. 


Mit zartem Schmelz beginnt die Lebens- und Liebesgeschichte von Olivia und Sam. Schritt für Schritt wird dabei ein Teil von dem Geheimnis um Olivias Zustand gelüftet. Sams intensives Werben gerät dabei nicht zu schmalzig, er kann auch mal klare Worte sprechen. Auch wenn die Ereignisse gegen Ende hin etwas zu sehr ins märchenhafte abgleiten, hat die Autorin doch eine wunderschöne Idee verarbeitet. Dabei versteht sie es mit großen Teils wirklich mitreißenden Beschreibungen und Schilderungen zu begeistern. Man ist ganz bei den handelnden Personen und möchte, dass sie glücklich leben bis an ihr seliges Ende.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

The Night Garden von Lisa Van Allen
ISBN: 978-0-345-53757-7


Sonntag, 12. Februar 2017

Schweizer Exil

Im Frühjahr 1938 flieht der österreichische Journalist Albert Trebla mit seiner Frau in die Schweiz. Doch auch in dem vermeintlich neutralen Land fühlt er sich nicht sicher. Zwar lernen die Eheleute schnell neue Menschen kennen und treffen alte Bekannte. Doch schon bald nach der Ankunft bekommt Trebla das Gefühl, er werde von zwei Blonden beschattet. Und bald darauf verstirbt ein Jurist, mit dem Trebla sich anzufreunden begann. Die Meldungen aus der alten Heimat stimmen auch nicht eben fröhlich, der Krieg schickt seine Boten voraus, die Gefahr scheint immer näher zu kommen. 

Wem kann man noch trauen in dieser verrückten Zeit? Hilfe kommt manchmal ebenso unerwartet wie eine Bedrohung von einer Seite, die man sicher glaubte. Auf der Flucht ist auch das Geld verdienen keine leichte Aufgabe, will der Journalist Trebla etwas veröffentlichen, braucht er eine Erlaubnis, für eine Erlaubnis braucht er einen gültigen Ausweis. Doch er hat nur Papiere eines Landes, das es seit kurzem so nicht mehr gibt. Dauernde Geldsorgen, das Gefühl der Bedrohung, die Sorge um die Gesundheit seiner Frau. Wie eine Schlinge, die sich langsam zuzieht, scheint sich das Schicksal um Treblas Hals zu legen. Schlechte Nachrichten aus der Heimat tun ein Übriges dazu, Treblas Nervenkostüm aufzureiben.


Am Vorabend des zweiten Weltkrieges angesiedelt ist dieser Roman ein bedrückendes Dokument, dass Flüchtlinge damals ebenso wie heute nicht freudig empfangen wurden. Mit Mühe finden die Eheleute Trebla Unterschlupf, eher noch bei Ihresgleichen. Widersinnig wirkt so manches fröhliches Beisammensein vor dem Hintergrund der politischen Lage. Doch vielleicht bedarf es einfach der Ablenkung, ein stundenweises Kopf in den Sand. Denn die Gefahr lauert. Die Flucht will organisiert sein, sie macht Wege notwendig, das Herauswagen aus dem Bau, der auch nicht sicher ist. Das Gefühl der Bedrohung, des Unwillkommenseins, der Angst vor schlechten Nachrichten ist immer gegenwärtig. Wie ein Tanz auf der Rasierklinge wirkt Treblas Weg durch die unsichere Zeit. Wenn auch dieser Roman in manchen Belangen undurchsichtig bleibt, so fesselt er in besonderem Maße durch die Beklemmung, die er bei dem Gedanken an ein Flüchtlingsschicksal auslöst. Wobei hier der Flüchtling Trebla durch seine Beziehungen und seine gewisse Bekanntheit noch begünstigt wirkt. Wie mag es da erst jenen ergangen sein oder ergehen, auf die tatsächlich niemand wartet?

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Murmeljagd von Ulrich Becher
ISBN: 978-3-442-74192-2




Samstag, 11. Februar 2017

Gurkendynastie

Noch hat die Kommissarin Klaudia Wagner mit den Folgen ihres letzten Falles zu kämpfen. Jede Ablenkung, die ein wenig Vergessen bringen könnte, wird dankbar angenommen. Eine Tanzveranstaltung mit der Kollegin Wibke ist eine willkommene Abwechslung, wenn auch Klaudia nicht jede Sekunde genießen kann. Der Schreck ist allerdings groß als am nächsten Morgen die Leiche eines jungen Mannes gefunden wird, bei dem es sich vermutlich um einen der vielen Erntehelfer handelt, die während der Gurkenernte den Spreewald bevölkern. Doch wer könnte etwas gegen den Jungen gehabt haben. Zumindest war er ein Liebling der Frauen. Ist er vielleicht Opfer eines eifersüchtigen Dritten geworden.

In ihrem zweiten Fall hat Klaudia Wagner die tragischen Ereignisse, die zur Lösung des vorherigen Falles führten noch nicht überwunden. Die Bilder stehen ihr noch lebhaft vor Augen und auch ihr Tinnitus macht sich wieder bemerkbar. Die Krönung ist natürlich, dass sie auch noch mit dem Kollegen Demel zusammenarbeiten muss, der für den erkrankten Thang eingesprungen ist. So sind die äußeren Umstände zu Beginn der Untersuchung nicht die allerbesten. Und die Befragten schweigen beharrlich oder geben nur Halbwahrheiten preis. Trotz aller Widrigkeiten machen sich die Beamten mit großem Eifer daran, das Rätsel um den Verstorbenen zu lösen.


Ruhig aber zielstrebig macht sich Klaudia daran hinter das Geheimnis um den Tod des jungen Erntehelfers zu kommen. Immer noch fühlt sie sich wie eine Fremde, die die aus dem Ruhrgebiet stammende ja auch ist. In Lübben und Lübbenau scheint jeder jeden zu kennen, aber nicht unbedingt mag jeder jeden. So ist der Heimkehrer aus Berlin, bei dem einige der Erntehelfer arbeiten, nicht so wohlgelitten. Klaudia beschäftigt sich mit dem Beziehungsgeflecht, dass in den kleinen Spreewald-Orten gesponnen ist. Einerseits froh, den Touristenströmen zu entkommen, ist Klaudia andererseits noch nicht völlig heimlich in der Gegend der Spreewald-Gurken. Nicht alle Kollegen sind dabei eine große Hilfe, aber es kristallisiert sich doch heraus, dass Klaudia sich auf einige derer verlassen kann. Ihr langsames sich einleben in der fremden Umgebung mit den nicht so offenen aber doch herzlichen Einheimischen, macht einen erheblichen Teil des Reizes aus, den dieser geradlinige Krimi verströmt. Der eigentliche Fall dagegen wird erst gegen Ende richtig spannend und auch überraschend. So wie man allerdings zurzeit den Sommer herbeisehnt, ein wenig davon kann man bei der Lektüre dieses unaufgeregten aber dennoch fesselnden Sommer-Krimis schon jetzt erahnen. Und wie es sich bei einer Reihe gehört, bleiben genug Fragen offen, um Vorfreude auf den nächsten Band wecken  zu können.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳)

Spreewaldtod von Christiane Dieckerhoff
ISBN: 978-3-8437-1383-2